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Das Flutlicht im Stollberger Stadion glitzerte auf den frisch gewässerten Rasen, als Schiedsrichter Rother pünktlich um 20:30 Uhr den 25. Spieltag der 2. Liga Deutschland anpfiff. 19.748 Zuschauer waren gekommen - manche wohl in der Hoffnung, dass die heimische Offensive diesmal ihre Schusslaune in Zählbares ummünzen würde. Sie wurden nicht enttäuscht: Der FC Stollberg besiegte den TuS Hordel mit 2:0 (0:0) und hätte dabei locker ein halbes Dutzend mehr Tore schießen können. Von Beginn an zeigte die Elf von Trainer Wei To, dass sie keine Zeit zum Abtasten verschwenden wollte. Schon in der ersten Minute prüfte Rechtsverteidiger Oskar Beier den Hordeler Keeper Kay Fuhrmann mit einem satten Distanzschuss. "Ich wollte nur mal sehen, ob der wach ist", grinste Beier später. Wach war Fuhrmann, und das musste er auch bleiben - denn Stollberg feuerte aus allen Lagen. 24 Torschüsse zählte die Statistik am Ende, vier auf Seiten der Gäste. Die erste Halbzeit war ein einziger Stollberger Angriffswirbel, aber ohne Happy End. Ruslan Gerassimow, der flinke Linksaußen, tänzelte in der 19. Minute zwei Verteidiger aus, verpasste dann aber das Tor um Zentimeter. "Ich dachte, der Ball sei schon drin, ehrlich", sagte er nach dem Spiel und schüttelte lachend den Kopf. Trainer Wei To fasste die ersten 45 Minuten so zusammen: "Wir hätten da auch 3:0 führen können - oder 0:0 verlieren, wenn’s dumm läuft." Sarkasmus mit asiatischer Gelassenheit. TuS Hordel dagegen kam kaum aus der eigenen Hälfte. Ihr Plan - lange Bälle auf die Routiniers Andre Lange und Berndt Brand - verpuffte regelmäßig an Stollbergs Innenverteidiger-Duo Frechaut und Hamann. Als Lange in der 35. Minute nach einem Sprint liegen blieb, ahnte man Schlimmes. Eine Muskelverletzung zwang ihn zum Wechsel, der junge Sascha Günther kam - und ging kurz darauf selbst verletzt vom Platz. "Das war heute kein Spiel, das man seinen Oberschenkeln wünscht", knurrte Hordel-Trainerin Ute Finkeldy später. Nach der Pause dasselbe Bild: Stollberg drückte, Hordel mauerte. In der 54. Minute platzte endlich der Knoten. Stephan Kunkel flankte mustergültig von links, Gerritt Groesbeck kam aus der Tiefe - und jagte den Ball aus 18 Metern flach ins rechte Eck. Ein Tor für die Galerie, das Stadion tobte. "Ich hab einfach durchgezogen. Wenn man 23 Mal danebenhaut, muss der 24. sitzen", grinste Groesbeck mit staubtrockener Ehrlichkeit. Hordel wirkte kurz geschockt, versuchte dann aber, über Konter zurück ins Spiel zu finden. Berndt Brand prüfte Stollbergs Torwart Navarro in Minute 46 und 75, doch dessen Reflexe waren so sicher wie der Griff eines Bierdeckels in der Halbzeitpause. Als Andre Lange in der 79. Minute noch Gelb sah, war endgültig klar: Hordel würde hier keinen Punkt mitnehmen. Das 2:0 in der 73. Minute war dann die logische Konsequenz aus Stollbergs Dauerpressing. Rechtsaußen Sandor Feldmann zog die Linie entlang, passte scharf in den Strafraum, und Julius Jahn vollendete trocken. "Ich musste nur den Fuß hinhalten", sagte Jahn bescheiden - was Feldmann mit einem Augenzwinkern kommentierte: "Wenn er das Ding versemmelt hätte, wär ich beleidigt gewesen." Die letzten 15 Minuten waren Schaulaufen. Stollberg wechselte durch, brachte mit Kalman Borbas und Marco Meiser frische Beine, und ließ Ball und Gegner laufen. Der Ballbesitz von 51 Prozent klingt knapp, aber das war nur Statistik - das Spiel gehörte den Hausherren. Hordel, mit 48 Prozent und langen Bällen, kämpfte tapfer, aber vergeblich. Trainerin Finkeldy zeigte sich nach Abpfiff fair: "Wir hatten unseren Plan, aber Stollberg war heute einfach besser. Manchmal ist Fußball nicht kompliziert." Ihr Gegenüber Wei To konterte charmant: "Ich mag komplizierte Gegner lieber. Da sieht man besser aus, wenn man gewinnt." Ein verdienter Sieg also für Stollberg, der sie in der Tabelle weiter nach oben schiebt. Für Hordel hingegen war es ein Abend zum Vergessen - oder, wie es ein Fan auf der Tribüne formulierte: "Die spielen wie meine Steuererklärung: viel Aufwand, null Ertrag." Vielleicht das treffendste Fazit eines Spiels, das alles hatte - außer Spannung. Doch wer Stollberger Fußball liebt, bekam, was er wollte: einen Gegner, der kam, sah und verteidigt wurde. Und irgendwo zwischen der 24. Torannäherung und dem Schlusspfiff dachte man: Wenn Stollberg so weitermacht, kriegen sie bald ein Problem - sie müssen neue Jubelposen üben. 13.11.643996 04:51 |
Sprücheklopfer
Wir wollen uns von Spiel zu Spiel konzentrieren und die Tordifferenz verringern.
Christoph Daum