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Fortuna Chemnitz feiert ein stürmisches 3:1 gegen Meerholz

Manchmal lügen Statistiken. Und manchmal tun sie es mit einem so breiten Grinsen, dass man ihnen fast applaudieren möchte. Fortuna Chemnitz gewann am Samstagabend vor 22.762 Zuschauern mit 3:1 gegen den VFR Meerholz - und das, obwohl die Gäste rund 60 Prozent Ballbesitz hatten. Aber was zählen schon Prozente, wenn die Tore auf der falschen Seite fallen?

Schon in der 17. Minute donnerte François Baker den Ball nach einem schnellen Umschaltmoment unter die Latte. "Ich hab einfach draufgehalten", grinste der bullige Mittelstürmer später, "der Keeper hat wohl gedacht, ich will flanken." Der Keeper - Vlassis Tsiklitiras - dachte in dem Moment vermutlich gar nichts mehr, denn der Ball war da schon im Netz verschwunden.

Meerholz, das Team von Trainer Bodo Graf, hatte bis dahin eigentlich alles im Griff. Sie passten, sie kombinierten, sie dribbelten - nur das Tor, das wollte einfach nicht fallen. Zwischen der 1. und 30. Minute verzeichneten sie zwar mehr Aktionen am und im Strafraum, aber Fortuna-Torwart Corey Ross musste kaum ernsthaft eingreifen. "Die haben schön gespielt, aber Fußball ist kein Schönheitswettbewerb", meinte Chemnitz-Coach Maik Oberländer trocken.

Noch vor der Pause legte Chemnitz nach - und zwar mit einem dieser Tore, die man in Taktikschulungen als "nicht unbedingt geplant" kategorisieren würde. Innenverteidiger Marik Thiaw schob nach einer Ecke den Ball aus dem Getümmel heraus zum 2:0 über die Linie (43.). Assistiert wurde er von Mittelfeldmotor Laszlo Sebes, der den Ball irgendwie in seine Richtung bugsierte. "Ich wollte eigentlich nur verhindern, dass er ins Aus geht", gestand Sebes später. "Aber Marik stand halt im Weg - und das war gut so."

Nach dem Seitenwechsel drehte Meerholz dann auf. Diego Barbosa, der quirlig-schnelle Linksaußen, war plötzlich überall. Einmal, in der 53. Minute, zog er aus 20 Metern ab - knapp drüber. Ein zweites Mal, in der 54., hielt Ross spektakulär. Beim dritten Versuch, in der 60. Minute, war es dann soweit: Barbosa verwertete eine punktgenaue Flanke von Sefer Güven zum 2:1-Anschluss. Endlich lohnte sich der Aufwand. "Wir haben uns in der Kabine gesagt: Wenn wir schon 60 Prozent Ballbesitz haben, könnten wir ja auch mal was draus machen", scherzte Barbosa nach dem Spiel.

Doch statt einer Aufholjagd folgte die kalte Dusche. Nur elf Minuten später, in der 71. Minute, stellte Fortuna wieder auf 3:1. Und ausgerechnet Dirck De Groot, der bis dahin mit Gelb verwarnt war und eher durch rustikale Grätschen aufgefallen war, traf nach Vorarbeit von Vincent Galindo aus spitzem Winkel. "Ich hab einfach gehofft, dass keiner pfeift", sagte der aufbrausende Linksverteidiger später. Zwei Minuten danach sah er Gelb-Rot - Timing ist eben alles im Fußball.

Fortuna also mit einem Mann weniger, Meerholz mit Wut im Bauch - aber ohne Präzision. Barbosa versuchte es noch einmal (80.), Carey prüfte den Keeper (79.), doch Chemnitz verteidigte mit allem, was Beine hatte. "Das war ein bisschen Rugby zum Schluss", grinste Trainer Oberländer, "aber manchmal musst du halt dreckig gewinnen."

Die Zahlen am Ende: 11 Torschüsse für Chemnitz, 7 für Meerholz, dazu ein Ballbesitzverhältnis von fast 40 zu 60. Aber das Ergebnis blieb eindeutig - 3:1, und damit klettert Fortuna in der Tabelle weiter nach oben. "Wir haben heute gezeigt, dass Effizienz sexy sein kann", sagte Oberländer, während im Hintergrund die Chemnitzer Fans "Fortuna olé" skandierten.

Bodo Graf dagegen stand etwas ratlos am Spielfeldrand. "Wir haben das Spiel kontrolliert, aber nicht das Ergebnis", sagte er mit jener Mischung aus Ironie und Verzweiflung, die nur Trainer kennen, deren Team den Ball liebt, aber die Tore scheut. "Vielleicht üben wir nächste Woche mal, wie man ein Tor schießt, ohne vorher 20 Pässe zu spielen."

Und so endete der Abend in Chemnitz mit Jubel, Pyro und einem Hauch von Trotz. De Groot durfte trotz Platzverweis in der Kabine feiern, Baker posierte mit Fans für Selfies, und irgendwo im Hintergrund soll Torwart Ross gesungen haben - vermutlich etwas, das mit "Spitzenreiter" endete.

Ein Spiel, das zeigte: Wer den Ball hat, hat noch lange nicht das Sagen. Und manchmal reicht ein bisschen Fortuna - im doppelten Sinne.

10.02.644003 10:28
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