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Die Champions-League-Qualifikation ist bekanntlich kein Kindergeburtstag - schon gar nicht, wenn 63.600 Zuschauer eine ungarische Fußballnacht mit allem Drum und Dran erleben wollen. Der SC Fehérvár besiegte am Mittwochabend Tirat Carmel FC mit 2:1 (1:0) und legte damit einen wichtigen Grundstein in der Gruppenphase. Es war ein Spiel voller Energie, Emotionen - und gelegentlicher Verwirrung in beiden Abwehrreihen. Fehérvár begann, als wolle man gleich alle Zweifel beseitigen. Bereits in der 10. Minute prüfte Eskil Bruhn den israelischen Keeper Georg Danielsen mit einem Schuss, der mehr Wucht als Zielgenauigkeit zeigte. Trainer Mina Aryabhata klatschte trotzdem begeistert in die Hände: "Wenn er den Ball trifft, fliegt er wenigstens. Nicht wie letzte Woche beim Tennistraining", witzelte sie später. Nach einer weiteren Gelegenheit durch István Bozsik in der 20. Minute zeichnete sich ab, dass die Hausherren den Ton angeben würden. 57 Prozent Ballbesitz, 17 Torschüsse - das war kein Zufall, sondern das Ergebnis einer klar offensiven Ausrichtung. Der Lohn folgte in der 29. Minute: Kai Havertz, der erst 19-jährige Taktgeber im Mittelfeld, spielte einen Zuckerpass in die Spitze, den Bozsik per Direktabnahme zum 1:0 verwandelte. Das Stadion tobte, und Havertz grinste nach dem Treffer: "Ich hab einfach gehofft, dass István diesmal nicht wieder querlegt." Tirat Carmel zeigte sich zunächst geschockt, kämpfte sich aber in der Folge zurück. In der 35. Minute sah Innenverteidiger Robert Catalano Gelb, nachdem er Alberte Storm resolut - vielleicht zu resolut - an der Seitenlinie stoppte. Trainerin Babsi Klemm schüttelte den Kopf: "Er hat den Ball gespielt, behauptet er. Ich frage mich nur, welchen Ball." Zur Pause stand es 1:0, und die Statistik sprach eine deutliche Sprache: Fehérvár hatte das Spiel im Griff, aber verpasste es, frühzeitig für klare Verhältnisse zu sorgen. Nach dem Seitenwechsel brachte Tirat Carmel frische Kräfte - Claude Gaudin kam für Isidoro Oliveira, Kacper Wojciechowski ersetzte Adriano Figo. Ein Doppelwechsel, der Wirkung zeigte, allerdings nicht sofort. In der 57. Minute setzte Fehérvár den nächsten Stich. Nach einer Ecke von Laszlo Kocsis landete der Ball über Umwege bei Eskil Bruhn, der mit einem wuchtigen Rechtsschuss das 2:0 erzielte. Es war die Art von Tor, bei der man als Verteidiger nur hoffen kann, dass der Ball nicht durch einen hindurchfliegt. "Das war pure Entschlossenheit", schwärmte Aryabhata, "und vielleicht ein bisschen Zufall, aber das verraten wir keinem." Doch wer glaubte, die Messe sei gelesen, hatte die Gäste unterschätzt. Tirat Carmel stellte auf bedingungsloses Angriffsspiel um - Pressing auf "YES", wie es in der Statistik hieß - und belohnte sich in der 73. Minute. Linksverteidiger Wojciechowski flankte präzise, und der eingewechselte Gaudin köpfte zum 2:1 ein. Plötzlich wurde es hektisch. "Ich hab einfach gehofft, dass keiner von denen noch einen dritten Ball aufs Feld wirft", scherzte Fehérvárs Keeper Luke Kelly, der kurz darauf zwei gefährliche Schüsse parierte. Die Schlussphase war ein Tanz auf der Rasierklinge. Alberte Storm vergab in der 81. Minute die große Chance zur Entscheidung, während Ethan Marley auf der Gegenseite Gelb sah, nachdem er sich lautstark über einen Freistoßpfiff beschwert hatte. "Er wollte nur diskutieren", meinte Klemm nach dem Spiel trocken, "aber der Schiedsrichter hatte offenbar keine Lust auf Philosophie." Als der Schlusspfiff ertönte, fiel Aryabhata ihrer Bank in die Arme. "Ein schöner, dreckiger Sieg", resümierte sie, "und manchmal sind das die besten." Klemm hingegen zeigte sich trotz der Niederlage kämpferisch: "Wir fliegen nicht heim, um zu weinen. Wir fliegen heim, um zu trainieren - und dann weinen wir." Statistisch betrachtet war das Ergebnis gerecht: Fehérvár traf das Tor häufiger (17 zu 7 Schüsse), hatte mehr Ballbesitz (57 Prozent) und zeigte den etwas besseren Zugriff in den Zweikämpfen. Doch Tirat Carmel bewies Moral, Kampfgeist und eine Spur Größenwahn - genau das, was man in der Qualifikation braucht. Vielleicht war es kein glanzvoller Abend der Taktik, aber einer der Emotionen. Und wenn man Aryabhata und Klemm nach dem Spiel zusammen lachen sah, wusste man: Fußball ist manchmal eben doch fair - zumindest nach dem Abpfiff. Oder, um es mit den Worten von Eskil Bruhn zu sagen: "Das war heute kein Kunstwerk, aber immerhin Originalware." 01.04.643997 07:13 |
Sprücheklopfer
Der ist noch nicht hier. Der Flug nach Kapstadt war ein Nichtraucherflug. Da konnte er nicht.
Berti Vogts über die verspätete Ankunft von Mario Basler in Südafrika