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FC Verl schockt Nürnberg mit frühem Dreifachschlag

Es war einer dieser Abende, an denen ein Oberligist aussieht, als hätte er gerade beschlossen, Champions-League-Ambitionen anzumelden. Vor 2419 Zuschauern im Verler Stadion ließ der FC Verl dem 1. SC Nürnberg keine Chance und fegte die Franken mit 3:0 (3:0) vom Platz. Drei Tore in einer atemberaubenden ersten Halbzeit, 19 Torschüsse und ein Publikum, das sich zwischendurch ungläubig die Augen rieb - so startet man in eine Saison der "Oberliga G".

Bereits in der 9. Minute ging Verl in Führung, als der junge Mittelstürmer Stefan Jarakovic den Ball nach Vorarbeit von Age Herlovsen trocken ins rechte Eck drosch. "Ich hab’ gar nicht groß nachgedacht", grinste der 19-Jährige später. "Wenn du so früh triffst, ist das wie ein doppelter Espresso." Nürnberg wirkte benommen und schaffte es kaum, eigene Akzente zu setzen - trotz eines leichten Vorteils im Ballbesitz (51 Prozent).

In der 32. Minute legte Eduardo Alvar nach. Nach einem schnellen Umschaltspiel über den linken Flügel schickte Marwin Kramer den Ball punktgenau in den Lauf des Rechtsmittelfeldspielers, der mit chirurgischer Präzision vollendete. "So ein Pass ist wie eine Einladung zum Tanzen", schwärmte Alvar später in jugendlicher Begeisterung. Nürnberg-Coach, dessen Name in den offiziellen Unterlagen verschämt fehlt (vielleicht wollte er nach dieser Vorstellung anonym bleiben), raufte sich an der Seitenlinie die Haare.

Es kam noch schlimmer für die Gäste: Kurz vor der Pause (43.) traf Milan Nad nach Doppelpass mit Tomas Funk und machte den Dreierpack perfekt. Der Jubel glich einem Vulkanausbruch - und das nicht nur auf dem Spielfeld. Ein älterer Fan auf der Haupttribüne rief begeistert: "So spielt man Fußball, Jungs!" und verschüttete dabei vor Freude sein Bier.

Die zweite Halbzeit stand dann eher unter dem Motto: Ergebnissicherung und Schaulaufen. Verl schaltete einen Gang zurück, ohne das Spiel aus der Hand zu geben. Trainer Mr Nobody, der offenbar nicht nur ein Mann mit geheimnisvollem Namen, sondern auch mit klarer Philosophie ist, verzichtete auf riskante Umstellungen. "Offensive bleibt die beste Verteidigung", kommentierte er trocken. Seine Jungs hielten sich daran - weitere zehn Abschlüsse in Halbzeit zwei unterstrichen den Offensivdrang.

Nürnberg dagegen fand nie ins Spiel. Drei kümmerliche Torschüsse, keine zwingende Chance, und als Johann Koch in der 81. Minute auch noch Gelb sah, war die Misere komplett. "Wir haben viel Ballbesitz, aber wenig Gehalt", murmelte er nach Abpfiff, womit er unfreiwillig die Schlagzeile für den nächsten Morgen lieferte.

Einziger Schreckmoment für Verl: Bereits in der 7. Minute verletzte sich Rechtsverteidiger Jean Pelletier und musste ausgewechselt werden. Für ihn kam Tomas Funk - der sich später als Vorlagengeber beim 3:0 verewigte. "Ich hatte eigentlich noch gar nicht warmgelaufen", lachte Funk nach dem Spiel. "Aber wenn du reinmusst, musst du rein - und dann lieber mit einem Assist als mit einem Fehlpass."

In der Statistik las sich das alles so deutlich, wie es aussah: 19:3 Torschüsse, eine Zweikampfquote von 56 Prozent, 48,8 Prozent Ballbesitz - sprich: weniger Ball, mehr Biss. Nürnberg versuchte es mit gepflegtem Kurzpassspiel, aber die Kugel lief meist nur bis zur Mittellinie, bevor einer der Verler Youngster den Ball wieder einsammelte.

In der Schlussphase gönnte sich Mr Nobody noch ein paar Wechsel - Noah Scherer und Malik Özer kamen ins Spiel, ein Zeichen dafür, dass der Trainer auch an die Zukunft denkt. "Wir wollten zeigen, dass Verl mehr ist als elf Jungs für 90 Minuten", sagte er mit verschmitztem Lächeln.

Die Fans verließen das Stadion mit leuchtenden Augen und leeren Stimmen. Ein kleiner Junge im FCV-Schal fasste das Geschehen zusammen: "Ich glaub, die Nürnberger sind gar nicht aus der Kabine gekommen."

Wenn der FC Verl diese Form konservieren kann, dürfte es in der Oberliga G noch einige böse Erwachen geben - nur diesmal nicht für Verl.

Und Nürnberg? Die werden sich an diesem Abend noch lange die Frage stellen: Wie kann man so viel Ball haben - und so wenig anfangen?

Ein Satz, der wohl auch im Nürnberger Mannschaftsbus öfter gefallen sein dürfte: "Das war heute einfach nicht unser Spiel." Nein, war es wirklich nicht.

22.03.643997 04:32
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Ich habe mit Erich Ribbeck telefoniert, und er hat zu mir gesagt, ich stehe für die Maltareise nicht zur Verfügung.
Andreas Möller
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