Fanatik
+++ Sportzeitung für Türkei +++

Fenehrbace dreht das Spiel - Bulut schießt Kaiserspor ins Herz

Ein lauer Juniabend, 32.718 Zuschauer im Kaiserstadion, und alles schien angerichtet für ein Fußballfest, das Kaiserspor so schnell nicht vergessen wird - und das Fenehrbace mit einem breiten Grinsen im Mannschaftsbus gen Istanbul verlassen durfte. Am Ende hieß es 2:3 (2:1) aus Sicht der Gastgeber, und das nach einer ersten Halbzeit, in der Trainer Mehmet Dogan schon die Korken knallen sah.

Kaum hatte Schiedsrichter Ünal die Partie angepfiffen, da wollte Fenehrbace offenbar keine Zeit verlieren. In der zweiten Minute zirkelte der pfeilschnelle Cemalettin Bulut den Ball nach Zuspiel von Emil Musiala ins Netz - 0:1, die Kaiserspor-Verteidigung noch beim Einsortieren der Trinkflaschen. "Ich dachte, das war nur der Aufwärmball", murmelte Innenverteidiger Stephane Leachman später mit einem gequälten Lächeln.

Doch Kaiserspor reagierte wie ein Boxer, der kurz wankt, aber nicht fällt. Nur drei Minuten später bediente Logan Densham mit einem feinen Pass den Routinier Salvador Antunez, der trocken zum 1:1 vollendete. Ein Tor aus dem Bilderbuch für alle, die an die Renaissance des klassischen Linksaußen glauben. "Ich hab einfach draufgehalten", grinste Antunez im Interview, "und gehofft, dass der Torwart noch träumt."

In der 26. Minute war das Stadion endgültig elektrisiert: Mario Berjon schickte Carlos Veloso steil, der Portugiese ließ Chevalier im Gäste-Tor keine Chance - 2:1! Da wackelte die Tribüne, und Mehmet Dogan riss die Arme hoch, als wolle er den Ball selbst noch ein zweites Mal über die Linie drücken.

Doch wer Fenehrbace kennt, weiß: Diese Mannschaft hat ein Gedächtnis wie ein Elefant und den Instinkt eines Löwenrudels. Hansi Flick, der deutsche Trainer mit der unerschütterlichen Ruhe eines Schachgroßmeisters, blieb auch in der Pause gelassen. "Wir haben das Spiel im Griff, auch wenn das Ergebnis etwas anderes behauptet", sagte er und kaute dabei demonstrativ an seinem Kaugummi.

Und tatsächlich: Kaum war die zweite Halbzeit angepfiffen, da meldete sich wieder ein gewisser Cemalettin Bulut zu Wort - beziehungsweise mit dem rechten Fuß. In der 47. Minute nahm er eine Flanke von Zihni Tanman volley und glich zum 2:2 aus. Fünf Minuten später der Déjà-vu-Moment: Wieder Tanman, wieder Bulut, wieder Tor. 2:3, und diesmal jubelte der türkische Stürmer mit ausgestreckten Armen direkt vor der gegnerischen Fankurve. "Ich mag es, wenn es leise wird", sagte er später mit einem schiefen Lächeln.

Kaiserspor versuchte in der Folge alles, um das Spiel zu drehen. 12 Torschüsse, 52 Prozent Ballbesitz, aber die Effektivität blieb auf der Strecke. Antunez scheiterte mehrfach, Veloso traf in der 87. Minute nur den Außenpfosten, und Luis da Costa sammelte lieber Gelbe Karten (79.) als Flankenläufe. "Wir haben Moral gezeigt, aber leider keine Präzision", resümierte Trainer Dogan. "Und wenn Bulut dreimal trifft, dann kann man ihm ruhig den Ball mitgeben - und vielleicht auch den Schiedsrichter."

Fenehrbace hatte am Ende 17 Schüsse aufs Tor - und drei davon zählten. Das nennt man Effizienz, oder, wie Flick es ausdrückte: "Das war deutscher Pragmatismus mit türkischem Feuer." Seine Mannschaft spielte offensiv, hielt das Pressing dosiert und verließ sich auf die Präzision ihres Sturms. Musiala und Tanman zogen die Fäden im Mittelfeld, während Bulut vorne alles verwertete, was auch nur ansatzweise nach Chance aussah.

Die letzten Minuten waren ein nervenaufreibendes Spektakel: Kaiserspor drückte, Berjon versuchte es aus der Distanz, Densham fluchte lautstark ("Der Ball ist verflucht heute!"), und Torwart Milan Ivanovic sprintete in der Nachspielzeit sogar mit nach vorn - nur um dann kopfschüttelnd zurückzutraben, als der Schlusspfiff ertönte.

Am Ende standen enttäuschte Gesichter bei den Gastgebern und ausgelassene Jubelszenen im gelben Block. Fenehrbace festigt mit diesem Sieg seinen Platz in der Spitzengruppe der 1. Liga Türkei, während Kaiserspor weiter auf der Suche nach Konstanz bleibt - und vielleicht auch nach einer Abwehr, die nicht von einem gewissen Cemalettin Bulut träumt.

"Wir werden das analysieren", versprach Dogan. "Und dann trainieren wir Kopfballabwehr. Auch wenn’s weh tut."

Ein Spiel, das alles hatte: Tempo, Tore, Emotionen - und einen Mann, der an diesem Abend einfach nicht zu stoppen war. Bulut, der Sturm, der durch Kaiserspor fegte.

Und irgendwo in der Kabine summte Hansi Flick leise vor sich hin - vielleicht ein deutsches Lied, vielleicht die Melodie des Sieges.

16.12.644002 04:21
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Ich denke, dass man stolz sein kann auf die Leistung von Schalke 04, wegen der Leistung.
Andreas Möller
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