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Ein lauer Sommerabend, 20.145 Zuschauer im prall gefüllten Stollberger Stadion, Flutlicht, ein bisschen Grillgeruch in der Luft - und am Ende wieder dieses alte Fußballgesetz: Wer seine Chancen nicht nutzt, verliert. Der FC Stollberg unterlag am 4. Spieltag der 2. Liga Deutschland Fortuna Chemnitz mit 1:2 (0:1), obwohl er fast doppelt so viele Torschüsse abgab. Schon in den ersten Minuten deutete sich an, wohin die Reise gehen würde: Jürgen Meissner prüfte Chemnitz-Keeper Corey Ross nach gerade einmal 120 Sekunden - der Schlussmann lenkte den Ball mit den Fingerspitzen über die Latte. "Ich dachte, der Ball sei schon drin", murmelte der junge Stürmer später, "aber Ross hat wohl Spiderman-Gene." Stollberg spielte mutig, Coach Wei To hatte seine Elf offensiv eingestellt. 50,8 Prozent Ballbesitz, 16 Schüsse aufs Tor - auf dem Papier war das ordentlich. Nur ins Netz wollte der Ball eben nicht. Ruslan Gerassimow versuchte es in der 8., 17. und 38. Minute aus allen Lagen, doch Chemnitz verteidigte kompakt, manchmal auch rustikal. Fortuna-Trainer Maik Oberländer grinste nach dem Spiel: "Wir haben heute nicht schön gespielt, aber schön gewonnen. Das ist mir lieber." In der 43. Minute schlug Chemnitz eiskalt zu. Nach einem schnellen Flügellauf von Ermin Kolarov legte dieser quer auf Francois Baker, der den Ball mit der Innenseite flach ins Eck schob - 0:1, der erste Treffer für die Gäste und der erste kleine Stich ins Stollberger Herz. "Wir waren zu weit aufgerückt", analysierte Verteidiger Nelson Mino später, "und Baker hat uns eiskalt erwischt." Nach der Pause brachte Wei To mit Iban Quixano frischen Wind ins Spiel. Der junge Spanier brauchte nur neun Minuten, um sich auf der Anzeigetafel zu verewigen: In der 55. Minute setzte sich Rechtsverteidiger Mike Schenk auf seiner Seite durch, flankte präzise, Quixano nahm den Ball direkt - 1:1. Das Stadion bebte. "Das war der Moment, in dem ich dachte: Jetzt kippt das Ding", sagte ein euphorischer Fan auf der Tribüne, noch bevor sein Bier über den Vordermann schwappte. Doch Fortuna Chemnitz zeigte, warum sie in dieser Saison als unangenehmer Gegner gelten. Während Stollberg weiter anlief, warteten die Gäste auf den einen Moment - und der kam in der 77. Minute. Salvador Jorge, gerade erst wegen einer Gelben Karte angezählt, startete über rechts, flankte flach in den Strafraum, und Joker Vincent Galindo drückte den Ball aus kurzer Distanz zum 1:2 über die Linie. "Ich hatte eigentlich schon abgeschaltet, weil ich dachte, er flankt wieder ins Nichts", lachte Galindo später, "aber diesmal hat’s gepasst." Danach wurde es hitzig. Stollbergs Emil Musiala sah in der 86. Minute glatt Rot nach einem übermotivierten Einsteigen - "vielleicht ein bisschen zu viel Adrenalin", meinte Trainer Wei To trocken. Chemnitz’ Bruno McLeod flog in der Nachspielzeit mit Gelb-Rot ebenfalls noch vom Platz, was Oberländer nur mit einem Schulterzucken kommentierte: "Er wollte wohl früher duschen." Statistisch gesehen war Stollberg das aktivere Team - mehr Schüsse (16:7), mehr gewonnene Zweikämpfe (53,9 zu 46,1 Prozent), fast identischer Ballbesitz. Doch Fortuna hatte das, was Stollberg fehlte: kalte Effizienz. "Wenn du dreimal aufs Tor schießt und zweimal triffst, ist das kein Zufall", sagte Oberländer, der nach dem Abpfiff noch lange mit seinem Co-Trainer grinste. Die Stimmung im Stollberger Lager dagegen war gedrückt. Kapitän Mathias Moritz schüttelte nur den Kopf: "So ein Spiel verlierst du eigentlich nie - außer heute." Wei To versuchte derweil, den Blick nach vorn zu richten: "Wir haben gut gespielt, leidenschaftlich, aber manchmal gewinnt eben der, der weniger will, aber besser trifft." Als die Flutlichter langsam erloschen und die letzten Fans noch über Schiedsrichterentscheidungen diskutierten, blieb die Erkenntnis eines Abends, der alles hatte - Chancenwucher, Emotion, Kartenfestival - nur kein Happy End für die Gastgeber. Fortuna Chemnitz dagegen reist mit breiter Brust zurück in den Osten und darf weiter vom Aufstieg träumen. Und der FC Stollberg? Der wird wohl noch ein paar Tage an diesem Spiel knabbern - oder, wie ein Fan beim Hinausgehen sagte: "Wenn wir das nächste Mal so spielen, aber das Tor treffen, dann klappern hier die Bierbecher." Ein frommer Wunsch, aber im Fußball weiß man ja nie. 14.12.644002 19:47 |
Sprücheklopfer
Als ich zum FC Bayern kam, war ich ein Schnäppchen, heute bin ich rund 50 bis 60 Millionen Mark wert.
Stefan Effenberg