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Es gibt Fußballabende, an denen einfach alles gelingt - allerdings nur für eine Mannschaft. Der 24. Spieltag der 1. Liga Niederlande sah Almere United in der eigenen Arena mit 31.454 Zuschauern in einem Schauspiel, das irgendwo zwischen Slapstick und Lehrfilm für Angriffsspiel lag. Am Ende stand ein 0:8 gegen die gnadenlos effizienten Flevo Boys. "Ich weiß gar nicht, wie man acht Tore aufschreibt, ohne dass das Papier anfängt zu brennen", murmelte ein sichtlich fassungsloser Stadionsprecher, während die Anzeigetafel schon nach dem sechsten Treffer zu flackern begann. Von der ersten Minute an zeigten die Gäste, dass sie nicht gekommen waren, um sich die Grachten von Almere anzusehen. Schon in der 8. Minute eröffnete Aki Kuqi den Torreigen mit einem Schuss, der so präzise war, dass Torwart Larz Halse wohl noch heute rätselt, ob der Ball tatsächlich den Gesetzen der Physik folgte. Nur sieben Minuten später legte Esteban Fernandes nach - 0:2, und die Heimfans begannen, sich an den Getränkeständen für den Rest des Abends zu rüsten. "Wir wollten eigentlich kompakt stehen", erklärte Almere-Kapitän Ivan Demo trocken. "Aber irgendwie standen wir dann kompakt nebeneinander - und die Flevo Boys kompakt vor unserem Tor." Bis zur Pause folgten noch zwei weitere Einschläge: Saweli Tregubow (32.) und Edoardo Montauro (38.) machten den Zwischenstand von 0:4 perfekt. Das Publikum quittierte die Halbzeit mit höflichem Schweigen - und ein paar ironischen Applausmomenten für jeden Ballkontakt der Gastgeber. Flevo-Trainer Franz Huber dagegen grinste in der Pause wie jemand, der gerade den Cheatcode für das perfekte Offensivspiel gefunden hat. "Wir wollten einfach Spaß haben", sagte er später. "Und die Jungs hatten offensichtlich sehr viel Spaß." Nach Wiederanpfiff wurde es nicht besser für Almere. Ellis Payne, gerade erst zur zweiten Halbzeit eingewechselt, traf in der 56. und 60. Minute doppelt - beide Male nach mustergültigen Zuspielen von Owen Corey und Aki Kuqi. Payne selbst gab sich bescheiden: "Ich wollte eigentlich querlegen, aber der Ball wollte wohl rein. Da kann man ja schlecht widersprechen." Edoardo Montauro setzte in der 68. Minute noch einen drauf - sein zweiter Treffer des Abends, wieder nach Vorarbeit von Kuqi, der an diesem Abend so etwas wie der Dirigent eines perfekt gestimmten Orchesters war. Als Krönung traf Kuqi in der 90. Minute selbst noch einmal - das 0:8, und selbst die Almere-Fans erhoben sich für einen Moment, um höflich Beifall zu spenden. Statistisch gesehen war das Spiel fast absurd: 23 Torschüsse der Flevo Boys trafen auf gerade einmal drei von Almere. Der Ballbesitz war mit 52 zu 48 Prozent noch halbwegs ausgeglichen, doch während die Gäste jeden Angriff in eine kleine Oper verwandelten, wirkte Almeres Offensivspiel eher wie eine Generalprobe ohne Textbuch. Trainer Huber hob nach dem Spiel die Disziplin seines Teams hervor: "Wir haben nicht überdreht, sondern einfach konzentriert durchgespielt. Acht Tore sind schön, aber noch schöner ist, dass wir keins kassiert haben." In der Mixed Zone wirkte Almere-Coach - namentlich ungenannt, vielleicht aus Selbstschutz - so, als hätte er gerade eine besonders unangenehme Mathearbeit korrigiert. "Wir werden das analysieren", sagte er, "und dann… äh… weitermachen." Ein Spieler von Almere, Jerome Hensley, erhielt immerhin noch eine Gelbe Karte - vielleicht als einziger sichtbarer Beweis, dass sein Team überhaupt physisch anwesend war. Die Fans von Almere United nahmen es mit Galgenhumor. Ein älterer Herr kommentierte auf der Tribüne: "Wenn man schon verliert, dann wenigstens historisch." Ob das nun der Beginn eines Flevo-Boys-Märchens ist oder einfach nur ein Abend, an dem alles passte, wird sich zeigen. Fakt ist: mit Aki Kuqi (zwei Tore, zwei Vorlagen) und Edoardo Montauro (zwei Treffer) hatten die Gäste zwei Männer, die an diesem Samstagabend in Almere wohl auf jeder Wunschliste für ein Sammelalbum stehen dürften. Und Almere? Die werden wohl eine Weile brauchen, um diesen Abend zu verdauen. Vielleicht hilft ja, es als Kunstperformance zu sehen - Titel: "Die flüchtige Illusion von Ballbesitz". Schlusswort? Nun ja: Wenn ein Team acht Tore erzielt und der Gegner trotzdem über 47 Prozent Ballbesitz hat, dann ist das kein Fußballspiel mehr. Das ist Pädagogik. 24.03.644000 15:55 |
Sprücheklopfer
Wer in Bochum von Strafraum zu Strafraum geht und sich dabei nicht den Knöchel bricht, dem gebe ich einen aus.
Christoph Daum