Jornal do Brasil
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Flamengo rettet Remis in letzter Minute - Helguera wird zum Helden

56.642 Zuschauer im ehrwürdigen Maracanã sahen an diesem Freitagabend ein Spiel, das alles hatte: frühe Tore, hitzige Zweikämpfe, eine Gelb-Rote Karte und einen späten, dramatischen Ausgleich. CF Flamengo und Dragon Goianiense trennten sich am 8. Spieltag der brasilianischen Liga mit 2:2 (1:2) - und die Fans bekamen für ihr Geld eine Achterbahnfahrt der Gefühle.

Bereits in der 5. Minute zappelte der Ball das erste Mal im Netz: Dragons Mittelstürmer Luís Miguel nahm eine butterweiche Vorlage von Rui Djalo direkt und traf trocken ins rechte Eck. Flamengo-Keeper Jordi Valdo flog zwar artistisch, aber bei diesem Schuss hätte auch ein Känguru keine Chance gehabt. "Wir waren wohl noch im Aufwärmmodus", gab Trainer Dino Ma hinterher mit einem gequälten Lächeln zu.

Doch Flamengo antwortete prompt: Nur fünf Minuten später fand Tamas Fekete mit einem präzisen Pass den durchstartenden Emilio Helguera, der den Ball mit der Brust annahm und eiskalt zum 1:1 verwandelte. Das Stadion vibrierte, Bierbecher flogen, und plötzlich war wieder Samba in der Luft. "Ich wusste, dass Emilio heute heiß ist", sagte Fekete später, "er hat schon in der Kabine den Ball geküsst."

Danach entwickelte sich ein offener Schlagabtausch. Beide Teams spielten offensiv, scheuten keinen Zweikampf - und keine Gelbe Karte. Nach 18 Minuten sah Dragons Rechtsverteidiger Anatoli Titow Gelb, und Flamengos Joaquin Veloso folgte ihm in Minute 29. Auf den Rängen wurde es laut, auf dem Rasen ruppig.

Kurz vor der Pause dann der nächste Nackenschlag für Flamengo: In der 44. Minute flankte Agemar Pauleta scharf von rechts, und Jelle Barculo rauschte heran wie eine Dampflok - 2:1 für Dragon Goianiense. Trainer Fabian Dietz sprang an der Seitenlinie in die Luft, während Dino Ma sich nur mit der Hand an die Stirn schlug. "Unsere Abwehr sah da aus wie beim Schulausflug", stöhnte er später.

Nach dem Seitenwechsel intensivierten die Gastgeber ihre Offensivbemühungen. 50,9 Prozent Ballbesitz und 12 Torschüsse am Ende sprechen eine deutliche Sprache - aber es dauerte, bis sich die Dominanz auch in Chancen niederschlug. Aki Ukkonen prüfte Dragons Keeper Antonio Borreguero in der 60. Minute, dann wurde es turbulent: Flamengos Rechtsverteidiger Cesar Poncela kassierte erst Gelb (61.) und nur vier Minuten später Gelb-Rot. "Ich habe nur laut geatmet", verteidigte er sich nach dem Spiel - doch Schiedsrichter Mendes blieb hart.

In Unterzahl kämpfte Flamengo mit offenem Visier weiter, während Dragon Goianiense auf Konter lauerte. Taru Kolkka und Luís Miguel vergaben gute Gelegenheiten, und in der 78. Minute musste Rui Djalo verletzt vom Platz. "Ich hab’ nur kurz gezwinkert, schon lag er da", scherzte ein Mitspieler - die Szene war allerdings weniger lustig für Dragon, denn der Rhythmus ging verloren.

Trainer Dietz reagierte mit gleich drei Wechseln, brachte unter anderem den 17-jährigen Sergi Pascual, der prompt ein paar mutige Dribblings zeigte. "Ich wollte einfach Spaß haben", grinste der Youngster später.

Die Uhr tickte, die Fans begannen zu pfeifen - manche schon zu gehen. Doch sie verpassten das große Finale: In der 92. Minute flankte der eingewechselte Vicente Varela von links, und wieder war es Emilio Helguera, der im Strafraum wie ein Panther lauerte. Ein kurzer Haken, ein trockener Schuss - 2:2! Das Maracanã explodierte. Helguera riss die Arme hoch, Varela sank ihm in die Arme, und Coach Dino Ma sprang vor Freude höher als seine Ersatzspieler. "Ich hab nur gedacht: Bitte kein Abseits!", lachte der Doppeltorschütze danach.

Die Statistik zeigt, dass das Unentschieden verdient war: 12:10 Torschüsse, nahezu ausgeglichener Ballbesitz, und eine Tackling-Quote leicht zugunsten der Hausherren (51,8 %). Beide Teams spielten mutig, manchmal wild - und das Publikum bekam ein Spektakel.

"Wir haben heute Charakter bewiesen", sagte Dino Ma, "auch wenn wir uns das Leben selbst schwer gemacht haben." Kollege Fabian Dietz sah das ähnlich, aber mit einem Augenzwinkern: "Wenn du in Rio 2:2 spielst und keiner von dir spricht, hast du was falsch gemacht."

So ging ein lauer Juniabend in Rio mit einem gerechten Ergebnis zu Ende - und mit der Erkenntnis, dass Fußball manchmal ein bisschen Drama braucht, um perfekt zu sein. Oder, wie ein alter Fan auf der Tribüne murmelte: "Helguera? Der hat heute nicht gespielt - der hat getanzt."

18.01.644003 11:34
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