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Ein lauer Maiabend, 25.250 Zuschauer, Flutlicht über dem Stadion von Sremska Mitrovica - und am Ende ein Resultat, das den Heimfans noch lange im Gedächtnis bleiben dürfte: FK Srem ging mit 1:4 gegen FK Lazarevac unter. Das Ergebnis liest sich so deutlich, wie das Spiel tatsächlich war. Von Beginn an wirkten die Gäste entschlossener, schneller, einfach wacher. Trainer Klaus Bock hatte seine Elf offensiv eingestellt - und seine Jungs dankten es ihm mit einer Vorstellung, die an einen launigen Trainingskick erinnerte, nur dass die Gegenspieler in Rot-Weiß das offenbar nicht wussten. Schon in der 6. Minute prüfte Michael Jolovic den Srem-Keeper Amaury Triguero gleich doppelt, als wolle er testen, ob dieser überhaupt wach ist. Antwort: war er, aber nur bedingt. In der 27. Minute war es dann so weit: Karolos Sisinis, der Mann mit der Ruhe eines Schachspielers, zog aus der zweiten Reihe ab, nachdem Vicente Santos einen Ball perfekt in den Lauf gelegt hatte - 0:1. Die Gäste jubelten, die Heimfans schauten sich gegenseitig an, als wollten sie fragen: "War das jetzt wirklich nötig?" Zwölf Minuten später legte Goran Melunovic nach, der 18-jährige Stürmer mit Babyface und Killerinstinkt. Nach Vorarbeit von Sisinis drückte er den Ball aus kurzer Distanz über die Linie. "Ich habe einfach geschossen, wie im Garten mit meinem Bruder", grinste Melunovic nach dem Spiel. Trainer Bock sagte dazu trocken: "Vielleicht sollten wir öfter im Garten trainieren." Mit 0:2 ging’s in die Pause - und FK Srem-Trainer Ma Schicker dürfte in der Kabine deutliche Worte gefunden haben. "Ich habe ihnen gesagt, sie sollen einfach Fußball spielen", erklärte er später. "Offenbar haben sie das zu wörtlich genommen - sie haben Lazarevac spielen lassen." Nach Wiederanpfiff machte Melunovic da weiter, wo er aufgehört hatte: In der 50. Minute schnürte er nach feinem Zuspiel von Jack Hensley seinen Doppelpack. 0:3, der Drops war eigentlich gelutscht. Aber immerhin zeigten die Gastgeber kurz darauf, dass sie noch leben. In der 57. Minute verkürzte Samuel Finnan nach Pass von Ignjac Vejic auf 1:3 - ein sehenswerter Treffer, der das Stadion für einen Moment wieder zum Beben brachte. Doch wer dachte, das sei die Wende, wurde zwei Minuten später eines Besseren belehrt. Wieder war es Michael Jolovic, der mit einem präzisen Schuss aus 20 Metern den alten Abstand herstellte. Vorlagegeber? Natürlich wieder Karolos Sisinis, der an diesem Abend auf dem Platz Regie führte, als gehöre ihm das Spielfeld. Danach wurde’s ruhiger - zumindest auf der Anzeigetafel. Lazarevac spielte abgeklärt, fast schon gelangweilt. FK Srem mühte sich, hatte über 50 Prozent Ballbesitz, aber kaum Ideen. Sechs Torschüsse standen am Ende auf dem Zettel, während die Gäste satte 16 Mal auf den Kasten zielten. Die einzige Farbtupfer kamen dann in der 45. Minute, als Ignacio Assis sich mit einer unnötigen Grätsche eine Gelbe Karte abholte - "ein Symbolbild", wie ein Zuschauer hinter der Pressebank murmelte. Die Heimverteidigung war an diesem Abend meist einen Schritt zu spät, was bei einer Tacklingquote von 45 Prozent auch statistisch bestätigt wird. Nach dem Abpfiff wirkte Trainer Bock zufrieden, aber nicht euphorisch: "Wir haben das umgesetzt, was wir trainiert haben - Tore schießen hilft meistens." Ma Schicker hingegen rang nach Worten: "Wir haben uns bemüht, aber Bemühen gibt keine Punkte. Ich hoffe, die Jungs merken sich, dass 50 Prozent Ballbesitz nichts wert sind, wenn der Gegner damit vier Tore schießt." Im Lazarevac-Tross feierten die Spieler ausgelassen. Melunovic wurde von den Fans zum "Baby-Torjäger" gekürt. "Ich will einfach Spaß haben am Fußball", sagte er, während Teamkollege Jolovic lachend einwarf: "Und uns anderen die Schlagzeilen klauen." FK Lazarevac steht mit diesem Sieg weiter im oberen Tabellendrittel der 1. Liga Serbien, während FK Srem dringend Antworten finden muss - und vielleicht auch ein paar neue Ideen im Angriff. Ein älterer Fan fasste es beim Hinausgehen trocken zusammen: "Schicker hat gesagt, sie wollten mutiger spielen. Na ja, Mut ohne Tore ist halt Mut zum Risiko." Treffender lässt sich dieser Abend kaum beschreiben. Und so blieb nach 90 Minuten ein Gefühl zwischen Respekt und Ratlosigkeit - zumindest bei FK Srem. Lazarevac dagegen fuhr nach Hause mit vier Toren, drei Punkten und einem 18-Jährigen, der plötzlich wie ein Star wirkt. Man kann sich sicher sein: Von Goran Melunovic wird man noch hören. 27.01.644000 22:13 |
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