A Bola
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Filipe Varela trifft dreifach - doch FC Aves lacht zuletzt

Ein lauer Abend in Lissabon, 33.939 Zuschauer, ein Flutlichtspiel, das so begann, als hätten beide Mannschaften ihre Verteidiger versehentlich in der Kabine vergessen. Nach nicht einmal zwei Minuten zappelte der Ball zum ersten Mal im Netz - und zwar im Tor des SC Lissabon. Aves’ bulliger Rechtsaußen Iker Rincon nutzte die erste Unachtsamkeit der Hintermannschaft, als hätte er ein Dauerabo auf frühe Treffer. "Ich hab’ einfach draufgehalten", grinste der 31-Jährige später, als sei das die einfachste Sache der Welt.

Doch der SC Lissabon, trainiert von Knuppi Puppi - ja, der Name ist Programm -, antwortete mit jugendlicher Wucht. Filipe Varela, 20 Jahre jung, war in der Anfangsphase schlicht nicht zu stoppen. Erst schob er nach Vorarbeit von Marcio Meireles in der 5. Minute ein, dann verwandelte er drei Minuten später nach Zuspiel von Zekeriya Kahveci und krönte sein persönliches Feuerwerk in der 31. Minute mit dem dritten Treffer, diesmal per Kopf nach einer Ecke von Fabio Carvalho. Drei Tore in einer halben Stunde - das nennt man mal Bewerbung für ein neues Trikot mit zehn Nullen am Gehaltsscheck.

Zwischendurch hatte Julian Sommer (24.) für den FC Aves getroffen und das Spiel offen gehalten. Der Mittelstürmer schlich sich zwischen die Innenverteidiger wie ein nächtlicher Taschendieb und drückte den Ball nach Vorarbeit des 17-jährigen Silvestre Antunes über die Linie. 3:2 stand es zur Pause - und die Zuschauer wussten nicht, ob sie mehr an den Offensivkünsten oder den Defensivkatastrophen Gefallen finden sollten.

In der Kabine muss FC-Aves-Coach Leo Ribeiro wohl den Satz gesagt haben: "Geht raus und schießt einfach weiter." Denn genau das taten seine Männer. 21 Torschüsse am Ende - dreimal so viele wie Lissabon. Und irgendwann, zwischen der 60. und 70. Minute, kippte das Spiel. Ewan Sterling glich in der 62. Minute aus, nach einem mustergültigen Pass von Jorge da Costa. Nur sieben Minuten später machte Vincent Alves den Deckel drauf - beziehungsweise den Deckel auf, aus Sicht der Gäste. Sein Schuss aus 20 Metern schlug ein wie ein verspätetes Geburtstagsgeschenk.

"Wir haben einfach nicht aufgehört zu glauben", sagte Alves hinterher, während sein Trainer Ribeiro neben ihm nickte und ergänzte: "Ich habe den Jungs gesagt: Wenn wir schon schlecht verteidigen, dann wenigstens gut angreifen." Eine Philosophie, die an diesem Abend erstaunlich erfolgreich war.

Lissabon dagegen verlor nach der Pause völlig den Faden. Der Ballbesitz von 46,7 Prozent wirkte zwar ordentlich, doch die 7 Torschüsse waren in Wirklichkeit eher 7 freundliche Grüße an Gästetorwart Marco Quaresma, der kaum ins Schwitzen kam. Selbst als Trainer Puppi in der 60. Minute wild mit den Armen fuchtelte und "kurz spielen, Männer! kurz!" brüllte, schien das Team zu antworten: "Kurz? Vielleicht später."

Die Schlussphase wurde hektisch. Fabio Carvalho kassierte in der 88. Minute noch Gelb - vermutlich als Ausdruck seiner Frustration, dass die Defensive des SC Lissabon inzwischen einem offenen Scheunentor glich. Aves wechselte seinen Helden Rincon kurz vor Schluss aus, bekam stehende Ovationen von den mitgereisten Fans, während auf der anderen Seite nur betretenes Schweigen herrschte.

"Wir haben in der ersten Halbzeit ein Feuerwerk abgebrannt und danach die Asche gegessen", kommentierte Knuppi Puppi mit einem Lächeln, das irgendwo zwischen Galgenhumor und Verzweiflung lag. Sein Gegenüber Ribeiro grinste: "Ich weiß gar nicht, ob ich stolz oder schockiert bin. Vielleicht beides."

Statistisch gesehen war der Sieg der Gäste verdient: mehr Schüsse, mehr Zweikämpfe gewonnen (55,6 Prozent) und am Ende auch mehr Tore. Lissabon hatte zwar die technisch feinere Klinge, doch ohne defensives Rückgrat hilft der schönste Kurzpass nichts.

Als der Schiedsrichter abpfiff, stand auf der Anzeigetafel ein 3:4 (3:2) - ein Ergebnis, das so gar nicht nach Abstiegskampf, sondern nach Sommerfußball klang. Die Fans von Aves feierten, als hätten sie gerade den Meistertitel geholt, während Varela mit gesenktem Kopf vom Platz ging. Dreimal getroffen, trotzdem verloren - Fußball kann manchmal ein grausamer Lehrer sein.

"Vielleicht gewinne ich nächstes Mal lieber 1:0 mit einem Eigentor als 3:4 mit Hattrick", murmelte Varela in der Mixed Zone, bevor er in den Mannschaftsbus stieg.

Und irgendwo zwischen dem Lärm der Ventilatoren und dem leisen Surren der Flutlichter blieb die Erkenntnis: Wer seine Abwehr vergisst, darf sich über ein Offensivspektakel nicht wundern - aber über Punkteverlust schon.

Endstand: SC Lissabon - FC Aves 3:4 (3:2). Ein Spiel wie ein Rockkonzert: laut, wild, und am Ende sind alle ein bisschen heiser.

11.05.644000 03:57
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