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Fehervar fegt Chersonissos vom Platz - Bruhn trifft dreifach beim 4:0-Galaabend

Manchmal gibt es Spiele, bei denen man schon nach zehn Minuten ahnt, wohin die Reise geht. Das Champions-League-Gruppenspiel zwischen dem SC Fehervar und Chersonissos war so ein Fall. 79.500 Zuschauer im ausverkauften Stadion erlebten am Mittwochabend ein ungarisches Fußballfest, in dem Eskil Bruhn und Istvan Bozsik die griechische Abwehr in ihre Einzelteile zerlegten. Am Ende stand ein klares 4:0 (1:0), das in Wahrheit noch schmeichelhaft für die Gäste war.

Fehervar begann mit einer offensiven Ausrichtung, Trainer Mina Aryabhata hatte ihre Mannschaft auf Attacke getrimmt. Schon in der ersten Minute prüfte Bozsik den griechischen Torhüter Ashton Heighway mit einem strammen Schuss aus halbrechter Position. Danach rollte Angriff auf Angriff - mal über links mit Alberte Storm, mal durch die Mitte, wo Slatko Angelow das Spiel klug lenkte. Nur das Tor fehlte zunächst.

In der 27. Minute fiel dann der Bann. Nach einem abgewehrten Schuss von Storm stand Eskil Bruhn goldrichtig und schob aus fünf Metern ein. 1:0 - und das Stadion bebte. "Ich hatte das Gefühl, heute kann mich nichts stoppen", grinste Bruhn später in die Kameras. "Der Ball kam wie bestellt."

Chersonissos? War zwar körperlich präsent, aber offensiv fast unsichtbar. Ihr einziger Torschuss in der 45. Minute - ein harmloser Versuch von Ignacio Albacar - ging direkt in die Arme von Torwart Tamas Bene, der vermutlich noch Zeit hatte, kurz an den nächsten Spielzug zu denken.

Nach der Pause kam kurz Hoffnung bei den Gästen auf. Trainer Harry Kane, dessen Gestik am Spielfeldrand zwischen Verzweiflung und britischem Humor wechselte, brachte gleich drei junge Spieler. Doch Fehervar hatte kein Erbarmen. In der 53. Minute legte Szabolcs Sztani mustergültig quer, Bruhn verwertete eiskalt zum 2:0. Zehn Minuten später folgte das 3:0 - erneut Bruhn, diesmal nach einem abgefälschten Schuss, der aussah, als hätte ihn das Schicksal persönlich ins Tor getragen.

"Das war keine Kunst, das war Instinkt", sagte Trainerin Aryabhata augenzwinkernd. "Wobei, vielleicht auch ein bisschen Training." Sie hatte allen Grund zum Lächeln: Ihr Team stand kompakt, presste klug und zeigte mit 21 Torschüssen, dass man in dieser Gruppe noch lange nicht aufgegeben hat.

Als Bozsik in der 86. Minute nach schöner Vorarbeit von Sztani den Ball zum 4:0 unter die Latte drosch, sangen die Fans längst von der K.-o.-Phase. Die Statistik sprach eine deutliche Sprache: 53 Prozent Ballbesitz, 59 Prozent gewonnene Zweikämpfe, dazu ein Gegner, der nur einmal ernsthaft auf das Tor schoss. Chersonissos wirkte wie ein Boxer, der schon nach der Hälfte des Kampfes nur noch auf den Gong wartet.

Ein kleiner Schönheitsfehler blieb: Slatko Angelow sah in der 84. Minute Gelb, nachdem er etwas zu engagiert in einen Zweikampf ging. "Ich wollte nur zeigen, dass ich auch noch da bin", scherzte der 33-Jährige nach dem Spiel.

Die letzten Minuten gehörten dann den Nachwuchskräften. Aryabhata brachte den 19-jährigen Alfred Szabics und den 17-jährigen Lajos Safar, die mit jugendlichem Elan das Publikum noch einmal aufhorchen ließen. "So macht man das, wenn man in der Champions League ein Zeichen setzen will", meinte ein sichtlich zufriedener Fehervar-Fan auf der Tribüne.

Auf der anderen Seite stand Harry Kane mit verschränkten Armen. "Wir haben Lehrgeld bezahlt", sagte er trocken. "Viel Lehrgeld." Seine Mannschaft, die ohnehin auf Konter eingestellt war, kam kaum zu Entlastung. Die Abwehr um den jungen Lucas Hernandez hielt so gut sie konnte, aber gegen die Wucht von Bruhn und Bozsik war kein Kraut gewachsen.

Als der Schlusspfiff ertönte, hatte Fehervar nicht nur drei Punkte, sondern auch ein klares Statement abgegeben. Vier Tore, kein Gegentreffer, und eine Offensive, die in dieser Form jedem Gegner gefährlich werden kann.

Oder, wie es Eskil Bruhn später mit einem Grinsen sagte: "Heute war’s einfach einer dieser Abende, an denen selbst der Ball mitspielen wollte."

Ein wenig Pathos darf erlaubt sein - schließlich gibt es in der Champions League keine kleinen Siege, nur große Geschichten. Und Fehervar hat an diesem Abend eine davon geschrieben.

01.08.643996 00:19
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