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51.105 Zuschauer im Estádio do Porto Alegre erlebten am Samstagabend einen jener Fußballabende, die mit einem Versprechen beginnen - und mit einem Seufzer enden. CF Porto Alegre startete furios, ging früh in Führung, und am Ende stand doch ein 1:3 gegen ein abgezocktes Flamengo, das seine Torchancen so kühl nutzte wie ein Barkeeper seinen Shaker. Schon in der 13. Minute bebte das Stadion. Diamantis Dellas, der rechte Flügelstürmer der Hausherren, zog nach Vorlage von Spiridon Grebennikow ab - und endlich durfte Porto Alegre wieder jubeln. "Ich wollte eigentlich flanken", grinste Dellas nach Abpfiff, "aber wenn der Ball so schön reinfällt, beschwert sich keiner." Trainer Jürgen Mattes klatschte an der Seitenlinie begeistert in die Hände, als wolle er das 1:0 noch ein wenig länger festhalten. Doch das Glück hielt nicht lang. Flamengo, trainiert vom stets gelassenen Dino Ma, blieb offensiv wie angekündigt - aggressiv, pressingfreudig, mit einem Hauch brasilianischer Nonchalance. In der 28. Minute war es Vicente Varela, der nach schöner Vorarbeit von Hugo Karlson den Ausgleich erzielte. Der 21-Jährige lief strahlend zur Eckfahne, während Torwart David Djalo nur bitter lächelte. "Ich hab die Flugbahn gesehen - und dann war sie plötzlich weg", murmelte er später. Zur Pause stand es 1:1, und beide Seiten hatten sich nichts geschenkt: 13 Torschüsse für Porto Alegre, 12 für Flamengo, Ballbesitz fast ausgeglichen. "Das war wie Schach mit Muskelkater", kommentierte ein Fan im Block C, während die Nachos kalt wurden. Nach dem Seitenwechsel zeigte sich, wer die längeren Atemwege hatte. Porto blieb defensiv ausgerichtet, lauerte auf Konter, doch Flamengo drückte immer stärker. In der 65. Minute fiel dann das, was man in Brasilien ein "Tor mit Ansage" nennt: Emilio Helguera traf nach feiner Vorarbeit des omnipräsenten Varela zum 1:2. "Wir haben gesagt, wir spielen weiter ruhig - und dann war’s drin", sagte Helguera, so trocken wie sein rechter Spann. Nur sechs Minuten später machte der erst 19-jährige Domingo Moutinho mit dem 1:3 alles klar. Nach Pass von Mathias Gulbrandsen schob er den Ball unaufgeregt ins lange Eck - und Porto Alegres Verteidigung wirkte, als hätte sie gerade kollektiv den Bus verpasst. "Da war die Luft raus", gab Trainer Mattes ehrlich zu. "Und vielleicht auch die Zuordnung." Die Gastgeber versuchten es noch einmal mit aller Kraft: Joseba Munoz prüfte in der 74. und 95. Minute Gäste-Keeper Jordi Valdo, aber der blieb eiskalt. Selbst die späten Einwechslungen von Carl Mendes und Uzi Eban brachten keine Wende. Stattdessen hagelte es noch Gelb für Nelson Domingos (36.) und Didier Desjardins (90.) - als symbolisches Gelb für die ganze Frustration des Abends. Flamengo zeigte derweil, warum sie oben in der Tabelle stehen: Offensiv von Beginn an, nie nervös, taktisch diszipliniert. Dino Ma grinste nach Abpfiff verschmitzt: "Ich mag Spiele, in denen wir drei Tore schießen und keinen Elfmeter brauchen." Seine Elf blieb in jeder taktischen Momentaufnahme offensiv eingestellt - und das spiegelte sich auf dem Platz wider. Porto Alegre hingegen wechselte spät auf Offensive, als das Kind längst im Brunnen lag. "Vielleicht hätten wir früher Pressing spielen sollen", überlegte Mattes, "aber ich wollte nicht, dass meine Jungs schon in der 60. Minute umfallen." So bleibt für Porto nur der Trost, dass man sich zumindest kämpferisch nicht hängen ließ. 49 Prozent Ballbesitz, fast gleich viele Torschüsse - das klingt nach Augenhöhe, war aber am Ende nur Statistik. Fußball ist eben kein Matheunterricht: Wer vorne öfter lacht, gewinnt. Und während die Flamengo-Spieler tanzend Richtung Kabine verschwanden, standen die Männer aus Porto Alegre noch minutenlang auf dem Rasen. Grebennikow blickte in den Nachthimmel und sagte leise: "Das war kein schlechtes Spiel. Nur das Ergebnis war schlecht gelaunt." Ein Satz, der wohl allen Porto-Fans aus der Seele sprach. Nächste Woche geht’s weiter - und wer weiß, vielleicht tanzt dann wieder das Glück Samba im Estádio do Porto Alegre. 03.06.644000 12:42 |
Sprücheklopfer
Ich habe viel mit Mario Basler gemeinsam. Wir sind beide Fußballer, wir trinken beide gerne mal einen, ich allerdings erst nach der Arbeit.
Felix Magath