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Foresters verspielen Führung - Wrexham mit Drachenfeuer in der zweiten Halbzeit

Manchmal reicht eine Halbzeit Fußball nicht, um zu verstehen, was in einem Spiel passiert ist. So geschehen am Mittwochabend im City Ground von Nottingham, wo die Foresters nach einer 1:0-Führung zur Pause am Ende mit 2:3 gegen die Wrexham Dragons untergingen. 12.500 Zuschauer sahen eine Partie, die sich anfühlte wie zwei verschiedene Filme - der erste ein leichtfüßiger Heimatfilm, der zweite ein walisischer Actionkracher mit Feuer und Rauch.

Die Foresters starteten, als hätten sie sich vorgenommen, das Spiel früh zu entscheiden. In der 12. Minute zappelte der Ball erstmals im Netz: Luís Ferreira nutzte eine präzise Vorlage von Paulo Rielo und schob die Kugel eiskalt an Wrexhams Keeper Vicente Dominguez vorbei - 1:0. Ferreira grinste danach in Richtung Trainer Leon Löwe: "Ich hab’s dir gesagt, der Ball liebt mich heute." Löwe nickte zufrieden, noch nicht ahnend, dass dieser Ball ihn später eher verfluchen würde.

Wrexham tat sich in der ersten Halbzeit schwer. Thomas Anderson prüfte zwar früh Foresters-Schlussmann Daniel Forsythe, aber die Gäste wirkten, als hätten sie den Bus im Stau gelassen. Nottingham dominierte, wenn auch ohne Nachdruck, und ging mit einem verdienten 1:0 in die Kabine.

"Ich sagte den Jungs in der Pause: Wir sind besser, wir müssen es nur glauben", verriet Wrexham-Trainer Viktor Kazyrow später mit einem Lächeln, das irgendwo zwischen Wahnsinn und Weitsicht lag. Offenbar glaubten seine Spieler ihm.

Kaum war die zweite Halbzeit angepfiffen, da schlug Wrexham zu. In der 49. Minute legte der junge Louis Gallagher einen feinen Pass auf Lewis Kendall, der aus halbrechter Position trocken ins lange Eck traf - 1:1. Der Auswärtsblock tobte, und Kazyrow riss die Arme hoch wie ein Dirigent, der endlich den richtigen Ton getroffen hatte.

Doch Nottingham antwortete prompt. Acht Minuten später zirkelte Alexander Bostwick einen Ball ins rechte Eck, vorbereitet von - wer sonst - Luís Ferreira. 2:1! Löwe brüllte von der Seitenlinie: "So will ich das sehen, Männer!" Es war der letzte Moment, in dem er das wirklich meinte.

Denn Wrexham hatte das Spiel nun endgültig im Griff. 55 Prozent Ballbesitz und 15 Torschüsse sprachen eine deutliche Sprache. In der 61. Minute verwandelte der 19-jährige Sean Hunt eine butterweiche Flanke von Jewgraf Konowalenko zum 2:2. "Ich hab den Ball kommen sehen und gedacht: Warum nicht?", sagte Hunt später lachend. "Und dann war er einfach drin."

Nottingham wirkte konsterniert. Verteidiger Juan Herrera, schon in der ersten Hälfte mit Gelb verwarnt, fuchtelte wild herum, während Keeper Forsythe verzweifelt versuchte, Ordnung in den Strafraum zu bringen. Sieben Minuten später war’s dann passiert: Wieder war Hunt beteiligt, diesmal als Vorbereiter. Thomas Anderson nutzte die Vorlage eiskalt und drehte das Spiel für Wrexham - 2:3!

"Wir haben uns einfach in einen Rausch gespielt", meinte Anderson später, noch immer mit roten Wangen vom Jubel. "Nach dem zweiten Tor wusste ich: Wir holen das Ding." Und er sollte recht behalten.

In den letzten zwanzig Minuten mühten sich die Foresters, doch der Drachenatem hatte ihnen den Wind aus den Segeln genommen. Trainer Löwe wechselte dreifach - Donovan kam für Callahan, Bloomfield ersetzte Cunningham, und der erfahrene Herrera durfte Nevio Gomes Platz machen -, doch das half wenig. Die Foresters drückten, aber Wrexham verteidigte clever und lauerte weiter auf Konter.

Die Statistik sprach am Ende Bände: 45 Prozent Ballbesitz für Nottingham, 13 Torschüsse. Wrexham etwas zielstrebiger mit 15 Abschlüssen und eben jenen drei Treffern, die den Unterschied machten. Selbst die Zweikampfquote, knapp zu Gunsten der Gäste (51 zu 49 Prozent), spiegelte die kleine, aber entscheidende Überlegenheit wider.

Nach Abpfiff stand Leon Löwe lange an der Seitenlinie, die Hände in den Taschen. "Wir haben’s in der zweiten Halbzeit hergeschenkt", sagte er leise. "Vielleicht dachten einige, das 1:0 reicht. Im Fußball reicht selten irgendwas."

Kazyrow dagegen tanzte fast auf dem Rasen - im übertragenen Sinn, aber auch ein bisschen wirklich. "Das war Drachenfeuer pur!", jubelte er in die Kameras. "Meine Jungs haben Herz, Mut und ein bisschen Wahnsinn gezeigt."

Ein Zuschauer fasste es auf der Tribüne trocken zusammen: "Schöne erste Halbzeit, aber leider gibt’s im Fußball immer zwei."

Und so endete ein Abend, der für Nottingham so verheißungsvoll begann, mit einem bitteren 2:3 - und für Wrexham mit einem kleinen Stück Fußballpoesie.

Oder, um es mit Kazyrows Worten zu sagen: "Manchmal musst du erst brennen, um zu fliegen."

11.10.643996 12:28
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