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Was für ein Abend in Fjardabyggd! 11.000 Zuschauer sahen am 3. Spieltag der 1. Liga Island ein Spiel, das in seiner Dramaturgie fast schon Theaterqualitäten hatte - inklusive Helden, Pechvögeln und einem Trainer, der nach dem Schlusspfiff mit einem Grinsen in die Kabine verschwand, als hätte er gerade die Lotterie gewonnen. Am Ende gewann Fjölnir Reykjavik mit 3:2 bei KF Fjardabyggd - und das, obwohl die Gastgeber zur Pause eigentlich alles im Griff hatten. Kaum hatte der Schiedsrichter die Partie angepfiffen, da stand es schon 1:0. In der zweiten Minute schickte Holger Sverrisson den Ball auf Tiago Martins, der aus halblinker Position trocken abschloss. Fjardabyggd jubelte, die Fans tobten - und Trainer Michael Wright von Fjölnir sah aus, als würde er sich fragen, ob der Bus vielleicht doch besser gleich wieder zurück nach Reykjavik fahren sollte. "Das war ein Schock", gab er später zu, "aber vielleicht hat uns das genau geweckt." Denn während Fjardabyggd weiter munter kombinierte, brauchte es nur 16 weitere Minuten, bis Holger Sverrisson selbst traf. Nach Vorarbeit von Niels Marcussen zog der Routinier aus 18 Metern ab - 2:0, und das Stadion bebte. "Da dachte ich, das wird ein ruhiger Abend", meinte Heimkeeper August Paulsson später mit einem bitteren Lächeln. Doch wer Fjölnir kennt, weiß: Ruhig ist selten ihr Stil. Fabian Wirtz, der 23-jährige Linksaußen, eröffnete in der 29. Minute das, was später die "Reykjaviker Renaissance" genannt werden könnte. Nach Vorlage von Joschua Jakob netzte er eiskalt ein. 2:1 - und plötzlich erinnerte sich Fjardabyggd daran, dass Fußball auch anstrengend sein kann. Die zweite Hälfte begann mit Gelben Karten statt Glanzmomenten. Erst kassierte Fjölnirs Innenverteidiger Nuno Barbosa Gelb (48.), dann Fjardabyggds Eidur Kraft (52.), der später noch tragisch in der 79. Minute verletzt vom Platz musste. "Ich hab ihn angeschaut, und er sah aus, als hätte er gerade ein Gespenst gesehen", erzählte Mitspieler Patrik Dahlstrom. "Da wusste ich, das ist nichts Gutes." Während Fjardabyggd versuchte, das Ergebnis zu verwalten, wurde Fjölnir immer mutiger. 14 Torschüsse am Ende sprechen eine deutliche Sprache - das Offensivkonzept von Trainer Wright war zwar nicht subtil, aber effektiv. "Wir hatten keine Wahl. Wenn wir verlieren, dann wenigstens mit Stil - oder mit Schüssen", scherzte der Engländer nach dem Spiel. In der 78. Minute fiel dann der Ausgleich. Wieder war es dieser unermüdliche Fabian Wirtz, diesmal nach Zuspiel von Rene Billet. Der jubelte so ausgelassen, dass Wright kurzzeitig vergaß, dass er eigentlich ein stoischer Typ ist. Zwei Minuten später legte Wirtz noch einen drauf - sein dritter Treffer des Abends, diesmal nach einem Pass des Innenverteidigers Pierre Young, der offenbar beschlossen hatte, dass auch er mal Offensivheld spielen wollte. 3:2 - die Partie war gedreht. Die letzten zehn Minuten waren ein einziger Nervenkrieg. Fjardabyggd, mit 55 Prozent Ballbesitz, aber ohne frische Ideen, rannte an. Marcussen holte sich in der 86. Minute noch eine Gelbe Karte ab - vielleicht Frust, vielleicht Verzweiflung. Trainer und Ersatzspieler brüllten von der Seitenlinie, als könne man den Ball per Schallwelle ins Tor tragen. Doch Fjölnir verteidigte clever, vielleicht auch glücklich, aber bestimmt mit allem, was noch übrig war. Als der Schlusspfiff ertönte, sank Wirtz auf die Knie, Wright klatschte alle ab, die ihm in den Weg kamen, und irgendwo auf der Tribüne fluchte ein älterer Herr, der wohl schon mit einem Heimsieg gerechnet hatte. "Wir haben’s ihnen gezeigt", grinste Wirtz nach dem Spiel, noch immer triefend vor Schweiß. "Drei Tore? Ich wollte eigentlich nur eins machen - aber wenn’s läuft, dann läuft’s." Und wie es lief. Fjölnir Reykjavik holte sich mit diesem 3:2 den zweiten Sieg in Folge, während Fjardabyggd sich fragen muss, wie man ein Spiel, das man so souverän begann, noch aus der Hand geben kann. Vielleicht war es Überheblichkeit, vielleicht einfach Pech - oder, wie Sverrisson trocken meinte: "Vielleicht haben wir nach dem 2:0 geglaubt, das Spiel sei schon vorbei. Tja, war’s nicht." So bleibt am Ende ein Spiel, das alles hatte: frühe Tore, späte Dramatik, einen Hattrick-Helden und ein Publikum, das noch beim Hinausgehen murmelte: "So was sieht man hier nicht alle Tage." Und wer weiß - vielleicht träumt in Fjardabyggd heute Nacht noch jemand davon, dass der Pfosten beim dritten Wirtz-Tor doch ein kleines bisschen breiter gewesen wäre. 03.09.644000 20:45 |
Sprücheklopfer
Che Guevara war ein Rebell, ein Kämpfer für sein Land. Das will ich auch sein. Ich will den Schwachen helfen. Das ist im Fußball genauso, da muss man den schwachen Gegner auch aufbauen. Das ist so eine eigene Logik von mir, dazu will ich gar nicht viel sagen.
Torsten Legat zu seiner Che Guevara-Tätowierung