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Flevo Boys tanzen Den Haag schwindelig - 3:1 im heimischen Hexenkessel

Die Sonne war längst untergegangen, aber im Stadion der Flevo Boys glühte am Samstagabend noch alles - Flutlicht, Fans und vor allem Nelson Morte. Der rechte Flügelstürmer der Hausherren schoss den FC Den Haag quasi im Alleingang aus dem Konzept und traf gleich doppelt beim 3:1-Sieg seines Teams am 25. Spieltag der 1. Liga Niederlande.

Schon vor dem Anpfiff lag ein Hauch von Spannung über den 39.612 Zuschauern. Trainer Franz Huber hatte seine Flevo Boys offensiv ausgerichtet; "Wir wollten Den Haag nicht den Ball überlassen, wir wollten ihn ihnen abnehmen - notfalls auch mit einem freundlichen Grinsen", sagte Huber später, halb stolz, halb verschmitzt. Sein Gegenüber Xurxo Zabajone blieb da nüchterner: "Wir wollten ruhig bleiben. Hat ungefähr 20 Minuten funktioniert."

Diese 20 Minuten reichten gerade so, bis Nelson Morte in der 21. Minute die Geduld verlor. Nach feinem Zuspiel von Nelio Coluna zog er von rechts nach innen, ließ zwei Verteidiger aussehen wie Touristen im falschen Museum und schlenzte den Ball ins lange Eck - 1:0. "Ich wollte eigentlich flanken, aber dann dachte ich: Ach, der Ball weiß schon, wo er hin muss", grinste Morte nach dem Spiel.

Den Haag reagierte mit Wut, aber ohne Zielwasser. 11 Torschüsse zählten die Statistiker am Ende für die Gäste - keiner davon gefährlich genug, um Flevo-Keeper Dirck Winchel ernsthaft zu erschrecken. Besonders der erst 18-jährige Albert Van Keuren versuchte es mehrfach, schoss aber lieber die Werbebande warm als den Ball ins Netz.

Nach der Pause kam Den Haag kurz auf. In der 47. Minute traf Rechtsaußen William Kirkwood nach einer Kopfballverlängerung von Innenverteidiger Eustatius Onderdonk zum 1:1. Der Gästeblock tobte, Zabajone ballte die Faust, und Huber? Der nahm einen Schluck Wasser und murmelte laut genug fürs Mikrofon: "Na gut, dann müssen wir halt wieder anfangen."

Gesagt, getan. Nur zwei Minuten später setzte sich Morte erneut durch, diesmal nach einem feinen Pass von Pietro Albanese. Wieder rechts, wieder präzise, wieder Tor. 2:1. "Ich hab ihn gar nicht so gut getroffen", meinte Morte später kokett, "aber manchmal liebt dich der Ball einfach."

Und als ob das nicht genug war, legte Saweli Tregubow in der 50. Minute nach - ein Linksschuss nach Vorlage von Aki Kuqi, direkt ins Glück. Drei Tore in zehn Minuten, und Den Haag stand da wie ein Kartenhaus im Wind.

Von da an spielten die Flevo Boys die Partie mit fast stoischer Ruhe zu Ende. 50,4 Prozent Ballbesitz, 12 Torschüsse - die Zahlen erzählen von Ausgeglichenheit, aber nicht von der Wirkung. Die Hausherren wirkten reifer, wacher, entschlossener. "Wir haben die Balance gefunden zwischen Schönspielerei und Biss", bilanzierte Trainer Huber.

Für Den Haag kam es noch dicker: In der 70. Minute sah Hugo Carvalho Gelb, nachdem er Saweli Tregubow an der Seitenlinie beinahe in den Getränkekasten befördert hatte. Und in der 85. Minute musste Theofanis Theotokis verletzt raus - ein unglücklicher Zusammenprall, der selbst Huber mitleidig den Kopf schütteln ließ. "Das war Pech, kein Foul. Fußball ist manchmal einfach ein Kontaktsport", kommentierte er trocken.

Zabajone wechselte Onur Ates ein, aber da war das Spiel längst entschieden. Seine Mannschaft wirkte müde, fast resigniert. "Wir hatten den Ball, aber sie hatten die Ideen", sagte der Den-Haager Coach hinterher. "Und Nelson Morte hatte leider beides."

Als der Schlusspfiff ertönte, sangen die Fans ihr Team in die Nacht. Die Spieler der Flevo Boys klatschten sich ab, Morte bekam den Spielball, und Trainer Huber grinste in die Kameras: "Ich sag’s mal so - wir üben das ja nicht umsonst."

Ein bisschen Pathos darf sein: Flevo Boys haben an diesem Abend nicht nur Den Haag besiegt, sondern auch bewiesen, dass man mit Leidenschaft, Tempo und einer Prise Frechheit den Unterschied machen kann. Oder, wie Morte es später formte: "Manchmal musst du einfach schießen - und hoffen, dass der Torwart gerade träumt."

Am Ende stand ein verdienter 3:1-Erfolg, der die Flevo Boys weiter im Rennen um die oberen Tabellenplätze hält. Den Haag dagegen fährt mit leeren Händen, aber immerhin mit der Erkenntnis nach Hause, dass es in Emmeloord keine Geschenke gibt - höchstens Gegentore mit Schleife.

Und irgendwo in der Kabine summte Nelson Morte leise vor sich hin. Vielleicht ein Lied über Tore. Vielleicht einfach nur die Melodie des Sieges.

25.03.644000 19:15
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