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Es war einer dieser Abende im Maracanã, an denen man spürt, dass Fußball in Brasilien keine Sportart, sondern ein Naturereignis ist. 79.500 Zuschauer sangen, schwitzten und litten, als CF Flamengo in der Copa Libertadores die argentinisch anmutenden Newells Men mit 2:0 besiegte. Zwei Tore, ein Platzverweis, unzählige Emotionen - kurz: ein südamerikanischer Fußballabend nach Lehrbuch. Flamengo begann mit der Energie eines Sambatrommlers auf Koffein. Schon nach sieben Minuten feuerte Eric Jonsson den ersten Warnschuss ab, als wolle er prüfen, ob der gegnerische Keeper Christian Carew überhaupt wach war. War er. Noch. Denn Carew sollte später noch genug zu tun bekommen. Die Partie war zunächst offen - beide Teams mit annähernd gleichem Ballbesitz (50,6 zu 49,3 Prozent), aber Flamengo hatte die klareren Ideen. Trainer Dino Ma hatte seine Elf auf "starkes Pressing, aber mit Stil" eingestellt, wie er später schmunzelnd sagte: "Man kann aggressiv spielen, ohne böse zu sein. Außer, es geht um Nachspielzeit." In der 32. Minute explodierte das Stadion. Vitorino Chalana, der junge Linksfuß, tänzelte an der Seitenlinie entlang, legte quer in den Strafraum, und Fernando Coelho drosch den Ball trocken ins Netz - 1:0. "Ich hab einfach draufgehalten", grinste Coelho nach dem Spiel. "Wenn man in Rio trifft, ist das wie ein Sonnenaufgang mit 80.000 Zeugen." Newells Men reagierten wütend und mit mehr Härte als Eleganz. Petar Stevic sah Gelb (41.), und Nevio Capone folgte ihm (58.). Der italienische Mittelfeldmann kommentierte das später mit einem Schulterzucken: "Wir wollten zeigen, dass wir auch tanzen können - nur eben mit den Stollen voraus." Doch der entscheidende Moment kam in der 75. Minute: Pal Berre, bereits verwarnt, grätschte Benyamin Rieger um, als wäre er ein alter Feind aus der Jugendzeit - Gelb-Rot. Zehn Mann, und die Luft war raus bei den Gästen. "Da wusste ich, dass wir’s packen", sagte Flamengos Coach Dino Ma. "Wenn sie nur noch zu zehnt sind, spielen wir elf gegen Ball." Ein Satz, der so kryptisch wie selbstbewusst klang - und in der 90. Minute seine Bestätigung fand. Der eingewechselte Emilio Helguera, 24 Jahre jung und offenbar mit dem Selbstvertrauen eines Straßenkickers aus Copacabana geboren, bekam einen langen Ball von Nebojsa Rakic zugespielt. Ein Haken, ein Schuss, ein Tor - 2:0. Der Schlusspunkt, der das Stadion in ein rot-schwarzes Tollhaus verwandelte. "Ich hab einfach nicht nachgedacht", meinte Helguera. "Das ist manchmal der Schlüssel." Trainer Dino Ma klopfte ihm danach auf die Schulter: "Wenn du wieder so wenig denkst, bekommst du nächste Woche wieder eine Halbzeit." Newells Coach Stefan Liebe dagegen war bedient. "Wir haben uns selbst geschlagen. Erst mit Karten, dann mit Köpfen." Seine Mannschaft beendete die Partie mit sechs Verwarnungen, einem Platzverweis und frustrierten Gesichtern. In der Nachspielzeit kam es noch dicker: Flamengos Torschütze Coelho sah Rot nach einem übermotivierten Zweikampf. "Ich wollte den Ball, hab aber nur den Gegner gefunden", erklärte er später fast entschuldigend. Statistisch war es ein Duell auf Augenhöhe - 13 Torschüsse für Flamengo, 8 für Newells Men. Doch der Unterschied lag in der Effizienz. Während die Gäste schossen, als hielten sie das Tor für ein Gerücht, zielte Flamengo präzise und mit Geduld. Die Fans feierten ihre Helden, während Vitorino Chalana mit Mikrofon in der Hand auf dem Rasen noch ein paar Takte sang - angeblich eine Widmung an seine Großmutter. "Sie sagt immer, ich soll lieber tanzen als foulen", lachte er. "Heute hab ich beides geschafft." So endete ein Abend, der zeigte, warum Flamengo im Maracanã selten verliert: Leidenschaft, Technik und ein Hauch Chaos - ein Cocktail, der in Südamerika meist schmeckt. Und Newells Men? Sie flogen heim mit einem Koffer voller Gelber Karten und der Erkenntnis, dass man in Rio nicht nur gegen elf Spieler spielt, sondern gegen eine ganze Stadt. Dino Ma brachte es zum Abschluss auf den Punkt: "Wir haben nicht perfekt gespielt, aber charmant genug, dass man uns das verzeiht." Genau das war’s - Fußball mit Fehlern, aber Herz. Und manchmal ist das eben schöner als jedes 5:0. 07.03.643994 09:34 |
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Das ist Schnee von morgen.
Jens Jeremies