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Die 36.221 Zuschauer im Emmeloorder Stadion rieben sich am Mittwochabend die Augen. Was die Flevo Boys beim 21. Spieltag der 1. Liga Niederlande gegen Berkum aufführten, war kein Fußballspiel, das war eine 90‑minütige Vorführung in Sachen Spielfreude, Tempo und gnadenloser Effizienz. 5:0 hieß es am Ende - und dieses Resultat war so verdient wie deutlich. Schon nach wenigen Minuten war klar, in welche Richtung das Match laufen würde. Die Flevo Boys, von Trainer Franz Huber mit offensiver Ausrichtung losgelassen, griffen an, als ginge es um eine Titelentscheidung. Bo Carlsen und Saweli Tregubow hielten Berkums Abwehr permanent auf Trab. In der 17. Minute fiel die logische Folge: Tregubow traf nach feinem Zuspiel von Carlsen - 1:0, und der Jubel hallte noch, als Huber an der Seitenlinie grinste und seinem Co zuraunte: "Wenn das so weitergeht, bestell ich mir nachher ein Bier auf Bo." Und es ging so weiter. In der 31. Minute revanchierte sich Carlsen bei Tregubows Dankesgeberrolle, diesmal kam das Zuspiel von Nelio Teixeira - 2:0. Berkum wirkte überfordert, ihr Pressing blieb theoretisch, ihr Ballbesitz (am Ende immerhin 51 Prozent) endete meist irgendwo im Niemandsland zwischen Mittellinie und Verzweiflung. "Wir hatten den Ball, aber keine Idee, was wir damit anfangen sollen", gab Berkums Kapitän Lauritz Westerveldt später zerknirscht zu. Noch vor der Pause machte Nelson Morte das 3:0 (37.), nach präzisem Querpass von Koenraad Vandermark. Der Treffer war ein Musterbeispiel für das, was die Flevo Boys an diesem Abend auszeichnete: schnelles Umschalten, kluge Laufwege, eiskalte Abschlüsse. Zur Halbzeit winkte Trainer Huber Richtung Tribüne und meinte halb im Spaß: "Vielleicht lassen wir sie in der zweiten Hälfte ein bisschen mitspielen - sonst wird’s ja peinlich." Berkum versuchte tatsächlich, nach dem Wechsel Struktur zu finden, brachte aber kaum Gefahr zustande. Ihre fünf Torschüsse im gesamten Spiel waren mehr Alibi als Angriff. Und als Carlsen in der 58. Minute erneut traf, diesmal nach Flanke von Linksverteidiger Hanson Scranton, war der Widerstand endgültig gebrochen. 4:0 - und das Stadion vibrierte. Carlsen wurde später zum Spieler des Abends gewählt. "Ich hab einfach nur Spaß gehabt", lachte der Doppeltorschütze. "Wenn du siehst, dass jeder Pass ankommt, willst du gar nicht mehr aufhören." In der Schlussphase war es dann Koenraad Vandermark, der sich seinen verdienten Eintrag auf der Torschützenliste holte. In der 86. Minute schloss er einen langen Angriff ab, den Aki Kuqi eingeleitet hatte. 5:0 - und Huber stand applaudierend an der Seitenlinie. "Das war heute wie gemalt", sagte der Trainer hinterher. "So spielen wir im Training nie - aber vielleicht sollten wir das ab jetzt versuchen." Berkum blieb nichts als Schadensbegrenzung. Ihre Aktionen wirkten bemüht, aber harmlos. Vincent Makukula probierte es in der 87. Minute mit einem Kopfball, der allerdings mehr Rückgabe als Torschuss war. Ihr Torhüter Valerio Acri verhinderte mit mehreren Paraden Schlimmeres - dass es trotzdem fünf Gegentore wurden, sagt alles über die Dominanz der Gastgeber. Statistisch gesehen war es eine kleine Kuriosität: Flevo Boys hatten nur 48 Prozent Ballbesitz, aber 24 Torschüsse. Berkum dagegen 52 Prozent und gerade einmal fünf - eine Zahlenkombination, die man sonst nur aus Fußballlehrbüchern zum Thema "Effizienz schlägt Kontrolle" kennt. Nach dem Abpfiff klatschten die Fans ihre Helden minutenlang ab, Huber winkte in die Menge, und Carlsen wurde noch auf dem Rasen vom Stadionsprecher interviewt. Auf die Frage, ob er sich jetzt als Torjäger fühle, antwortete er lachend: "Ich fühle mich eher wie ein Kellner - ich hab einfach serviert bekommen, was meine Kollegen angerichtet haben." Selbst Berkums Trainer - der sich mit finsterer Miene in die Pressekonferenz schleppte - musste schmunzeln, als man ihn auf Hubers Bierwitz ansprach. "Ich hoffe, er hat’s sich schmecken lassen", murmelte er, "wir haben ihm schließlich genug Gründe geliefert." Ein Abend, der in Emmeloord noch lange in Erinnerung bleiben dürfte. Und wenn Franz Huber wirklich ein Bier getrunken hat, dann war es wohl das bestverdiente der Saison. 08.02.644000 12:05 |
Sprücheklopfer
Wer in Bochum von Strafraum zu Strafraum geht und sich dabei nicht den Knöchel bricht, dem gebe ich einen aus.
Christoph Daum