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Ein lauer Maiabend in Lazarevac, 39.294 Zuschauer im Stadion, der Himmel in jenem zarten Blau, das nur Serbien im Frühling hinbekommt. Und doch war auf dem Rasen alles andere als zart: FK Lazarevac und Mlados Lucani lieferten sich am 34. Spieltag der 1. Liga Serbien ein Duell, das weniger nach Frühling, sondern eher nach Spätherbst roch - hart, leidenschaftlich, mit jenen Momenten des Chaos, die Fußball so herrlich unberechenbar machen. Am Ende gewann die Mannschaft von Trainer Klaus Bock mit 2:1, verdient, aber nicht ohne Drama. Schon in den ersten Minuten war klar, dass Lazarevac heute den Offensivschalter ganz nach oben gelegt hatte. "Wir wollten über die Flügel kommen, mit Tempo, mit Risiko", erklärte Bock später, als er sich mit einem halb leeren Kaffeebecher in der Mixed Zone wiederfand. "Und wenn’s kracht, dann kracht’s." Es krachte - im besten Sinne. Nach zehn Minuten prüfte Dorde Trkulja erstmals den Keeper von Lucani, Goran Dukic, der an diesem Abend wohl mehr Bälle sah als in der gesamten Rückrunde. Lazarevac drückte, presste, schob die Linie weit nach vorn. Und in der 20. Minute belohnte sich der junge Goran Melunovic, gerade einmal 18 Jahre alt, mit seinem Treffer zum 1:0. Nach Vorarbeit von Dusan Durisic jagte er den Ball aus kurzer Distanz unter die Latte - ein Tor, das so sehr nach jugendlicher Unbekümmertheit roch, dass man meinen konnte, der Junge habe noch nie etwas anderes gemacht. Doch Lucani blieb cool, wie man es von einer Mannschaft kennt, die lieber den Ball laufen lässt, als sich in wilde Zweikämpfe zu stürzen. Mit 54 Prozent Ballbesitz spielten sie ruhig, fast stoisch. Und dann kam in der 38. Minute Jakob Naumann. Der 30-jährige Linksaußen, normalerweise eher der Mann für die stillen Momente, zog nach Pass von Tord Nilsson ab - und traf. Ein Schuss wie ein kalter Windstoß: trocken, präzise, unerbittlich. 1:1. "Ich dachte, der Ball sei schon draußen", lachte Naumann nach dem Spiel und zuckte mit den Schultern. "Aber er war halt drinnen." Bis zur Pause war es ein offener Schlagabtausch, doch während Lucani seine gewohnte Balance suchte, zündete Lazarevac in der zweiten Hälfte erneut den Turbo. Immer wieder rauschten Marshal über links und Durisic über rechts an. Trkulja hämmerte, Jolovic rackerte, und irgendwo zwischen der 60. und 70. Minute roch man den Treffer förmlich. In der 67. Minute war es dann soweit: Dusan Durisic selbst, der schon die Vorlage zum 1:0 gegeben hatte, traf nach schönem Zusammenspiel mit Michael Jolovic zum 2:1. Ein Treffer, der in seiner Entstehung so sauber war, dass man fast applaudieren wollte - wenn man nicht gerade auf der Tribüne stand und schrie. "Ich hab’ einfach draufgehalten", grinste Durisic später. "Und gehofft, dass der Ball den richtigen Weg findet. Hat geklappt." Danach wurde es noch mal wild. Lazarevac verteidigte mit Zähnen und Klauen, während Lucani trotz mehr Ballbesitz kaum noch zwingend wurde. Ein letzter Versuch von Naumann in der 84. Minute flog über das Tor, und als in der Nachspielzeit Nemanja Kolarov einen Schuss auf den Kasten setzte, war Torwart Salvador Gama zur Stelle - die Faust so sicher wie ein Fels in der serbischen Abendsonne. Die gelbe Karte für Lucanis Owen Darabont in der 16. Minute war da schon fast vergessen, ebenso wie die Verletzung von Vicente Santos kurz vor Schluss, der humpelnd den Platz verließ und durch Ermin Durisic ersetzt wurde. "Nichts Schlimmes", versicherte Trainer Bock. "Nur eine Muskelverhärtung - oder wie Vicente sagte: Sein Bein wollte kurz Urlaub machen." Statistisch betrachtet war es ein Spiel, das sich tatsächlich ausgeglichener las, als es sich anfühlte: 13 Torschüsse für Lazarevac, 9 für Lucani. 46 zu 54 Prozent Ballbesitz, aber eine Zweikampfquote von 53 zu 47 für die Hausherren - Zahlen, die zeigen, dass Einsatz oft mehr zählt als Eleganz. Nach dem Schlusspfiff jubelte das Stadion, als hätte Lazarevac gerade den Titel gewonnen. Und vielleicht war es ja auch ein kleiner Titel - der Sieg eines Teams, das sich nicht in Schönheit, sondern in Leidenschaft übt. "Ich sag’s mal so", meinte Bock mit diesem typischen Grinsen, das zwischen Stolz und Müdigkeit pendelt. "Wenn wir so weiterspielen, dann traut sich bald keiner mehr, hier anzutreten." Ein Satz, der an diesem Abend nicht wie eine Drohung klang, sondern wie ein Versprechen. Und irgendwo auf der Tribüne saß ein kleiner Junge mit einem Trikot von Goran Melunovic, der flüsterte: "So will ich auch mal treffen." Wenn er das wirklich ernst meint - Lazarevac hätte vermutlich schon jetzt einen Platz für ihn frei. 08.07.644000 00:03 |
Sprücheklopfer
Weisweiler und Happel sind tot, Hitzfeld ist bei den Bayern. RWO hat den besten Trainer, den man kriegen kann.
Aleksandar Ristic zur Trainerdiskussion in Oberhausen.