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Feldmanns feine Fußspitze: Hamburger SC siegt knapp in Schweinfurt

FT Schweinfurt gegen Hamburger SC - das klang im Vorfeld nach ehrlicher Zweitliga-Arbeit, nach Flutlicht, kaltem Wind und Bratwurstduft. Und genau das bekamen die 24.503 Zuschauer am 17. Spieltag der 2. Liga Deutschland auch: ein Spiel mit viel Einsatz, einigen Blessuren und einem einzigen, aber goldwerten Moment in der 27. Minute - geliefert von Sandor Feldmann.

Der rechte Mittelfeldspieler der Hamburger war bis dahin kaum aufgefallen. Dann aber kam Joan Jorge über links, ließ seinen Gegenspieler aussehen wie auf Glatteis und flankte präzise in den Strafraum. Feldmann nahm den Ball direkt - und traf. Kein Gewaltschuss, sondern ein kontrollierter Volley, der sich über Schweinfurts Keeper Yanik Strauss senkte wie ein langsam fallendes Herbstblatt. "Ich hab einfach den Fuß hingehalten", grinste Feldmann nach dem Spiel, "und gehofft, dass der Ball nicht in den Bierstand fliegt."

Schweinfurt, das Team von Trainer Kevin Ferry, hatte eigentlich den besseren Start. Schon in der 5. Minute prüfte Karl Lorenz den Hamburger Schlussmann Lionel Carvalho. Der 19-Jährige im Tor der Gäste wirkte zwar nervös, aber seine Reflexe stimmten. "Der Junge hat Nerven wie Drahtseile", lobte Coach Bernd Happel später. "Oder er weiß einfach nicht, was auf dem Spiel steht - beides hilft."

Die Gastgeber kamen insgesamt auf 16 Torschüsse, Hamburg auf 11. Auch beim Ballbesitz lag Schweinfurt leicht vorne (52 zu 48 Prozent). Doch Effizienz bleibt im Fußball die härteste Währung - und da hatten die Hanseaten eindeutig mehr auf dem Konto.

Nach dem Gegentor wirkte Schweinfurt geschockt. Harry Marshal, gerade 18 und mit jugendlichem Übermut gesegnet, rannte vorne unermüdlich, traf aber immer wieder auf die robuste Hamburger Innenverteidigung um Celalettin Korkut. "Die haben uns das Leben schwer gemacht, aber wir haben’s ihnen nicht leicht gemacht, es uns schwer zu machen", analysierte Marshal mit einem Lächeln, das wohl auch er nur halb verstand.

Kurz vor der Pause brannte es noch einmal lichterloh im Strafraum der Gäste: Björn Ernst drosch einen Abpraller Richtung Tor, doch Carvalho fischte den Ball aus dem Winkel. "Da gehst du als Torwart mit der Mütze hin - wenn du eine hast", kommentierte ein Fan auf der Tribüne trocken.

In der zweiten Hälfte war Schweinfurt die aktivere Mannschaft, während der Hamburger SC zunehmend auf Kontrolle setzte. Happel ließ seine Elf kompakt stehen, die Linie blieb "balanciert", wie es die Taktiktafel nannte. Schweinfurt dagegen schraubte die Aggressivität hoch, presste spät aber beherzt - vielleicht etwas zu beherzt: Tiago Barbosa und Mircea Nastase sahen Gelb für übermotivierte Grätschen. "Wir wollten Zeichen setzen", meinte Trainer Ferry, "leider haben wir sie in die falsche Richtung gesetzt."

In der 65. Minute wurde es kurz hitzig, als Barbosa nach einem Foul an Postiga vom Schiedsrichter lautstark seine Unschuld beteuern wollte und dabei nur Gelb sah, weil der Unparteiische offenbar Humor hatte.

Die Schlussphase glich einem Belagerungszustand. Schweinfurt drückte, schoss aus allen Lagen - Marshal in der 85. und 87. Minute, Moser in der 89. -, doch der Ball wollte einfach nicht rein. Stattdessen verletzte sich Helmut Jürgens in der Nachspielzeit bei einem unglücklichen Zusammenprall. Er humpelte vom Feld, und Michael Crichton kam für die letzten Sekunden.

"Wir haben alles reingeworfen - fast auch die Trinkflaschen", sagte Ferry nach dem Abpfiff. "Aber wenn du kein Tor machst, kannst du auch keins zählen lassen." Ein Satz, der wohl in die Kabinenwand gemeißelt gehört.

Hamburgs Trainer Happel lobte indes seine Mannschaft für "eine reife Leistung mit jugendlicher Naivität". Seine Abwehrspieler Korkut und Dominguez (später ersetzt durch Caviness) hätten "gespielt, als ginge es um die letzte Parklücke auf St. Pauli".

Am Ende stand ein 0:1, ein Ergebnis, das nüchtern betrachtet verdient, aber kaum spektakulär war. Doch Fußball lebt nicht nur von Toren, sondern auch von Geschichten - und die schrieb an diesem Abend ein junger Ungar namens Sandor Feldmann mit einem feinen rechten Fuß.

Ein Zuschauer brachte es beim Verlassen des Stadions auf den Punkt: "Wenn Schweinfurt jetzt noch das Tor trifft, sind sie richtig gefährlich." Bis dahin bleibt ihnen nur die Erkenntnis, dass Ballbesitz allein keine Punkte bringt - und dass Hamburgs Keeper Carvalho vielleicht doch kein Teenager mehr ist, sondern ein verkleideter Torwart-Gott.

Oder wie Trainer Ferry es bitter lächelnd formulierte: "Wir hatten mehr vom Spiel, sie das Tor. Und das ist im Fußball leider kein Unentschieden."

23.07.643987 07:33
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