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25923 Zuschauer im ausverkauften Stadion erlebten am Sonntagabend ein Spiel, das eher an eine Achterbahnfahrt mit offenen Sicherheitsbügeln erinnerte als an einen geordneten Zweitligafußball-Abend. Fortuna Chemnitz rang Jena in einem wilden 4:3 nieder - und das mit einem Last-Minute-Tor, das selbst abgeklärte Fans auf die Sitze springen ließ. Schon in den ersten Minuten war klar: Das wird kein gemächlicher Sommerkick. Jena begann stürmisch, als hätten sie vergessen, dass man für ein Tor auch zielen muss. Walter Jung prüfte Chemnitz’ Keeper Corey Ross bereits in der ersten Minute, und auch Swen Thomas und Olav Heine legten nach - drei Schüsse in zehn Minuten, null Ertrag. "Wir wollten sie früh schocken", erklärte Jenas Trainer Martin Wegner später, "aber offenbar war unser Defibrillator nicht geladen." Dann schlug Chemnitz zu - eiskalt und effizient. In der 16. Minute leitete der junge Ivar Sundström genial weiter auf Isaac Simard, der den Ball trocken ins lange Eck setzte. 1:0. Jubel, Trompeten, Bierduschen. Doch der Spaß hielt genau drei Minuten: Arnau Ronaldo, der Name klingt nach Weltklasse und an diesem Abend spielte er auch so, traf nach feinem Pass von Walter Jung zum 1:1. Das Spiel blieb offen, temporeich, mit offenem Visier - und gelegentlicher Orientierungslosigkeit in beiden Abwehrreihen. Kurz vor der Pause (38.) dann die erneute Führung der Fortuna: Carlos de Gogorza, bis dahin eher unauffällig, zog von links nach innen und nagelte den Ball unter die Latte. Vorlagegeber Max Kelly grinste nach dem Abpfiff: "Ich wollte eigentlich flanken, aber Carlos hat mir später gesagt, er hätte es gerochen. Na gut, dann war’s halt Absicht." Mit 2:1 ging es in die Kabinen, wo Chemnitz-Trainer Maik Oberländer laut eigener Aussage "die Jungs daran erinnerte, dass Fußball kein Spurt, sondern eine 90-minütige Geduldsprobe ist - mit Verlängerung für Masochisten". Nach der Pause drehte Jena wieder auf. Sie hatten mehr vom Ball (am Ende 52,5 Prozent Ballbesitz) und suchten immer wieder Ronaldo, den rechten Wirbelwind. Doch die Fortuna stand kompakt - zumindest bis Karl Rose in der 67. Minute ausgerechnet als Rechtsverteidiger den Weg nach vorne suchte und mit einem satten Schuss das 2:2 erzielte. Der Pass kam, natürlich, von Walter Jung, der an diesem Abend das Mittelfeldregieheft führte wie ein erfahrener Dirigent. Chemnitz antwortete auf seine Art: mit Wut, Wille und einer Prise Wahnsinn. Zehn Minuten später, in der 77., köpfte Isaac Simard nach einer Ecke den Ball ins Netz - 3:2. "Ich wusste gar nicht, dass ich so hoch springen kann", lachte der Doppeltorschütze später, "aber vielleicht lag’s am neuen Shampoo." Doch Jena war noch nicht fertig. In der 90. Minute, als viele schon an den Ausgang dachten, schlug wieder Arnau Ronaldo zu. Nach einem langen Pass des 18-jährigen Jannick Singer stand er frei und traf eiskalt - 3:3. Im Gästeblock explodierte die Freude, Trainer Wegner ballte die Faust - und drehte sie fünf Minuten später frustriert wieder auf. Denn in der 95. Minute kam Chemnitz’ Linksverteidiger Dirck De Groot aus dem Nichts und traf nach Vorarbeit von Max Kelly zum 4:3. Ein Tor, das in seiner absurden Schönheit nur von seiner Unwahrscheinlichkeit übertroffen wurde. "Ich wollte eigentlich flanken", gab De Groot grinsend zu, "aber der Ball hat sich selbst entschieden." Das Stadion bebte, Oberländer sprang seinem Co-Trainer um den Hals, und Jenas Verteidiger standen da wie vom Blitz getroffen. "So ein Spiel verlierst du nicht, du wirst es entrissen", murmelte Kapitän Walter Jung später mit leerem Blick. Die Statistiken erzählen die Geschichte eines Spiels auf Augenhöhe: 13 Torschüsse für Chemnitz, 9 für Jena; Ballbesitz leicht zugunsten der Gäste, aber Zweikampfquote (51,7 zu 48,2 Prozent) für die Fortuna. Und vielleicht war es genau dieser kleine Unterschied im Willen, der am Ende entschied. Trainer Oberländer fasste es treffend zusammen: "Wir haben heute nicht schön gespielt, aber schön verrückt. Und das zählt hier manchmal mehr." Jena reist mit leeren Händen, aber erhobenem Haupt ab - und wird sich fragen, wie man drei Tore schießt und trotzdem verliert. Chemnitz dagegen feiert den dritten Spieltag wie ein kleines Finale. Und während die Flutlichter langsam erloschen, sagte ein älterer Fan auf der Tribüne mit einem Seufzer: "So Spiele machen alt - aber schön ist’s trotzdem." Ein Satz, den vermutlich ganz Chemnitz an diesem Abend unterschreiben würde. 14.12.644002 19:45 |
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Giovanni Trappatoni