Jornal do Brasil
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Flamengo fegt São Paulo vom Platz - junge Wilde lassen es krachen

Ein lauer Aprilabend in Rio, 45.239 Zuschauer, und im Maracanã war mal wieder Samba angesagt. CF Flamengo besiegte CD São Paulo am 28. Spieltag der 1. Liga Brasilien mit 4:1 (1:0) - und das war sogar noch schmeichelhaft für die Gäste. Trainer Dino Ma grinste nach dem Schlusspfiff über beide Ohren: "Wir wollten Spaß haben - und wenn man Spaß hat, fallen manchmal vier Tore."

Schon nach zehn Minuten bebte das Stadion. Der 20-jährige Caio Eusebio, ein Flügelspieler mit der Stirn eines Philosophen und den Füßen eines Tänzers, schlenzte den Ball nach Vorarbeit von Klaus Reiter in den Winkel. Der junge Mann hob kurz die Arme, als wollte er sagen: "So einfach ist das." Und tatsächlich - so einfach machte es Flamengo in der ersten Halbzeit. São Paulo stand tief, lief brav hinterher, hatte mehr Ballbesitz (51,8 Prozent), aber keinerlei Idee.

"Wir wollten kontrollieren", erklärte Gästetrainer Antonio Falcón später mit hängenden Schultern. "Leider haben wir nur das Ergebnis kontrolliert - für Flamengo." Seine Mannschaft kam erst in der 37. Minute durch Rodion Schamnow zu einem halbwegs gefährlichen Schuss, aber Torwart Marco Fernandes, 36, schien vom Altersheim direkt ins Tor gesprintet und parierte seelenruhig.

Nach dem Seitenwechsel wurde es dann richtig turbulent. Kaum hatte der Stadionsprecher die zweite Halbzeit angekündigt, kombinierten sich die jungen Wilden von Flamengo über links durch: Vitorino Chalana flankte butterweich, und Domingo Moutinho, 18 Jahre jung, köpfte zum 2:0 ein. "Ich hab einfach die Augen zugemacht", lachte Moutinho später, "und gehofft, dass mich niemand danach fragt, ob das Absicht war."

São Paulo versuchte zu reagieren, brachte mehr Schwung über Abbas Galili und den flinken Ralph Maurer. Und tatsächlich - in der 68. Minute zeigte Maurer, dass er nicht nur einen Künstlernamen hat: Nach Vorarbeit von Galili traf er trocken ins Eck, 2:1. Ein Hoffnungsschimmer, der allerdings exakt zwei Minuten anhielt.

Denn Flamengo antwortete postwendend. Wieder Chalana, wieder Moutinho - diesmal flach, präzise, eiskalt: 3:1. Trainer Dino Ma schüttelte nur den Kopf und grinste: "Ich hab ihm gesagt, er soll sich nicht in die Sonne stellen, sonst verbrennt er sich. Jetzt verbrennt er eher die Netze."

Das Spiel war entschieden, São Paulo wirkte müde, fast resigniert. In Minute 75 humpelte der junge Marc Cucurella vom Platz - eine Fußverletzung, nichts Schlimmes, wie es hieß. "Ich wollte nur kurz den Applaus hören", scherzte der 19-Jährige, als er gestützt von zwei Betreuern verschwand.

Die Gäste sammelten noch eine Gelbe Karte (Luca Cossu, 58.), ansonsten blieb es beim harmlosen Versuch, die Kontrolle zurückzugewinnen. Doch Flamengo roch Blut. In der 88. Minute krönte Caio Eusebio seinen Abend: Wieder ein Pass von Reiter, wieder ein Schlenzer, wieder Jubel. 4:1! Das Maracanã tanzte, die Favelas dürften es gehört haben.

Statistisch gesehen war’s kurios: Flamengo hatte leicht weniger Ballbesitz, aber 15 Schüsse aufs Tor - dreimal so viele wie die Gäste. Die Tackling-Quote? 55 Prozent für die Gastgeber, die damit auch im Zweikampf das letzte Wort behielten. São Paulos Defensivkette um Fournier und Salvadorez wirkte alt und langsam, als hätte jemand vergessen, den Videorekorder auf "Schnelllauf" zu stellen.

"Wir haben uns selbst geschlagen", meinte Ralph Maurer nach dem Spiel, "und Flamengo hat uns dabei höflich geholfen." Das Faszinierende: Trotz der klaren Führung blieb Flamengo taktisch ausgewogen - kein wildes Pressing, kein überdrehtes Offensivfeuerwerk, sondern ein selbstbewusstes, kontrolliertes Spiel.

Als der Schlusspfiff ertönte, klatschte Dino Ma seine Jungs ab, als hätten sie gerade den Pokal gewonnen. "Das war kein perfektes Spiel", sagte er, "aber wenn meine 18-Jährigen spielen, als wären sie 28, kann ich nur stolz sein."

Ein Reporter fragte ihn, ob Flamengo jetzt nach oben schiele. "Wir schauen nicht nach oben", lachte Ma, "wir schauen nach vorn - und manchmal auch nach der Uhr, weil wir vergessen, wie früh wir führen."

So endete ein Abend, der mehr nach Festival als nach Fußballspiel klang. Flamengo feierte jugendlichen Leichtsinn, São Paulo suchte vergeblich nach Struktur - und das Publikum bekam, was es wollte: Tore, Tempo, Theater.

Ein kleiner Junge auf der Tribüne fasste es beim Rausgehen treffend zusammen: "Papa, ich will auch so spielen wie Caio." Der Vater nickte und murmelte: "Dann musst du wohl erst mal lernen, wie man so lässig jubelt."

Ein Spiel, das in Erinnerung bleibt - nicht, weil es knapp war, sondern weil Flamengo zeigte, wie schön Fußball sein kann, wenn man einfach Spaß daran hat.

18.12.643996 01:40
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