Jornal do Brasil
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Flamengo siegt knapp - Ukkonen tanzt die Drachen schwindlig

Im Estádio do Maracanã war es am Sonntagabend wieder einmal so laut, dass selbst der Zuckerhut gezittert haben dürfte. 52.115 Zuschauer sahen ein wildes, bisweilen chaotisches, aber stets mitreißendes 2:1 von CF Flamengo gegen Dragon Goianiense - ein Spiel, das alles hatte: frühe Tore, gelbe Karten, Verletzungsdrama und einen jungen Finnen, der sich anschickt, Brasiliens neue Stürmerlegende zu werden.

Kaum hatte Schiedsrichter Oliveira angepfiffen, da rieben sich die Fans verwundert die Augen: Nach nur sechs Minuten lag Flamengo schon hinten. Joonas Hietanen, der rechte Flügel der Drachen, zog aus 16 Metern einfach mal ab - und weil Keeper Haim Tal offenbar noch gedanklich beim Mannschaftsfoto war, zappelte der Ball im Netz. "Ich dachte, der Ball sei schon draußen", murmelte Tal später mit einem entschuldigenden Grinsen.

Doch wer Flamengo kennt, weiß: Rückstände sind hier nur dramaturgische Aufwärmübungen. Sechs Minuten später brachte Aki Ukkonen das Maracanã zum Beben. Nach präziser Vorarbeit von Pedro Veloso drosch der 21-jährige Finne den Ball humorlos ins linke Eck - 1:1. "Ich wollte eigentlich flanken", lachte Veloso nach der Partie, "aber Aki hat wohl beschlossen, dass das ein Torschuss war."

Das Spiel blieb ein offener Schlagabtausch, 17 Torschüsse für Flamengo, 15 für Goianiense - ein Beweis, dass beide Teams lieber nach vorne als zurück denken. Besonders auffällig: Hugo Custodio, der linke Mittelfeldmotor der Hausherren, prüfte den gegnerischen Keeper mehrfach, scheiterte aber an Aitor Assis, der zwischenzeitlich die Nerven eines Zen-Mönchs bewies. "Ich hab aufgehört zu zählen, wie oft Hugo auf mich geschossen hat", meinte Assis trocken, "aber irgendwann war’s fast meditativ."

Kurz vor der Pause dann der erste Dämpfer: Goianienses Rechtsverteidiger Ivar Bengtsson blieb nach einem Zweikampf liegen und musste verletzt raus. Trainer Fabian Dietz reagierte hektisch, winkte Ersatzmann Sasa Prosinecki herbei und brüllte: "Keine Kunststücke, Junge!" - was dieser mit stoischer Ruhe ignorierte und prompt einen riskanten Rückpass spielte.

Direkt nach Wiederanpfiff folgte die Szene des Abends. Minute 46, Flamengo kombinierte plötzlich mit chirurgischer Präzision: Klaus Reiter mit dem Ballgewinn, ein Steilpass durch die Gasse, und wieder war es Ukkonen, der das Leder eiskalt am Keeper vorbeischob. 2:1 - und das Stadion explodierte förmlich. Trainer Dino Ma riss beide Arme hoch, als hätte er gerade eine Meisterschaft gewonnen. "Ich hab Aki vor der Saison gesagt, er soll einfach Spaß haben", grinste Ma später. "Offenbar hat er mich zu wörtlich genommen."

Von da an entwickelte sich ein wilder Tanz aus Chancen und halben Herzinfarkten. Die Drachen warfen alles nach vorne, wechselten fröhlich durch - Garcia kam für Sa Pint, Szarmach für Djalo - und fluteten den Strafraum mit Flanken. Doch Flamengo blieb stabil, auch wenn Linksverteidiger Vitorino Gomes kurz vor Schluss noch Gelb sah, weil er ein wenig zu temperamentvoll verteidigte.

In der 70. Minute brachte Dino Ma den jungen Marc Cucurella (19) - und der sorgte gleich für frischen Wind. "Ich hab ihm gesagt, er soll einfach laufen, bis er den Ball vergisst", witzelte Ma. Cucurella verstand die Aufgabe offenbar wörtlich und sprintete bis zur Eckfahne - allerdings ohne Ball. Das Publikum honorierte es trotzdem.

Die letzten Minuten gehörten dann wieder den Gästen. Juanito Perales und Lewis Corraface ballerten aus allen Lagen, aber Haim Tal war plötzlich hellwach und fischte zwei Bälle mit einem Reflex, der an seine Glanzzeiten erinnerte. Als der Schlusspfiff ertönte, fielen die Spieler erschöpft, aber glücklich in die Arme.

Die Statistik erzählte später, was das Herz schon wusste: 49,5 Prozent Ballbesitz für Flamengo, 50,5 für Goianiense - also fast Gleichstand. Aber Fußball wird bekanntlich nicht in Dezimalstellen entschieden.

"Wir haben das Spiel nicht verloren, wir haben nur die Tore anders verteilt", meinte Gästecoach Fabian Dietz mit einem schiefen Lächeln. Sein Gegenüber Ma nickte freundlich und fügte hinzu: "So ist Fußball - manchmal ist der Ball eben rund, manchmal eckig."

Ein sarkastisches Fazit aus der Presselounge: Goianiense spielte mutig, kämpfte bis zum Schluss und ging am Ende doch leer aus - Flamengo hingegen gewann, ohne je ganz souverän zu wirken. Aber wer will schon Souveränität, wenn man Spektakel haben kann?

Das Maracanã jedenfalls feierte, als wäre es ein Pokalfinale gewesen. Und irgendwo zwischen Samba-Trommeln und Feuerwerk stand Aki Ukkonen mit einem breiten Grinsen, das Bände sprach. "Ich mag Brasilien", sagte er. "Hier jubeln die Leute, selbst wenn du nur den Ball triffst."

Man kann ihm kaum widersprechen.

06.09.643996 18:32
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Wenn ich über das Wasser laufe, dann sagen meine Kritiker, nicht mal schwimmen kann er.
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