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Es war einer dieser Abende im Maracanã, an denen 41.884 Zuschauer zunächst glauben, dass das Drehbuch schon geschrieben ist: Flamengo stürmt, kombiniert, verzweifelt - und am Ende jubeln die anderen. ES Marilia stahl sich beim 15. Spieltag der 1. Liga Brasilien mit einem 1:0-Sieg aus Rio, als hätte man ihnen den Plan für einen perfekten Fußball-Überfall in die Kabine gelegt. Dabei fing alles nach Plan der Hausherren an. Schon nach acht Minuten prüfte Eric Jonsson den gegnerischen Keeper Alex Ricci mit einem satten Schuss aus der zweiten Reihe. Drei Minuten später wieder Jonsson, diesmal flach aufs kurze Eck - Ricci hielt. Noch einmal in der 17. Minute Jonsson, noch in der 26. Domingo Moutinho. Der Ballbesitz war mit 50,7 Prozent ausgeglichen, doch die Torschüsse erzählten eine andere Geschichte: 13 zu 4 für Flamengo. Nur, wer die Tore nicht macht, bekommt sie eben. "Wir hätten noch drei Stunden spielen können, und wahrscheinlich hätte Alex Ricci auch dann alles gehalten", murmelte Flamengos Trainer Dino Ma nach Abpfiff und raufte sich die Haare. Bis zur Pause schien alles auf ein Geduldsspiel hinauszulaufen. Marilia verteidigte kompakt, rührte Beton an und schickte ab und zu den erfahrenen Laszlo Tököli auf Erkundungstour in die Flamengo-Hälfte. Der 33-jährige Ungar wirkte dabei wie ein Tourist mit Kamera: selten gesehen, aber wenn, dann mit bleibendem Eindruck. Und in der 55. Minute kam dieser Moment. Diego Rocha, der flinke Linksaußen, tanzte sich an der Seitenlinie vorbei, flankte halbhoch in die Mitte - und Tököli hielt einfach den Fuß hin. Ein leises "Plopp", ein überraschter Torwart Marcio Vaz, der Ball im Netz. 0:1. Das Stadion verstummte, als hätte jemand die Lautsprecher ausgeschaltet. "Ich hab einfach gehofft, dass er mich sieht", grinste Rocha später. "Laszlo sieht alles. Der Mann könnte nachts in einem Tunnel Tore schießen." Flamengo rannte, kämpfte, drängte. Trainer Dino Ma wechselte zur Pause schon offensiv: Marko Arnautovic kam für den jungen Caio Eusebio, später Marc Cucurella für den unglücklichen Vitorino Chalana. Doch der Druck verpuffte meist irgendwo zwischen Strafraumkante und Alex Ricci. In der 70. Minute sah Chalana noch Gelb, kurz bevor er ausgewechselt wurde - wohl das Einzige, was an diesem Abend Farbe ins Spiel brachte. In der 71. und 77. Minute versuchte der junge Finne Aki Ukkonen sein Glück, doch Ricci war wieder da. Zwischenzeitlich feuerte auch Rechtsverteidiger Georges Jürgens (62.) aus der Distanz, als wolle er den Torwart wenigstens mal erschrecken. Tat er auch - aber nur kurz. "Wir haben uns vorgenommen, kompakt zu bleiben und auf unsere Chance zu warten", erklärte Marilias Kapitän Nuno Ferreira nach der Partie. "Okay, wir hatten vier Schüsse aufs Tor, aber einer reicht ja manchmal." Die Schlussphase wurde ein einziger roter Wirbel aus Verzweiflung und Pressing. Flamengo schließlich mit aktivem Pressing, als wollte man den Ball am liebsten mit der Hand ins Tor tragen. In der 84. Minute noch einmal Fernando Coelho - drüber. In der 90. Minute die letzte Flanke, die in Riccis Handschuhen landete, so sicher wie ein Paket bei der Post. Und während die Gäste jubelten, stand Dino Ma mit verschränkten Armen am Spielfeldrand. "Wir haben gut gespielt", sagte er trocken. Nach einer Pause fügte er hinzu: "Nur halt nicht gut getroffen." Laszlo Tököli hingegen ließ sich feiern. "Ich bin 33, da schießt man nicht mehr aus Spaß. Das war Arbeit", lachte er und tippte sich an die Stirn. "Einmal konzentriert, einmal richtig getreten. Fertig." Marilia hat damit die wohl effizienteste Auswärtsleistung der Saison hingelegt - vier Schüsse, ein Tor, drei Punkte. Flamengo dagegen wird noch lange an diesem Abend zu knabbern haben, an dem der Ball einfach nicht rein wollte, egal wie sehr man ihn anschrie. Vielleicht fasste es ein Fan auf der Tribüne am besten zusammen, als er nach Spielschluss laut rief: "Wir hätten das Tor breiter malen sollen!" Ein Vorschlag, den man in Rio wohl mit einem bitteren Lächeln quittiert. Denn manchmal ist Fußball eben genau das: ein Spiel, bei dem nicht der Bessere gewinnt - sondern der, dessen Stürmer im richtigen Moment den Fuß hinhält. 22.04.643994 09:47 |
Sprücheklopfer
Irgendwann mal wieder gewinnen, und das versuchen wir zu probieren.
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