Fréttablaðið
+++ Sportzeitung für Island +++

Fram Magni schießt sich warm - Fjölnir Reykjavik friert ein

Wenn man 90 Minuten lang auf das gegnerische Tor blickt, aber nicht einmal draufschießt, darf man wohl von einem kalten Abend sprechen - auch wenn es Juni ist. Fjölnir Reykjavik verlor am Montagabend vor 12.500 Zuschauern mit 0:2 gegen Fram Magni, und das Ergebnis ist so deutlich, wie es klingt.

Der Blick auf die Statistik liest sich wie eine Einbahnstraße: 0 Torschüsse für Fjölnir, 21 für Fram. 61 Prozent Ballbesitz bei den Gästen, die sich phasenweise den Ball so locker zuspielten, als sei das Match ein Trainingsspiel. "Wir haben versucht, kompakt zu stehen", erklärte Fjölnir-Trainer Michael Wright nach der Partie mit einem gequälten Lächeln. "Leider standen wir so kompakt, dass wir den Weg nach vorne vergessen haben."

Dabei fing alles gar nicht so schlecht an. Die ersten 45 Minuten waren ein zähes Ringen im Mittelfeld, beide Teams taktisch ausgeglichen - "balanced", wie es im modernen Fußballsprech heißt. Fram Magni kombinierte gefällig, doch Torwart Sander Verbeke hielt, was zu halten war, und das war einiges. Allein Carlos Sa Pint prüfte ihn viermal in der ersten halben Stunde, jedes Mal mit der Eleganz eines Stürmers, der weiß, dass er heute noch treffen wird - nur dass er es am Ende nicht tat.

"Ich dachte schon, der Ball hat was gegen mich persönlich", grinste Sa Pint später, "aber Yves hat’s dann für uns gerichtet."

Gemeint war Yves Jean-Pierre, der in der 71. Minute den Bann brach. Nach einem feinen Zuspiel eben jenes Sa Pint zog der zentrale Mittelfeldmann aus 18 Metern ab - trocken, technisch sauber, unhaltbar. Ein Schuss wie ein isländischer Wasserfall: unaufhaltsam und eiskalt. 0:1, und das Stadion verstummte.

Fjölnir reagierte mit gleich zwei Wechseln. Marco Santos und Lewis Lamont kamen, um "für Stabilität zu sorgen", wie Coach Wright erklärte. Stabilität kam tatsächlich - allerdings nur im Sinne, dass nun gar nichts mehr passierte. Wer hoffte, der Gastgeber würde nun offensiv aufdrehen, wartete vergeblich. Selbst nach dem dritten Wechsel, als Fabian Wirtz den jungen Tomasz Freitag ersetzte, blieb das Spiel der Isländer so zahm wie ein Schneehase im Gegenwind.

Fram Magni dagegen spielte weiter, als wollten sie das zweite Tor unbedingt erzwingen - und sie bekamen es. In der Nachspielzeit (91.) war es John Callahan, der nach einem Doppelpass mit Jason Schöne den Ball unter die Latte knallte. 0:2 - das Endergebnis war besiegelt und vollkommen verdient.

"Wir wollten zeigen, dass wir Fußball spielen können, nicht nur rennen", sagte Callahan anschließend, während er sich lachend den Schweiß von der Stirn wischte. "Und ganz ehrlich: Wenn du 21-mal aufs Tor schießt, darfst du dich nicht mit einem 1:0 zufriedengeben."

Auch Gästecoach - dessen Name in den Aufzeichnungen kurioserweise fehlt - zeigte sich zufrieden, aber nicht euphorisch: "Wir haben viel versucht, manchmal zu viel. Aber am Ende zählen die Punkte. Und zwei Tore sind zwei Tore - auch wenn es fünf hätten sein können."

Die Zuschauer sahen es gelassen. Einige sangen nach dem Schlusspfiff ironisch "Schießt doch mal!", andere applaudierten höflich. Ein älterer Fan auf der Haupttribüne fasste es treffend zusammen: "Das war wie Wetter in Reykjavik - erst grau, dann windig, am Ende nasskalt."

Fjölnir bleibt nach diesem Auftritt rätselhaft. Die Abwehr stand lange solide, doch das Mittelfeld war ein Niemandsland, und vorne herrschte Funkstille. Kein einziger Abschluss - eine Seltenheit im Profifußball. "Wir müssen mutiger werden", sagte Wright. "Manchmal ist es besser, einmal falsch nach vorn zu spielen als hundertmal richtig quer."

Fram Magni hingegen klettert mit diesem Sieg in der Tabelle nach oben und darf sich über eine souveräne Leistung freuen. Besonders Jean-Pierre und Callahan ragten heraus - der eine als eiskalter Vollstrecker, der andere als lässiger Dosenöffner in der Nachspielzeit.

Am Ende bleibt die Erkenntnis: Fußball ist kein Wunschkonzert. Man kann Bälle verschieben, Pässe zählen, Laufwege berechnen - aber Tore muss man schießen. Fram Magni tat das, Fjölnir nicht. So einfach ist das manchmal.

Oder, wie es Yves Jean-Pierre beim Verlassen des Spielfelds formulierte: "Manchmal ist der Ball eben rund - und manchmal nur für uns."

Ein Satz, der vermutlich noch lange in Reykjavik nachhallen wird.

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