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Franja Danubio dreht die Partie: Vom Zittern zum Jubelsturm

Was für ein Abend im Estadio Jardines del Danubio! 50.162 Zuschauer erlebten beim 13. Spieltag der 1. Liga Uruguay ein Fußballdrama, das in seiner Dramaturgie eher an eine Oper als an ein gewöhnliches Ligaspiel erinnerte - mit falschen Tönen in Halbzeit eins und donnerndem Applaus zum Finale. Am Ende triumphierte Franja Danubio mit 3:1 (0:1) über CD Cerrense - ein Ergebnis, das auf dem Papier klar aussieht, auf dem Rasen aber hart erarbeitet war.

Dabei begann alles so gar nicht nach dem Geschmack der Heimmannschaft. Schon in der 16. Minute nutzte Cerrenses Jungspund Joao Mendes, gerade einmal 18 Jahre alt, eine Lücke in der Danubio-Abwehr, als wäre er ein erfahrener Einbrecher. Nach feiner Vorarbeit von Ruben Benitez drosch der Teenager den Ball ins Netz. 0:1 - und plötzlich war das Stadion so still, dass man das Klappern der Tribünenfahnen hören konnte. "Wir waren irgendwie noch im Aufwärmprogramm", grinste Danubio-Trainer Diego Cristilli später mit Galgenhumor.

Danubio stürmte danach zwar ununterbrochen, aber ohne Fortune. Ganze 20 Schüsse aufs Tor sollten es am Ende sein - und zur Pause stand trotzdem die Null. Pablo Nene schoss, als gäbe es ein Torprämien-Sonderangebot, doch entweder war Cerrenses Keeper Thierry Benveniste zur Stelle oder der Ball flog Richtung Montevideo-Flughafen. "Ich dachte, der Ball sei schon draußen, da hat Pablo noch einmal abgezogen", witzelte Mitspieler Humberto Assis in der Kabine.

Nach dem Seitenwechsel dann die Wende - und was für eine. In der 57. Minute traf Reece Chamberlain nach uneigennützigem Zuspiel von Jermolai Schewzow zum Ausgleich. Das Stadion atmete hörbar auf. Eine Minute später drehte Schewzow höchstpersönlich das Spiel. Der 33-jährige Routinier schob den Ball mit der Ruhe eines Mannes, der schon viel gesehen hat, ins lange Eck. 2:1 - und plötzlich klang das Stadion wieder wie ein startender Düsenjet.

"Ich hab zu Reece gesagt: Jetzt oder nie!", verriet Schewzow nach Abpfiff. "Er hat’s wörtlich genommen - und danach durfte ich auch mal." Trainer Cristilli indes schrie seine Freude so laut heraus, dass man sie wohl bis ans andere Ufer des Río de la Plata hören konnte.

Cerrense wirkte nach dem Doppelschlag wie ein Boxer, der den Gong überhört hat. Die Gäste, gecoacht vom stets stoischen Leahcim Gnipeur, kamen kaum noch aus der eigenen Hälfte. Nur drei Schüsse aufs Tor im gesamten Spiel - das sagt alles. Gnipeur blieb trotzdem gelassen: "Wir wollten kompakt stehen. Das ist uns gelungen - bis zur 57. Minute."

In der Schlussphase brachte Cristilli den 17-jährigen Ricardo Contreras, ein Talent mit dem Selbstbewusstsein eines gestandenen Profis. Und der Youngster bedankte sich prompt: In der 90. Minute legte er mustergültig auf für Pablo Nene, der diesmal Zielwasser gefunden hatte. 3:1 - der Schlusspunkt eines Spiels, das sich vom Albtraum zur Gala wandelte.

Danubio hatte damit nicht nur das Ergebnis, sondern auch das Publikum zurückgewonnen. Die Ballbesitzstatistik von 53,5 Prozent und die Zweikampfquote von knapp 58 Prozent unterstreichen: Das war kein Zufall, sondern ein Arbeitssieg mit Stil.

Nach dem Spiel scherzte Cristilli: "Ich hatte den Jungs in der Pause gesagt, sie sollen einfach mal das Tor treffen. Offenbar war das die richtige Ansprache." Sein Gegenüber Gnipeur konterte trocken: "Wir haben Danubio stark aussehen lassen. Das war sehr großzügig von uns."

Es waren diese kleinen Szenen, die das Spiel prägten - Chamberlains entschlossener Jubel nach dem 1:1, Schewzows erhobener Zeigefinger gen Himmel nach dem 2:1, und Nenes erleichtertes Lächeln beim 3:1, als wäre ihm ein Gebirge vom Fuß gefallen.

Und irgendwo auf der Tribüne sah man einen alten Fan, der nach dem dritten Tor seine Mütze in die Luft warf und rief: "Endlich wieder Danubio!" - ein Satz, der den Abend besser zusammenfasst als jede Statistik.

Am Ende blieb ein Spiel, das alles bot: junge Helden, alte Haudegen, ein nervenstarker Trainer und ein Gegner, der für 45 Minuten an die Sensation glaubte. Doch Fußball, das wissen wir alle, dauert eben 90 Minuten - und manchmal auch eine Halbzeit länger im Kopf.

Wer Danubio so spielen sieht, ahnt, dass dieser Sieg mehr war als drei Punkte. Es war ein Statement - laut, leidenschaftlich und mit einem Augenzwinkern. Oder wie Jermolai Schewzow es formulierte, während er sich den Schweiß von der Stirn wischte: "Man muss erst hinten liegen, um zu merken, wie schön vorne ist."

30.03.643994 13:43
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Ich war das erste Mal Kapitän, da muss man einfach ein Tor machen.
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