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Es war einer dieser Abende, an denen man sich fragt, ob Fjölnir Reykjavik nicht heimlich in einen Vulkan gebaut wurde. Denn was die 12.143 Zuschauer am 2. Spieltag der 1. Liga Island zu sehen bekamen, glich einem Ausbruch - laut, heiß und voller Energie. Am Ende stand ein 5:2, das weniger knapp war, als es klingt. Fram begann allerdings frech. Schon in der 9. Minute traf der 19-jährige Fritjof Steinsson nach Vorarbeit seines gleichaltrigen Teamkollegen Adrian Bloch. "Ich dachte echt, der Ball wäre zu scharf gespielt", grinste Steinsson später, "aber dann war er plötzlich im Netz. Vielleicht war der Wind mein Mitspieler." Kurz danach wehte dieser Wind allerdings nur noch in eine Richtung - ins Tor von Fram. Fjölnir, das von Trainer Michael Wright mit einer klar offensiven Ausrichtung auf den Platz geschickt wurde, antwortete mit Wucht. Lewis Lamont und Fabian Wirtz dirigierten das Mittelfeld wie zwei erfahrene Kapellmeister, und spätestens ab der 30. Minute schien jede ihrer Noten zu sitzen. Wirtz traf in der 35. nach feiner Vorlage von Lamont zum Ausgleich - und fünf Minuten später drehte Lamont selbst das Spiel. Pattrick Dietz hatte den Ball mit einem butterweichen Pass serviert, den Lamont aus vollem Lauf versenkte. "Wir wussten, dass sie uns in der ersten Halbzeit testen würden", sagte Wright nach dem Spiel, "aber wir haben bestanden - mit Auszeichnung." Fram versuchte, nach der Pause die Ordnung wiederzufinden. In der 53. Minute gelang tatsächlich der zwischenzeitliche Ausgleich: Björn Uggla, der älteste auf dem Platz, zirkelte den Ball nach Pass von Edvin Henriksson ins lange Eck. 2:2 - und kurz schien es, als könne das Spiel kippen. Doch Fjölnir schüttelte sich nur kurz. Wer dachte, die Gastgeber würden jetzt auf Sicherheit spielen, verwechselte sie offenbar mit einer Mannschaft, die langweilig sein möchte. In der 73. Minute köpfte Rene Billet nach einer Ecke von Marco Santos das 3:2. Wright ballte die Faust, während auf der Gästebank Ratlosigkeit herrschte. Fram-Trainer - dessen Name in den offiziellen Unterlagen erstaunlicherweise fehlt, vielleicht wollte er nach diesem Abend auch lieber anonym bleiben - schüttelte nur den Kopf. Als Fabian Wirtz in der 84. Minute nach Zusammenspiel mit Billet das 4:2 erzielte, war die Messe gelesen. Der Schlusspunkt kam kurz darauf wieder von Lamont, diesmal nach Pass des jungen Rechtsverteidigers Ezequiel Ze Castro. 5:2 - und ein Tor schöner als das andere. Statistisch betrachtet war das Spiel fast ausgeglichen: 49,8 Prozent Ballbesitz für Fjölnir, 50,1 für Fram. Doch was nützen Zahlen, wenn die Torschüsse 15 zu 6 heißen? "Wir hatten den Ball, sie hatten die Tore", seufzte Fram-Kapitän Uggla, "das ist wohl nicht dasselbe Spiel gewesen." Die Gelbe Karte für Frams Verteidiger Ivan Beto kurz nach der Pause passte ins Bild einer Mannschaft, die zunehmend hinterherlief. "Ich wollte eigentlich nur freundlich den Ball zurückholen", sagte Beto mit einem ironischen Lächeln, "aber der Schiri mochte wohl keine Höflichkeit." Während die Fans von Fjölnir im Abendlicht sangen und tanzten, liefen die Spieler noch eine Ehrenrunde. Fabian Wirtz hielt kurz inne, zeigte auf den Himmel und sagte später: "Manchmal läuft’s einfach. Heute war so ein Tag." Trainer Wright fasste es trocken zusammen: "Offensiv, balanciert, sicher im Abschluss - das war unser Plan. Ich hätte es selbst kaum schöner schreiben können." Und tatsächlich: schöner hätte man es an diesem Abend kaum sehen können. Die Lichter von Reykjavik glitzerten, die Tribünen bebten, und irgendwo in der Kabine von Fram wurde es ganz still. Denn auch wenn die Saison jung ist - Fjölnir hat mit diesem Spektakel klar gemacht, dass man sie in Island ernst nehmen muss. Wenn sie so weitermachen, wird der Vulkan noch öfter ausbrechen. Und die Fans? Die gingen beschwingt nach Hause. Einer rief noch auf dem Parkplatz: "Fjölnir spielt jetzt Feuerfußball!" - und wer das 5:2 gesehen hat, konnte ihm kaum widersprechen. 03.09.644000 02:38 |
Sprücheklopfer
Das muss man verstehen, dass er Schwierigkeiten hat sich einzugewöhnen. Er ist die deutsche Sprache noch nicht mächtig.
Jürgen Wegmann