Jornal do Brasil
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Flamengos Abwehr trifft, Teresina kontert - ein 1:1 voller Drama und Déjà-vu

55.463 Zuschauer im Maracanã erlebten am Dienstagabend ein Spiel, das irgendwo zwischen Pflichtaufgabe und griechischer Tragödie pendelte. CF Flamengo und UD Teresina trennten sich am 34. Spieltag der brasilianischen Liga mit 1:1 - ein Ergebnis, das beide Seiten mit einem Schulterzucken quittierten und das trotzdem alles andere als langweilig war.

Von Beginn an gab Flamengo den Ton an. Trainer Dino Ma hatte sein Team offensiv eingestellt - Pressing ja, Pausen nein. Schon in der dritten Minute prüfte Aki Ukkonen den Gästetorwart Dostalek mit einem satten Rechtsschuss. "Ich dachte, der Ball sei schon drin", grinste der Finne später. Danach rollte Angriff um Angriff auf das Tor der Gäste, aber Teresinas Abwehr um Kowaltschuk hielt stand - zumindest bis zur 52. Minute, als der Ukrainer nach einem Zusammenprall verletzt rausmusste. "Ich habe mehr Sternchen gesehen als auf der brasilianischen Flagge", witzelte er beim Abgang. Für ihn kam der erfahrene Mahir Calik, der sofort Ordnung brachte.

Flamengo blieb überlegen: 17 Torschüsse, 51 Prozent Ballbesitz, gefühlt 90 Prozent Spielanteile in der gegnerischen Hälfte. Aber es dauerte bis zur 71. Minute, bis endlich etwas Zählbares passierte - und das ausgerechnet durch einen Innenverteidiger. Nach einer Ecke von Vitorino Gomes stieg Nebojsa Rakic am höchsten und köpfte den Ball in die Maschen. Das Maracanã explodierte. "Ich bin Verteidiger, kein Stürmer - vielleicht sollte ich das ändern", lachte der 21-Jährige später.

Das 1:0 schien die Erlösung, doch Flamengo wäre nicht Flamengo, wenn es nicht noch ein Kapitel Chaos hinzufügen würde. Erst kassierte Mathias Gulbrandsen Gelb für ein taktisches Foul, dann Vitorino Gomes - und als er in der 86. Minute erneut zu spät kam, folgte die Gelb-Rote Karte. "Er hat einfach zu viel Liebe zum Zweikampf", kommentierte Trainer Ma trocken.

Zuvor, in der 85. Minute, hatte Teresina allerdings schon eiskalt zugeschlagen: Juanito Minguez tanzte an der rechten Außenlinie, flankte scharf in die Mitte, und Massimiliano Saracena drückte den Ball aus kurzer Distanz über die Linie - 1:1. "Ich hab nur den Fuß hingehalten", sagte der Italiener bescheiden, während Trainer Tobias Lang daneben grinste: "Genau so habe ich’s an der Tafel gemalt - na ja, fast."

Der Ausgleich war verdient, denn Teresina hatte sich nie aufgegeben. Haim Mitzna scheiterte in der Nachspielzeit noch mit einem gefährlichen Schuss aus 20 Metern an Keeper Jordi Valdo - der einzige Moment, in dem die Fans kurz das Atmen vergaßen.

In den letzten Minuten wurde es dann noch einmal wild: Flamengo spielte mit zehn Mann, Trainer Ma brüllte sich die Seele aus dem Leib, und Ersatzmann Atabey Kaldirim holte sich in der 93. Minute noch eine völlig überflüssige Gelbe Karte ab. "Ich wollte nur zeigen, dass ich da bin", erklärte er nach dem Abpfiff - eine Aussage, die irgendwo zwischen Mut und Missverständnis pendelte.

Die Statistik spricht klar für Flamengo, das mit 17:7 Schüssen und besserer Zweikampfquote (54,7 Prozent) mehr investierte - aber am Ende reichte es wieder nur zu einem Punkt. "Wir hätten das Spiel zehnmal gewinnen können", ärgerte sich Dino Ma. "Leider haben wir nur einmal getroffen - und das war der Falsche."

Teresina dagegen jubelte über den Punktgewinn wie über einen Sieg. Trainer Lang, sonst eher nordisch kühl, klatschte seine Spieler nach Abpfiff ab und meinte: "Wenn du in Rio einen Punkt holst, darfst du dich ruhig mal freuen. Und das mit einem halben Innenverteidiger weniger."

So ging ein intensiver Abend zu Ende: zwei Tore, vier Gelbe Karten, eine Gelb-Rote, eine Verletzung und unzählige vergebene Chancen. Das Publikum verließ das Stadion mit gemischten Gefühlen - zwischen Stolz und Frust, zwischen Samba und Seufzer.

Oder, wie ein älterer Fan beim Rausgehen sagte: "Das war Flamengo pur - schön, aufregend und am Ende wieder zum Haare raufen."

Vielleicht trifft das den Abend am besten: ein Spiel, das keiner wirklich gewann, das aber keiner so schnell vergisst.

07.07.644000 21:57
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