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Ein lauer Aprilabend, die Flutlichter brennen, 37.943 Zuschauer im Estadio Cerrense - und am Ende steht ein Ergebnis, das sich für die Gastgeber wie eine Ohrfeige anfühlt: 0:4. Franja Danubio, an diesem 30. Spieltag der 1. Liga Uruguay ganz in Weiß und ganz in Spiellaune, ließ CD Cerrense keine Chance. Schon in den ersten Minuten deutete sich an, wohin die Reise gehen würde. Charles Armstrong prüfte in der 2. Minute mit einem kernigen Schuss erstmals Torhüter Thierry Benveniste, und die Cerrense-Abwehr wirkte, als hätte sie das Memo über den Spielbeginn verpasst. "Wir wollten ruhig anfangen", erklärte Trainer Leahcim Gnipeur später. "Vielleicht waren wir am Ende zu ruhig." Danubio spielte, als wäre das Spiel ein Trainingskick - nur dass sie jeden Angriff mit chirurgischer Präzision ausführten. Armstrong, Moreno, Conceicao - sie alle durften sich früh am Strafraum austoben. In der 31. Minute fiel dann zwangsläufig das 0:1: Armstrong, der bullige Mittelstürmer, verwandelte nach feiner Vorarbeit von Rechtsverteidiger Gudbrand Mogensen. Ein Abschluss, so trocken wie die Luft im Stadion. Cerrense hatte zwischenzeitlich Chancen, die auf dem Papier wie Hoffnung aussahen: Schäfer in der 20. Minute, Pacos kurz vor der Pause - doch die Bälle flogen entweder Richtung Tribüne oder direkt in die Arme von Martin Pinto, dem Danubio-Keeper, der sich wohl über jede Ballberührung freute. Mit 0:1 ging es in die Kabine, und wer gehofft hatte, Gnipeur würde dort den Motivationshammer schwingen, sah sich getäuscht. Cerrense kam zwar mit mehr Einsatz zurück, aber weniger Ordnung. Kaum hatte man angefangen zu pressen, lief man in die Konterfalle. "Unser Plan war, den Gegner zu locken", sagte Franja-Coach Diego Cristilli nach dem Spiel mit einem Grinsen. "Sie sind gekommen. Und wir haben abgeschlossen." Das zweite Tor fiel in der 72. Minute, als Matias Conceicao nach einem Abpraller aus kurzer Distanz verwandelte. Ein Tor aus der Kategorie "Pflichtaufgabe für Stürmer". Danach brachen bei Cerrense alle Dämme. Die Gelbe Karte für den jungen Linksverteidiger Pol Longas (55.) war noch das harmloseste Zeichen der Überforderung. In der 85. Minute musste Ruben Benitez nach einer Verletzung raus - kurz nach seiner Einwechslung, was sinnbildlich für den Abend stand. Dann kam die Nachspielzeit, und Franja Danubio hatte offenbar noch Lust auf Unterhaltung. Erst traf der flinke Cristobal Garcez in der 91. Minute nach einem Eckball von Tiago Vaz zum 0:3, dann legte erneut Conceicao in der 95. Minute nach. 0:4. Ein Endstand, der fast zu niedrig wirkte, wenn man auf die Statistik blickt: 12 Torschüsse für Danubio, nur 4 für Cerrense. Ballbesitz? Fast ausgeglichen - 52 zu 48 Prozent. Aber was nützt das, wenn man vorne nicht trifft und hinten schläft? "Wir haben ihnen das Feld überlassen, aber nicht den Ball", sagte Cristilli mit einem Anflug von Stolz. "Unsere Jungs haben das umgesetzt, was wir trainiert haben: Ruhe bewahren und im richtigen Moment zustechen." Armstrong nickte daneben und fügte hinzu: "Wir hätten sogar noch zwei mehr machen können, aber wir wollten fair bleiben." Ironie oder Arroganz? Schwer zu sagen, aber nach diesem Auftritt darf man sich beides leisten. Die Fans von Cerrense hingegen verließen das Stadion mit einer Mischung aus Fassungslosigkeit und Galgenhumor. "Immerhin haben wir keinen Eigentor-Rekord aufgestellt", witzelte ein älterer Anhänger auf der Tribüne, während er seine Fahne zusammenrollte. Trainer Gnipeur versuchte, das Positive zu sehen: "Wir haben eine junge Mannschaft, die noch lernen muss. Heute war eine Lektion." Lektion ist ein gutes Stichwort. Denn Franja Danubio demonstrierte eindrucksvoll, wie man ein Auswärtsspiel kontrolliert, ohne sich übermäßig zu verausgaben. Ihre Taktik blieb durchgehend offensiv, aber diszipliniert - kein wildes Pressing, keine übertriebene Härte, einfach kluges Positionsspiel. Und Cerrense? Die starteten mit einem "ausgewogenen" Ansatz, verließen sich aber zu sehr auf Einzelaktionen. Als sie in der zweiten Halbzeit aggressiver wurden, war es längst zu spät. "Wir haben die Balance verloren", gab Kapitän Knud Brinkmann zu. "Erst emotional, dann taktisch - und dann das Spiel." Am Ende blieb nur die Erkenntnis, dass Fußball manchmal gnadenlos ehrlich ist. Vier Tore Unterschied erzählen keine Geschichte von Pech, sondern von Klassenunterschied. Oder, wie es ein Fan beim Rausgehen sagte: "Heute wurde nicht Fußball gespielt - heute wurde Unterricht erteilt." Und Franja Danubio war der Lehrer, der keine Hausaufgaben vergibt, weil die Arbeit schon geschrieben ist. 31.12.643996 08:28 |
Sprücheklopfer
In diesem Drecksspiel hätte ich zehn Akteure auswechseln können.
Felix Magath