Jornal do Brasil
+++ Sportzeitung für Brasilien +++

Flamengo stolpert - Teresina trotzt dem Favoriten ein 2:2 ab

Rio de Janeiro, 33. Spieltag der 1. Liga Brasilien - 52.053 Zuschauer im Maracanã erlebten einen dieser Abende, an denen man nicht wusste, ob man lachen oder die Stirn runzeln sollte. CF Flamengo, das große Aushängeschild des brasilianischen Fußballs, kam gegen den Außenseiter UD Teresina nicht über ein 2:2 hinaus. Und das, obwohl die Gastgeber 18 Abschlüsse verzeichneten - mehr als doppelt so viele wie die Gäste (8). Doch Tore fallen nun mal nicht nach Statistik, sondern nach Ball im Netz.

Flamengo begann stürmisch, mit einer Aufstellung, die mehr nach "Wir wollen’s heute wissen" als nach Geduld aussah. Trainer Dino Ma hatte seine Mannschaft offensiv ausgerichtet, aggressiv im Zweikampf, pressingfreudig, und schon in den ersten zehn Minuten prüfte Eric Jonsson zweimal den Gästetorwart Bohus Dostalek. Der tschechische Schlussmann aber blieb eiskalt. "Ich hab mir gesagt: Wenn ich einen brasilianischen Stürmer stoppen kann, darf ich mir heute Nacht ein Bier gönnen", grinste Dostalek später.

Dann, in der 36. Minute, der erste Dämpfer: Teresinas flinker Rechtsaußen Massimiliano Saracena entwischte seinem Gegenspieler Vitorino Gomes, bekam den Ball von Lukas Rieger serviert und schlenzte ihn unhaltbar ins lange Eck. 0:1 - und das Stadion wurde plötzlich still, als hätte jemand den Ton abgedreht.

Doch Flamengo wäre nicht Flamengo, wenn es sich lange bitten ließe. Nur fünf Minuten später dröhnte das Maracanã wieder. Hugo Custodio, der linke Mittelfeldmann mit der Geduld einer Kobra, nahm eine präzise Hereingabe von Nebojsa Rakic direkt - und traf zum 1:1. "Ich hab einfach draufgehalten", sagte Custodio danach. "Wenn du nachdenkst, ist der Ball schon weg."

Mit diesem Zwischenstand ging’s in die Pause. Trainer Dino Ma gestikulierte wild, als wolle er den Ballbesitz (48,8 % zu 51,2 %) persönlich in seine Richtung drücken. Sein Gegenüber Tobias Lang von Teresina blieb da ruhiger. "Wir haben gewusst, dass Flamengo irgendwann die Ordnung verliert, wenn man sie nur lange genug laufen lässt", erklärte er mit einem Lächeln, das man wahlweise als freundlich oder gefährlich deuten konnte.

Nach dem Wechsel schien sich das Spiel tatsächlich zu wiederholen: Flamengo drückte, Teresina konterte. Und wieder war es Hugo Custodio, der in der 53. Minute seine Farben in Führung brachte - diesmal nach feinem Zuspiel von Linksverteidiger Gomes. 2:1, das Stadion tobte. Doch wer geglaubt hatte, die Sache sei entschieden, unterschätzte Teresinas hartnäckigen Rechtsaußen.

Massimiliano Saracena, der mit seinem Namen klingt wie ein Operntenor, aber spielt wie ein Straßenkicker, war in der 79. Minute wieder zur Stelle. Nach einer Ecke von Mahir Calik stand er goldrichtig, köpfte ein - 2:2. Und während die Flamengo-Fans sich die Haare rauften, jubelten die 500 mitgereisten Anhänger aus Teresina, als hätten sie gerade die Meisterschaft gewonnen.

"Wir haben uns reingebissen, nicht mehr, nicht weniger", sagte Saracena später. "Wenn du in Rio zweimal triffst, darfst du dir auch ein zweites Bier gönnen." Trainer Lang nickte zufrieden: "Massimiliano hat heute gespielt, als hätte er drei Lungenflügel."

Flamengo warf in der Schlussphase alles nach vorn. Dino Ma brachte den jungen Caio Eusebio für den glücklosen Jonsson, und der 20-Jährige brachte frischen Wind. Zwei späte Abschlüsse (80. und 88. Minute) zwangen Dostalek noch einmal zu Glanzparaden. Doch das Tor blieb verschlossen. Selbst Fernando Coelho, der in der Nachspielzeit aus 20 Metern abzog, fand seinen Meister im Torwart.

Der Abpfiff klang für Flamengo wie ein Wecker an einem Montagmorgen - unerwünscht, aber unvermeidlich. Die Spieler schlichen vom Platz, während Teresina in einer Jubeltraube verschwand.

"Wir haben zu viel gewollt und zu wenig gemacht", knurrte Trainer Ma anschließend. "Wenn du 18 Mal schießt und nur zweimal triffst, brauchst du dich nicht beschweren."

Und so blieb ein Ergebnis, das beiden Teams nur halb schmeckt: Flamengo verliert im Titelrennen Boden, Teresina gewinnt Selbstvertrauen - und der neutrale Zuschauer gewinnt eine Geschichte, die man gerne weitererzählt.

Ein Fan auf der Tribüne brachte es beim Rausgehen auf den Punkt: "Das war kein Fußballspiel, das war eine Achterbahnfahrt ohne Sicherheitsbügel." Treffender lässt sich dieser Abend kaum beschreiben.

13.02.643997 08:40
Login
Emailadresse
Passwort
Sprücheklopfer
Ich weiß nicht, ob wir mit der Variante 6A, 17C oder 2B spielen.
Rainer Bonhof zur möglichen Aufstellung gegen das damalige Jugoslawien bei der WM 98
NETZWERK
Football Manager
Manager de fútbol
Calcio manager
Football Manager
LINKS
Kostenlos registrieren
Online-Hilfe
Freie Teams
Spieltag & Tabelle
Plattform-News
COMMUNITY
Zeitung
Stammtisch
Chat
ÜBER UNS
Impressum
Kontakt
AGB
Managerspiel Onlinemanager