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Als der Schlusspfiff um 22:20 Uhr durch das abendliche Stadion von Katowice hallte, fiel der Jubel beinahe so laut aus wie beim letzten Stadtfest. 20.000 Zuschauer hatten gesehen, wie der FC Katowice den favorisierten BKS Gdansk mit 2:1 (1:0) bezwang - ein Sieg, der auf dem Papier knapp aussieht, auf dem Rasen aber deutlich verdient war. "Ich hab den Ball einfach laufen lassen, und Bernt macht den Rest - das war fast zu schön, um wahr zu sein", grinste Flügelspieler Marek Svento, der in der 40. Minute den ersten Treffer vorbereitete. Und tatsächlich: In einem Moment, in dem Katowice gerade drohte, seine eigene Spielfreude zu ersticken, kam der Ball von rechts, Fiedler stand goldrichtig und drosch das Leder trocken ins Eck. 1:0, und das Stadion explodierte vor Erleichterung. Trainer Latex Breer, der sonst eher die Gelassenheit eines Schachgroßmeisters ausstrahlt, ballte diesmal die Faust. "Wir wussten, dass Gdansk auf Körperlichkeit setzt. Aber Fußball gewinnt man mit Ideen, nicht mit Ellbogen", erklärte er später und zwinkerte in die Mikrofone. Der Gegner? Nun ja, BKS Gdansk begann forsch - laut Statistik mit 45 Prozent Ballbesitz, 8 Torschüssen und jeder Menge jugendlichem Übermut. Gleich drei 17-Jährige standen in der Startelf, doch die Euphorie hielt nur bis zur ersten kalten Dusche: Fiedlers zweiter Streich in der 51. Minute. Diesmal bediente ihn der flinke Dusan Janocko von links - eine butterweiche Flanke, die Fiedler per Direktabnahme verwandelte. Tor Nummer zwei, und der junge Stürmer rannte jubelnd Richtung Eckfahne, als wolle er dort ein Autogramm geben. "Ich hab die Ecke gar nicht gesehen vor lauter Rauch von den Bengalos", lachte er später. "Aber wenn du zweimal triffst, sieht plötzlich alles ganz hell aus." Gdansk gab sich keineswegs auf. Zehn Minuten später verkürzte der 17-jährige Arthur Kajrys nach Vorarbeit von Rechtsverteidiger Samuel Ross. Ein Treffer, der den Gästen kurzzeitig Hoffnung gab. "Arthur ist ein Rohdiamant", lobte Trainer Mike Matt. "Wenn er so weitermacht, wird er irgendwann auch mal ein Spiel gewinnen." Ein Satz, der irgendwo zwischen Galgenhumor und väterlichem Stolz hing. In der Schlussphase drückten die Gäste, aber Katowice verteidigte clever. Die Hausherren hatten mit 17 Torschüssen fast doppelt so viele Abschlüsse wie Gdansk, und auch beim Ballbesitz (54,6 Prozent) behielten sie die Kontrolle. Nur einmal wurde es noch richtig brenzlig, als Sergio Galan in der 79. Minute aus spitzem Winkel abschloss - Torhüter Dani Friedmann wehrte spektakulär ab. "Ich hab einfach gehofft, dass mein Gesicht im Weg ist", witzelte der Keeper nach Spielende. Das Spiel hatte aber nicht nur fußballerische, sondern auch komödiantische Momente. Als Gdansks junger Mittelfeldmann Wladimir Jelen in der 48. Minute Gelb sah, zeigte er zum Schiedsrichter und rief: "Ich hab doch nur gewunken!" - worauf der Referee trocken antwortete: "Ja, mit beiden Beinen." Katowice blieb taktisch - ganz wie es Trainer Breer liebt - ausgewogen: kein hektisches Pressing, keine wilden Ballstafetten, sondern kühle Kontrolle. Gdansk dagegen rannte, kämpfte, grätschte - aggressiv, offensiv, aber letztlich ohne Fortune. Nach dem Abpfiff standen beide Trainer an der Seitenlinie und schüttelten sich mit einem Lächeln die Hand. "Ein gutes Spiel für die Zuschauer", sagte Breer, "und für meinen Blutdruck auch." Mike Matt nickte: "Wir haben spät aufgedreht - aber leider ohne Zündung." Für Katowice bedeutet der Sieg drei wertvolle Punkte im Rennen um die oberen Tabellenränge. Und für Bernt Fiedler? Ein Abend, den er so schnell nicht vergessen wird. "Zwei Tore, volles Stadion, und meine Oma hat’s im Fernsehen gesehen - was will man mehr?" Katowice verabschiedete sich an diesem lauen Maiabend mit Fangesängen und einem Gefühl, das man in Zahlen kaum messen kann. 54 Prozent Ballbesitz? Schön. Zwei Tore? Noch besser. Aber das Lächeln der Fans, als sie aus dem Stadion strömten - das war unbezahlbar. Oder, wie ein älterer Herr am Bierstand es zusammenfasste: "Wenn Fiedler so weitermacht, braucht Katowice bald kein Bier mehr - die Jungs machen uns auch so schwindelig." Ein sarkastisches Schlusswort? Vielleicht dieses: Gdansk wollte den Himmel stürmen, bekam aber nur Regen. Katowice dagegen spielte, als hätte jemand den Wetterbericht manipuliert - sonnig, präzise, und mit einem Schuss Glück. Ein verdienter 2:1-Heimsieg, der zeigt: In Katowice scheint der Ball momentan einfach ein bisschen lieber zu rollen. 13.06.644000 11:50 |
Sprücheklopfer
Ich gratuliere die Bayern.
Berti Vogts