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Es war einer dieser Abende, an denen man als Zuschauer schon halb auf dem Weg zum Auto ist - und dann kracht’s. 19.158 Fans im Stadion von Arad hatten sich längst mit einem torlosen Unentschieden abgefunden, als Agemar Fernandes in der 92. Minute zum Helden eines Spiels wurde, das eigentlich keines war. Militari Bukarest gewinnt also mit 1:0 bei ATU Arad - und das dank eines einzigen Moments zwischen Genie und Zufall. Dabei hatte alles recht harmlos begonnen. Arad, leicht favorisiert nach den letzten Heimauftritten, begann mit Schwung und erstaunlich viel Mut. Schon in der ersten Minute zwang Florentin Iordanescu den Bukarester Keeper Thomas Baker mit einem satten Schuss aus der Distanz zu einer ersten Flugshow. "Ich wollte nur mal sehen, ob er wach ist", grinste Iordanescu später. Er war es - und blieb es das ganze Spiel über. Zwischen Minute 20 und 36 folgte ein wahres Feuerwerk an Arader Abschlüssen. Alexandru Hagi, Olaf Vetter, Alexander Yeates, ja sogar Innenverteidiger Nicolae Coras probierten ihr Glück. Doch der Ball fand den Weg ins Netz einfach nicht. "Wenn der Ball eckig wäre, hätten wir vielleicht mehr Glück", seufzte Arads Trainer nach der Partie - mit einem Lächeln, das eher nach Zahnarztbesuch aussah. Militari Bukarest dagegen begann nervös, fand aber nach der Pause in die Partie. Das Team von der Hauptstadt ließ sich nicht beirren vom leichten Ballbesitzvorteil der Hausherren (51,7 Prozent) und wartete auf den Moment, in dem Arad müde wurde. Und der kam, wie so oft, in Halbzeit zwei. Zwischen der 50. und 70. Minute drehten die Gäste auf: Fernandes, Gergely, Mitea - alle durften einmal aus der zweiten Reihe Maß nehmen. Die Schüsse waren gefährlich, aber nicht zwingend. Arads Torwart Christiano Tiago parierte alles, was nach Ball aussah. Doch während die Zuschauer schon begannen, über das Nachtleben in Arad zu diskutieren, kassierte Olaf Vetter in der 70. Minute noch Gelb - sinnbildlich für den Frust, der sich langsam breit machte. "Ich hab’ ihn kaum berührt", beteuerte Vetter noch in der Mixed Zone, "aber er ist gefallen, als hätte ihn ein Bus erwischt." Das Spiel trudelte dahin, beide Teams spielten mittlerweile eher BALANCED als begeisternd. Die Trainer standen an der Seitenlinie wie Schachspieler, die beide auf ein Patt hofften. Doch Fußball wäre nicht Fußball, wenn er sich an Pläne hielte. In der Nachspielzeit dann der Konter des Abends: Der 19-jährige Valentin Ganea eroberte auf der rechten Seite den Ball, sprintete los, als ginge’s um ein Stipendium in der Premier League, und legte quer auf Fernandes. Der Brasilianer nahm den Ball mit der Brust, schaute kurz - und drosch ihn aus 14 Metern unhaltbar unter die Latte. 92. Minute, 0:1. Stille im Stadion, Jubel im Gästeblock. "Ich habe einfach geschossen, weil meine Füße schneller dachten als mein Kopf", lachte Fernandes nach dem Spiel. Trainer und Mitspieler überhäuften ihn mit Schulterklopfern, während Arads Spieler noch minutenlang fassungslos in die Nacht starrten. Statistisch betrachtet war es ein Duell auf Augenhöhe: 10:9 Torschüsse, leicht mehr Ballbesitz für Arad, kaum Fouls, kaum Spektakel - aber eben ein Tor, das den Unterschied machte. "Wenn du so verlierst, willst du eigentlich sofort wieder spielen", meinte Arads Mittelfeldmann Hagi. "Oder du willst einfach nur schlafen." Militari-Trainer (dessen Name man sich merken sollte, auch wenn das Spiel nicht gerade als taktisches Lehrstück in die Geschichte eingeht) zeigte sich zufrieden: "Wir haben diszipliniert gespielt, nicht überdreht - und am Ende bekommst du, was du verdienst", erklärte er sachlich. Arad dagegen muss sich fragen, wie man mit so vielen Abschlüssen und so wenig Ertrag eine ganze Tribüne kollektiv zum Schweigen bringen kann. Vielleicht war’s einfach Pech. Vielleicht war’s die Müdigkeit. Oder einfach Fernandes, dieser Typ, der in der 92. Minute entschied, dass ein Punkt zu langweilig wäre. Fazit? Ein klassisches 0:1, das in Arad noch lange nachhallen wird. Militari Bukarest feiert einen späten, glücklichen, aber nicht unverdienten Sieg. Und irgendwo im Stadion murmelt einer: "Hätten wir doch nur in der 1. Minute getroffen." Fußball eben. 23.02.644003 04:23 |
Sprücheklopfer
Man muss feststellen, dass der Spruch auch nicht mehr stimmt, dass der Schütze nicht selber schießen soll. Ich stelle fest, dass der Schütze sehr wohl den Elfmeter selber schießt.
Günter Netzer