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Es war ein lauer Maiabend im Stadio Via del Mare, doch auf dem Rasen von Lecce brannte es - zumindest phasenweise. 50.000 Zuschauer sahen am 33. Spieltag der 1. Liga Italien eine Partie, die lange nach einem torlosen Remis roch und dann in der 90. Minute plötzlich explodierte: Tamas Fekete, der flinke ungarische Linksaußen des AC Neapel, stach eiskalt zu und bescherte seiner Mannschaft einen 1:0-Auswärtssieg, der zwar spät, aber nicht unverdient kam. Schon in den ersten Minuten deutete sich an, dass Neapel mit breiter Brust angereist war. Raphael Reich prüfte Lecsces Keeper Marcio Juarez bereits nach drei Minuten mit einem satten Schuss aus der zweiten Reihe - ein Warnschuss im wahrsten Sinne des Wortes. Lecce antwortete durch Cesare Cosentino, dessen Schlenzer in der sechsten Minute knapp über die Latte strich. Danach entwickelte sich ein munteres Hin und Her, bei dem beide Teams ihre Abschlüsse suchten: Insgesamt 21 Torschüsse, 9 für Lecce, 12 für Neapel, sprechen eine deutliche Sprache. "Wir wussten, dass Lecce tief steht und auf Konter lauert", erklärte Neapels Coach Giovanni Diaco nach dem Spiel mit einem zufriedenen Grinsen. "Aber manchmal muss man eben bis zur letzten Minute Geduld haben - und dann trifft einer, der vorher schon dreimal daneben gezielt hat." Gemeint war natürlich Fekete, der zuvor in der 69. und 73. Minute noch am glänzend reagierenden Juarez gescheitert war. Lecce dagegen verteidigte tapfer - vielleicht zu tapfer. Trainer Giovanni Mirabella hatte sein Team in einer klar defensiven Ausrichtung aufs Feld geschickt: lange Bälle, diszipliniertes Stellungsspiel, wenig Risiko. "Wir wollten Neapel kommen lassen und dann Nadelstiche setzen", meinte Mirabella und fügte mit einem Schulterzucken hinzu: "Leider war die Nadel stumpf." Tatsächlich gelang Lecce kaum einmal der entscheidende Pass in die Tiefe. Pedro Pauleta mühte sich auf dem linken Flügel redlich, hatte aber gegen Neapels robuste Abwehr kaum Durchkommen. Einmal, in der 18. Minute, schickte er einen gefährlichen Schuss knapp am Pfosten vorbei, ein anderes Mal (52.) musste Neapels Torwart Francesco Piras mit den Fingerspitzen retten. In der 50. Minute dann der Schreckmoment: Bruno Amantea, Lecsces laufstarker Rechtsaußen, blieb nach einem Zweikampf liegen und musste verletzt vom Feld. Benjamin Hensley kam für ihn - und brachte frischen Wind, aber eben keinen Ertrag. Kurz darauf folgte Mirabellas nächster Wechsel: Stürmer Giorgio Alberti ersetzte Valentino Rosati, und später kam Elias Jansen für den müden Louis Schultz. Doch egal, wer kam - der Ball wollte einfach nicht ins Tor. Auf der anderen Seite zog Diaco zur Pause zwei Joker: Ivan Carracedo und Hamza Avci kamen, um das Mittelfeld zu stabilisieren und die Außenbahnen zu beleben. Carracedo sollte später noch eine wichtige Rolle spielen. Denn kurz vor Schluss, als viele Fans schon die Bierstände anvisierten, kombinierte sich Neapel im Zentrum durch: Carracedo spielte einen präzisen Pass in den Lauf von Fekete - und der vollendete eiskalt ins lange Eck. 90. Minute, 0:1. Lecce am Boden, Neapel im Freudentaumel. "Ich hab einfach draufgehalten", grinste Fekete später in die Kameras. "Nach so vielen Versuchen musste ja irgendwann einer rein." Seine Teamkollegen tanzten mit ihm vor der Kurve, während Diaco an der Seitenlinie beide Fäuste ballte. Auf der anderen Seite stand Mirabella regungslos, die Hände tief in den Taschen, und murmelte laut Zeugen: "Manchmal ist Fußball eben ein grausamer Lehrer." Statistisch gesehen hatte Neapel die Nase vorn: 58 Prozent Ballbesitz, leicht bessere Zweikampfquote (52 zu 48 Prozent) und insgesamt die klareren Chancen. Lecce verteidigte lange gut, doch am Ende fehlten Frische und Mut. "Wir haben zu sehr auf das 0:0 gespielt", gab Verteidiger Andreas Laursen selbstkritisch zu, der in der 75. Minute noch Gelb gesehen hatte. "Vielleicht hätten wir einfach mal einen rauszimmern sollen." Taktisch blieb Lecce bis zum Schlusspfiff defensiv eingestellt, während Neapel in den letzten Minuten alles nach vorn warf - Pressing, kurze Pässe, volle Intensität. Das zahlte sich aus. Am Ende jubelte also der Favorit, während Lecce sich ärgern darf, dass der Plan fast aufgegangen wäre. Ein Punkt hätte wie ein Sieg geschmeckt, stattdessen blieb nur der Applaus der Fans für eine couragierte Leistung. "Ich kann meinen Jungs keinen Vorwurf machen", sagte Mirabella zum Abschied. "Außer vielleicht, dass sie das Tor zu klein eingeschätzt haben." Und so ging ein langer Abend in Lecce mit einem späten, aber typischen Fußballmoment zu Ende: Wer das Risiko meidet, verliert oft in der Nachspielzeit. Neapel tat das Gegenteil - und nahm drei Punkte mit nach Hause, die sich anfühlten wie ein kleines Meisterstück der Geduld. 26.06.644000 10:25 |
Sprücheklopfer
Wenn man mir die Freude am Fußball nimmt, hört der Spaß bei mir auf!
Thomas Häßler in seiner Dortmunder Zeit