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Was als lauer Frühlingsabend in Haarlem begann, endete in einer kühlen Dusche für den SC: 1:3 lautete das bittere Endergebnis gegen die cleveren Flevo Boys, die ihre Chancen eiskalt nutzten und den Gastgebern demonstrierten, wie man Effizienz buchstabiert. 32.000 Zuschauer im altehrwürdigen Stadion sahen ein Spiel, das früh entschieden schien - und in dem der SC Haarlem trotz beherztem Einsatz nie wirklich die Kontrolle gewann. Gerade einmal fünf Minuten waren gespielt, als Flevo Boys’ Linksaußen Edoardo Montauro den Ball nach einem präzisen Zuspiel von Innenverteidiger Luca Cleto mit dem linken Spann in den Winkel drosch. "Ich wollte eigentlich flanken", grinste Montauro später und hob entschuldigend die Hände, "aber wenn der Ball so schön bittet, geschossen zu werden..." Haarlem-Torhüter Godewyn Sleeper konnte nur hinterherschauen - und tat das in den folgenden Minuten noch öfter. Denn die Gäste, eigentlich mit einer defensiven Grundordnung angetreten, spielten plötzlich wie entfesselt. Montauro, Carlsen und Hahn prüften Sleeper binnen der ersten Viertelstunde mehrfach, während Haarlems Abwehrchef Albert Voores bereits nach 30 Minuten Gelb sah - vermutlich aus Frust über die Dauerbelagerung. Nur kurz darauf folgte die nächste Verwarnung für Rechtsverteidiger Andreas Noack. Die Hausherren wirkten gereizt, aber nicht gefährlich. "Wir wollten offensiv auftreten", erklärte ein sichtlich genervter Haarlem-Coach nach dem Spiel, "aber wenn der Gegner nach fünf Minuten führt, sieht Offensive schnell nach Harakiri aus." Und tatsächlich: Die Taktik der Haarlemer blieb über 90 Minuten auf "Offensive" eingestellt - doch was nutzt jede Formation, wenn vorne die Präzision fehlt? Acht Torschüsse standen am Ende zu Buche, ganze 17 der Gäste. Erst nach der Pause kam ein Funken Hoffnung auf. In der 62. Minute bediente Edvin Thuesen mustergültig seinen Kollegen Mario Domingos, der endlich den Ausgleich erzielte. Der Jubel im Stadion war groß - und dauerte gerade einmal acht Minuten. Denn Flevo Boys antworteten postwendend: Nelio Coluna, der bis dahin weitgehend unauffällig geblieben war, verwandelte in der 70. Minute nach schnellem Doppelpass mit Montauro zum 1:2. "Wir haben Haarlem kommen lassen und dann zugestochen", analysierte Gäste-Trainer Franz Huber mit dem zufriedenen Lächeln eines Mannes, der genau das Spiel bekommen hatte, das er wollte. Und als ob das nicht genug gewesen wäre, setzte Ashton Bataillard nur fünf Minuten später den Deckel drauf. Nach klugem Zuspiel von Mittelfeldstratege Koenraad Vandermark schlenzte der Rechtsaußen den Ball unhaltbar ins lange Eck - 1:3, Entscheidung. Bataillard riss die Arme hoch, grinste breit - und humpelte zehn Minuten später verletzt vom Feld. Ein bittersüßer Abend für den Mann des Moments. "Ich hab’ noch nie ein Tor geschossen und mich gleichzeitig so geärgert", witzelte Bataillard später mit bandagiertem Knöchel. Sein Trainer Franz Huber nahm’s gelassen: "Wenn er dafür jede Woche trifft, trag ich ihn notfalls selbst vom Platz." SC Haarlem versuchte zwar bis zum Schluss, das Ergebnis zu korrigieren - Andrzej Piechniczek und Robert Böttcher hatten noch Gelegenheiten, doch Flevos Keeper Dirck Winchel parierte souverän. "Manchmal hat man das Gefühl, wir schießen auf ein Tor, das sich bewegt", murmelte Böttcher nach dem Schlusspfiff. Statistisch gesehen war das Spiel fast ausgeglichen - 48 Prozent Ballbesitz für Haarlem, 52 für die Gäste - aber die Zahlen lügen bekanntlich nie: Flevo Boys gewannen mehr Zweikämpfe (54 zu 46 Prozent) und zeigten schlicht den entschlosseneren Fußball. Bei Haarlem hingegen herrschte nach Schlusspfiff betretenes Schweigen. Nur Kapitän Michele Santoro sprach kurz: "Wir haben den Anfang verschlafen und das Spiel nie richtig in den Griff bekommen. Wenn du gegen so konterstarke Jungs spielst, reicht das nicht." Und so ging der 26. Spieltag der 1. Liga Niederlande mit einem klaren Ergebnis zu Ende: Flevo Boys siegen auswärts verdient mit 3:1, nehmen drei Punkte mit - und hinterlassen in Haarlem eine Mischung aus Frust und Ratlosigkeit. Ein älterer Fan auf der Tribüne brachte es beim Verlassen des Stadions auf den Punkt: "Wir waren besser - nur leider nicht im Tore schießen." Manchmal sind Fußballweisheiten eben doch die ehrlichsten Analysen. 06.04.644000 16:03 |
Sprücheklopfer
Wenn kein Sprit im Tank und die Birne leer ist, läuft nichts.
Rainer Calmund