Diarios de Futbol
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Flamengo und Petare liefern sich ein Feuerwerk der verpassten Chancen

79.500 Zuschauer im Maracanã bekamen an diesem Sonntagabend alles, was das Fußballherz begehrt - und ein bisschen mehr Dramatik, als es den Trainern lieb war. Flamengo und Sporting Petare trennten sich im Rückspiel der Copa-Libertadores-Play-offs 2:2 (2:1). Vier Tore, 30 Torschüsse, zwei aufgebrachte Trainer - und ein Spiel, das zeigte, warum Fußball manchmal eher ein Theaterstück als ein Sport ist.

Schon früh schien alles auf einen Heimsieg hinauszulaufen. In der 13. Minute war es Frederik Laursen, der nach feiner Vorarbeit von Mario Berjon eiskalt einschob. "Ich hab einfach den Fuß hingehalten", grinste der Däne später und fügte mit einem Augenzwinkern hinzu: "Ich wollte ja nicht unhöflich sein, der Ball kam so schön angekullert."

Doch die Freude währte nur acht Minuten. Petare, das sich nicht mit der Rolle des Statisten zufriedengeben wollte, schlug durch Jake Long zurück. Der flinke Linksaußen verwertete eine butterweiche Flanke von Jakub Vladyka zum 1:1. "Ich hab gesehen, dass der Keeper schon in Gedanken beim Abstoß war", meinte Long danach trocken.

Flamengo reagierte mit Wut im Bauch - und Mario Berjon mit einem Sonntagsschuss am Sonntagabend. In der 28. Minute donnerte der Mittelfeldstratege den Ball aus 20 Metern unter die Latte. Julio Hierro hatte den Treffer vorbereitet. Im Maracanã brandete Jubel auf, der fast das Dach anhob. Trainer Dino Ma riss die Arme hoch, als habe er gerade die Copa selbst gewonnen. "Wir wollten zeigen, dass wir Fußball spielen können und nicht nur Samba tanzen", rief er später in die Mikrofone.

Mit 2:1 ging es in die Pause, das Stadion vibrierte, die Fans sangen, und die Spieler wirkten, als hätten sie in der Kabine Espresso statt Elektrolytgetränke bekommen. Flamengo hatte etwas mehr Ballbesitz (52,6 Prozent), aber Petare wirkte gefährlicher im direkten Spiel nach vorn.

In der zweiten Hälfte wurde das Tempo ruppiger, die Konzentration kleiner und der Zufall größer. Chancen hüben wie drüben, doch der Ball wollte nicht mehr rein - bis Minute 65. Georgi Putin (nein, keine Verwandtschaft mit dem bekannten Namensvetter, wie er später lachend versicherte) traf nach einer Ecke aus dem Gewühl heraus. Oscar Stack hatte den Ball irgendwie in seine Richtung gestochert, und plötzlich stand es 2:2.

Trainer Marcel Skupzig von Petare sah da schon prophetisch aus, als er an der Seitenlinie brüllte: "Bleibt wach, Leute! Flamengo schläft nie!" Doch es blieb beim Weckruf ohne Gegentor. Die letzten 25 Minuten waren eine Mischung aus Nervenschlacht und Ballbesitz-Schach. Petare hatte mit insgesamt 16 Torschüssen sogar leicht die Nase vorn, Flamengo kam auf 14 - aber beide Keeper wollten sich den Ruhm nicht nehmen lassen.

In der 72. Minute brachte Ma den frischen Eric Jonsson für Emilio Helguera, während Skupzig kurz darauf gleich doppelt wechselte: Pekka Aaltonen und Francisco Adao kamen, um die müden Beine seiner Offensivreihe zu ersetzen. Aaltonen sorgte in der 85. Minute beinahe für den Sieg - sein Schuss zischte Zentimeter am Pfosten vorbei. Adao probierte es kurz darauf ebenfalls, doch Torwart Haim Tal lenkte den Ball mit einer artistischen Flugeinlage über die Latte.

"Ich hab kurz vergessen zu atmen", gestand Tal später. "Aber dann fiel mir ein, dass ich Torwart bin - da sollte man besser hinschauen."

Die Schlussphase gehörte wieder Flamengo, das mit Bo Christiansen einen blutjungen, aber frechen Linksfuß brachte. Der 21-Jährige prüfte Petare-Keeper Caio Maniche mit einem Schuss in der 80. Minute und grinste danach breit: "Ich wollte nur mal schauen, ob er wach ist."

Nach 91 Minuten pfiff der Schiedsrichter ab, und beide Teams sanken erschöpft zu Boden - ein gerechtes 2:2, das mehr Fragen als Antworten hinterließ. Wer kommt weiter? Wer hat mehr Nerven? Und warum eigentlich so viele Chancen, wenn man sie am Ende doch vergibt?

Trainer Dino Ma fasste es mit typisch brasilianischer Gelassenheit zusammen: "Wir wollten das Spiel kontrollieren, aber der Ball hat seine eigene Meinung." Skupzig dagegen analysierte nüchterner: "Man kann nicht jedes Mal zwei Tore schießen und trotzdem zittern - aber offenbar kann man."

Am Ende blieb der Applaus eines Publikums, das wusste, was es gesehen hatte: kein perfektes, aber ein herrlich unberechenbares Fußballspiel. Und vielleicht ist genau das der Grund, warum 79.500 Menschen an einem Sonntagabend lieber ins Stadion gehen, statt irgendetwas anderes zu tun.

Denn wenn zwei Teams so spielen wie Flamengo und Petare, dann ist selbst ein 2:2 ein kleines Drama - mit offenem Ende und der Gewissheit, dass der Fußball manchmal die beste Soap der Welt ist.

06.09.643996 07:09
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