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FC Sittard ringt Dordrecht nieder - und das Stadion kocht

Es war ein lauer Frühlingsabend in Sittard, als 33.552 Zuschauer das Stadion zum Beben brachten. Der FC Sittard hatte am 4. Spieltag der 1. Liga Niederlande den SC Dordrecht zu Gast - und die Partie bot alles, was ein Fußballherz höherschlagen lässt: frühe Tore, gelbe Karten, junge Helden und ein Trainer, der nach dem Schlusspfiff leicht heiser, aber rundum zufrieden wirkte.

Schon nach fünf Minuten bebte die Tribüne. Arjen Van Schoonhoven, der flinke Rechtsaußen des FC Sittard, zog nach einem mustergültigen Zuspiel von Linksverteidiger Hansen Lansing ab - und der Ball zappelte im Netz. 1:0! "Ich hab einfach draufgehalten, ehrlich gesagt", grinste Van Schoonhoven später in die Mikrofone. "Wenn ich da noch überlegt hätte, wär der Ball wahrscheinlich auf dem Parkplatz gelandet."

Dordrecht brauchte einige Minuten, um sich zu sortieren. Stefan Mihajlovic versuchte, das Spiel seiner Mannschaft an sich zu reißen, flankte, rannte, haderte. In der 13. Minute hatte er die erste gute Gelegenheit, doch Sittards Keeper Herold Halse, gerade einmal 19 Jahre alt, pflückte den Ball ruhig aus der Luft, als wäre das seine tägliche Routine. "Der Junge hat Nerven wie Drahtseile", staunte ein älterer Fan auf der Haupttribüne, "und wahrscheinlich noch Milch im Kühlschrank, die älter ist als er."

Dordrecht tat sich schwer, obwohl sie mit fast 49 Prozent Ballbesitz und immerhin zehn Abschlüssen keine schlechte Figur machten. Doch Sittard war effektiver, bissiger in den Zweikämpfen (Tacklingquote 51,6 Prozent) und zeigte, dass Fußball nicht nur aus Statistik besteht, sondern aus Leidenschaft - und manchmal auch aus jugendlicher Unbekümmertheit.

Kurz vor der Pause wurde es ruppig: Hansen Lansing, der Vorlagengeber des frühen Tores, sah Gelb, nachdem er Duarte Rocha etwas zu energisch den Ball abgeluchst hatte. Trainer Patrick We rief ihm von der Seitenlinie zu: "Hansen, wir spielen Ball, nicht Bowling!" - die halbe Bank grinste, das Publikum applaudierte.

Nach dem Seitenwechsel kam Dordrecht mit Wut im Bauch aus der Kabine. In der 55. Minute wurde die Geduld der Gäste belohnt: Mihajlovic, der schon die ganze Partie über gewirbelt hatte, traf nach feiner Vorarbeit von Innenverteidiger Marcello Tripodi zum 1:1-Ausgleich. Ein sehenswerter Treffer, der die Hoffnung der Gäste wieder aufleben ließ. "Da haben wir kurz gedacht, jetzt kippt das Spiel", gab Sittards Trainer We später zu. "Aber dann kam Karel."

Karel Sutphen, gerade einmal 20 Jahre alt, stand in der 68. Minute goldrichtig. Michel Devenpeck hatte sich zentral durchgetankt, passte genau im richtigen Moment, und Sutphen schob eiskalt ein - 2:1. Das Stadion explodierte. "Ich wusste gar nicht, wohin mit meinen Armen", lachte der Torschütze hinterher. "Also hab ich einfach geschrien."

In der Schlussphase verteidigte Sittard mit Herz und Verstand. Dordrecht drückte, Rocha und Mihajlovic feuerten aus allen Lagen, doch Halse hielt, was zu halten war. Die Gäste sammelten zwar noch eine Gelbe Karte - Tripodi in der 85. Minute - doch das änderte nichts mehr am Spielverlauf.

Trainer Patrick We zeigte sich nach dem Abpfiff zufrieden: "Das war kein Schönheitspreis, aber drei Punkte sind drei Punkte. Und wenn man sieht, wie die Jungs gekämpft haben, kann man nur stolz sein." Sein Gegenüber, der sichtlich enttäuschte Dordrecht-Coach, murmelte in die Mikrofone: "Wir hatten unsere Chancen, aber Sittard war heute einfach einen Schritt schneller. Und manchmal reicht das schon."

Die Statistik sprach am Ende eine klare Sprache: 13 Torschüsse für Sittard, 10 für Dordrecht, Ballbesitz nahezu ausgeglichen. Es war kein Spiel der großen taktischen Kniffe - beide Teams spielten ausgewogen, ohne extremes Pressing oder Hauruck-Fußball. Aber es war ein Spiel, das von Emotionen lebte, von jungen Spielern, die sich etwas trauten, und von Fans, die ihr Team nach vorne brüllten, als ginge es um die Meisterschaft.

Als die Flutlichter langsam erloschen, summte das Stadion noch leise. Ein paar Kinder rannten auf dem Rasen herum, ein Vater erklärte seinem Sohn, was "Abseits" bedeutet, und irgendwo, ganz hinten auf der Tribüne, sang jemand leicht schief, aber glücklich von "Sittards Fußballwunder".

Und wer weiß - vielleicht war dieser 2:1-Sieg wirklich der erste Schritt in eine Saison, über die man noch lange reden wird.

06.05.643997 05:25
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