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Ein lauer Frühlingsabend, 36.333 Zuschauer, Flutlicht, Spannung in der Luft - und dann kam SBV Rotterdam. Was folgte, war weniger ein Fußballspiel als vielmehr eine 90-minütige Lehrstunde in Effizienz. Die Flevo Boys verloren am 15. Spieltag der 1. Liga Niederlande mit 0:4 (0:2) gegen eiskalte Gäste, die aus 30 Torschüssen vier Tore machten - und dabei aussahen, als hätten sie noch Reserven für ein zweites Spiel. Das Erstaunliche: Die Flevo Boys hatten den Ball. Und zwar viel. 59 Prozent Ballbesitz, um genau zu sein. Nur: Was sie damit machten, ist schwer zu erklären. "Wir wollten kontrolliert aufbauen, aber irgendwie kam der Ball nie da an, wo er hin sollte", murmelte Trainer Franz Huber nach dem Spiel, während er auf sein Notizbuch starrte, als hoffe er, dass die Antwort zwischen den Linien stünde. Schon früh wurde klar, dass es ein langer Abend werden würde. In der dritten Minute sah Bo Carlsen Gelb - sinnbildlich für das, was kam: hektisch, ungeduldig, übermotiviert. Rotterdam dagegen? Kühl wie ein Nordsee-Wind. In der 23. Minute drehte Jonas Van Remoortere nach einem herrlichen Zuspiel von Runar Gudjohnsen jubelnd ab. 0:1. Und das, obwohl die Flevo Boys bis dahin eigentlich das Spiel bestimmten - zumindest optisch. "Wir wussten, dass sie gerne den Ball haben. Kein Problem - wir nehmen ihn ihnen einfach wieder ab", grinste Rotterdams Trainerin Maria Meister nach dem Spiel. Ihre Mannschaft spielte unter der Woche in der Kabine offenbar Schach statt Fußball - so präzise war das Positionsspiel. Vor der Pause dann der nächste Schlag: Der 19-jährige Gabri Ortega, der aussieht, als könne er noch U19 spielen, donnerte in der 42. Minute den Ball aus der zweiten Reihe ins Netz. 0:2. Der Pass kam von Innenverteidiger Catalin Bostina, der offenbar beschlossen hatte, dass der Spielaufbau auch mal Spaß machen darf. Zur Halbzeit sah man auf den Rängen viele ratlose Gesichter. "Wir sind ja gar nicht so schlecht - wir schießen nur nicht", sagte ein älterer Fan und biss in seine Frikandel, als wolle er wenigstens da noch etwas gewinnen. Die zweite Hälfte begann, wie die erste aufgehört hatte: mit einem Tor für Rotterdam. Nur 47 Sekunden nach Wiederanpfiff versenkte Harold Dorland den Ball nach Vorarbeit von Taylan Tekke zum 0:3. Die Flevo Boys versuchten, die Köpfe oben zu behalten, aber spätestens als Gudjohnsen in der 71. Minute selbst zum 0:4 traf - diesmal nach feinem Doppelpass mit Finlay O’Farrell - war klar, dass hier nichts mehr zu retten war. Rotterdam spielte weiter, als ginge es um die Torjägerkanone. Die Statistik las sich wie ein Computerspiel: 30 Torschüsse, 40 Prozent Ballbesitz, 59 Prozent gewonnene Zweikämpfe - und null Hektik. Torwart Miguel Peyroteo hätte sich theoretisch ein Buch mitbringen können; ein Ball kam auf sein Tor nicht. Das Publikum blieb trotzdem fair. Als in der 78. Minute Aki Kuqi verletzt vom Platz musste und durch Nelio Coluna ersetzt wurde, applaudierten die Fans - vielleicht auch aus Mitleid. "Ich hab versucht, den Ball zu kriegen, aber der war schon zweimal weitergepasst", sagte Kuqi später, die Schulter in Eis gepackt. Nach dem Abpfiff standen die Flevo Boys mit leeren Blicken auf dem Rasen, während Rotterdam lässig abklatschte. "Wir haben uns vorgenommen, offensiv zu spielen", sagte Huber mit einem bitteren Lächeln, "leider hat das nur für die Gegner funktioniert." Auf der Pressekonferenz wurde Maria Meister gefragt, ob sie mit der Leistung zufrieden sei. "Na ja", antwortete sie, "30 Schüsse, vier Tore - da ist noch Luft nach oben." Man hätte fast Mitleid mit den Flevo Boys, wenn sie nicht so freundlich gewunken hätten, als sie vom Platz gingen. Am Ende bleibt ein Ergebnis, das deutlicher kaum sein könnte: 0:4. Ein Abend, an dem die Zahlen die Geschichte erzählen - und die Geschichte schmerzt. Oder, wie es ein Fan beim Hinausgehen zusammenfasste: "Wir hatten den Ball, sie hatten die Tore. Blöd gelaufen." Und vielleicht, ganz vielleicht, ist das die ehrlichste Analyse eines Spiels, das für Flevo Boys nur eines war: ein Lehrstück in Sachen kaltschnäuziger Effizienz. 19.11.643999 11:31 |
Sprücheklopfer
Der ist noch nicht hier. Der Flug nach Kapstadt war ein Nichtraucherflug. Da konnte er nicht.
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