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Fenix verzweifelt an Cerrense - 16 Schüsse, kein Tor

Ein 0:0 der besonderen Sorte erlebten die 45.690 Zuschauer am Freitagabend im Estadio Capurro: Capurro Fenix und CD Cerrense teilten sich die Punkte, aber nicht die Spielanteile. Wer nur auf die Statistik schaut, könnte glauben, Cerrense habe sich zu zehnt auf der eigenen Torlinie verschanzt - und ehrlich gesagt: ganz falsch ist das nicht.

Von Beginn an stürmte Fenix mit offenem Visier. Schon in der ersten Minute prüfte Christiano Manu Cerrense-Keeper Jose Yago mit einem satten Schuss - das erste von insgesamt 16 Malen, dass der Ball Richtung Gäste-Tor flog. Der 18-jährige Schlussmann Yago war der Mann des Abends, und das in einem Spiel, das für Torhüter normalerweise Albträume bedeutet. "Ich hab irgendwann aufgehört zu zählen", grinste er später. "Ich glaube, ich hatte mehr Ballkontakte als unser Mittelfeld zusammen."

Trainer Andreas Kessler ließ seine Fenix-Elf in bester Offensivlaune antreten, die Taktikanalyse spricht Bände: offensiv, aggressiv, über die Flügel, Schüsse aus allen Lagen. Und so war es: Manu, Podolski, Bach - ein Trio, das unermüdlich anrannte, flankte, schoss. In der 14. Minute zog Rechtsverteidiger Duarte Jordao einfach selbst mal ab, aus purer Verzweiflung vielleicht, aber immerhin: auch das zählte als Torschuss.

Cerrense dagegen kam kaum aus der eigenen Hälfte. Nur zwei Schüsse aufs Tor, jeweils harmlos, von Meira in der 21. Minute und von Skene in der 32. Dann passierte dem 32-jährigen Skene das Unglück: Nach einem Zweikampf blieb er liegen, musste kurz darauf verletzt raus. Trainer Leahcim Gnipeur brachte den jungen Oscar Anderson, der erst einmal den Staub von den Schuhen klopfte und sich fragte, ob er hier Fußball oder Handball sehen würde.

Der zweite Durchgang begann, wie der erste geendet hatte: Fenix belagerte das Cerrense-Tor, Cerrense verteidigte mit allem, was Beine hatte. In der 58. Minute versuchte es Linksverteidiger Javi Jorge, sein Schuss rauschte knapp über den Querbalken. Drei Minuten später: Gelb für Cerrenses Joshua Rose, der sich nur noch mit einem beherzten Griff ans Trikot zu helfen wusste.

Und dann, in der 77. Minute, wurde es bunt: Xabier Sainz, der Innenverteidiger der Gäste, sah Rot nach einem rüden Einsteigen gegen Peter Bach. "Ich wollte nur den Ball", beteuerte Sainz später. Kessler schüttelte auf der Pressekonferenz den Kopf: "Wenn er den Ball wollte, dann hat er wohl den falschen Sport gewählt." Cerrense nun also zehn Mann, Fenix mit noch mehr Offensivdrang - aber das Netz blieb unberührt.

In der Schlussphase wurde es fast tragikomisch: Bach scheiterte in der 81. und 82. Minute gleich doppelt, Podolski traf das Außennetz, Takacs nagelte den Ball in der Nachspielzeit (91.) gegen den Torwart. Dann noch Gelb für Javi Jorge - der offenbar Dampf ablassen musste.

Nach dem Schlusspfiff stand es 0:0, die Fans rieben sich die Augen: Wie konnte das passieren? 57,9 Prozent Ballbesitz, 16 zu 2 Torschüsse, eine Zweikampfquote von fast 58 Prozent - und trotzdem kein Treffer. "Das ist Fußball", seufzte Kessler, "manchmal ist das Tor einfach verhext. Oder Yago."

Gnipeur hingegen war zufrieden: "Wir hatten unseren Plan: Überleben. Das hat funktioniert." Der Cerrense-Coach grinste, als er gefragt wurde, ob er mit dem Punkt rechne: "Ich habe gehofft, dass der Bus heil zurückkommt, mehr nicht."

Die Fans von Fenix verabschiedeten ihr Team trotzdem mit Applaus, vielleicht auch, weil sie wussten: Mehr Einsatz ging nicht. Und irgendwo im Stadion sah man einen kleinen Jungen, der rief: "Papa, warum schießen die immer daneben?" - worauf der Vater nur antwortete: "Weil Fußball manchmal gemein ist, mein Sohn."

So endet ein Abend, der alles hatte - außer Tore. Für Fenix bleibt die Erkenntnis, dass Dominanz allein keine Punkte bringt. Für Cerrense hingegen fühlt sich dieses 0:0 fast wie ein Sieg an. Und für die neutralen Zuschauer bleibt das Gefühl, einem kleinen Wunder beigewohnt zu haben: einem torlosen Spektakel mit 18 Torschüssen, drei Karten und einem Torwart, der sich unsterblich machte.

Vielleicht sollte man Jose Yago zum Ehrenbürger von Cerrense ernennen - oder ihm wenigstens ein paar neue Handschuhe spendieren. Verdient hätte er’s.

02.03.644000 18:18
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