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Es war einer dieser Abende, an denen man sich fragt, ob der Fußballgott vielleicht im Stau steckt. 87 Minuten lang mühte sich Gela redlich, schoss, flankte, kombinierte - und verzweifelte. Virtus Entella dagegen verteidigte mit einer Inbrunst, als ginge es nicht um den Einzug in die nächste Pokalrunde, sondern um den letzten Parkplatz in der Innenstadt. Doch dann kam Minute 88, und Marco Frechaut schrieb die Geschichte des Spiels mit einem einzigen Schuss um: 0:1, Gela weiter, Entella raus. Von Beginn an machte Gela klar, wer hier eigentlich den Ball haben sollte. 57 Prozent Ballbesitz, satte 19 Torschüsse - gegen null, man betone: null - auf Seiten der Hausherren. "Wir standen tief, sehr tief", erklärte Entellas Rechtsverteidiger Simone Martirano nach dem Spiel mit einem gequälten Lächeln. "So tief, dass ich kurz dachte, wir graben uns durch zum Mittelkreis." Seine Gelbe Karte in der 12. Minute war sinnbildlich für das Entella-Spiel: viel Einsatz, wenig Kontrolle. Gelas Trainer Michael Müller hatte seine Elf zunächst noch vorsichtig eingestellt, ließ sie "balanciert" anlaufen, wie es in den Taktiktafeln heißt. Doch nach der Pause wurde umgebaut, offensiver, mutiger - und irgendwann auch ungeduldiger. Javier Vazques prüfte den Keeper bereits in der ersten Minute, dann folgten Tregubow, Fabbri, Semedo, wieder Tregubow. Der Ball flog, der Torwart von Entella, Patrick Bostwick, flog noch öfter. "Ich hab irgendwann aufgehört zu zählen", meinte Bostwick nach dem Spiel und grinste schief. "Wenn man 19 Schüsse hält, darf man sich eigentlich auf die Schulter klopfen. Leider war der 20. dann drin." Der 20. war es in der Tat, der alles entschied. Vazques, der unermüdliche Linksaußen, legte in Minute 88 noch einmal quer auf Frechaut, der nicht fackelte. Flach, präzise, unhaltbar. 16.000 Zuschauer im Stadion verstummten, nur eine kleine Gruppe von Gela-Fans jubelte - und das dafür umso lauter. "Ich hab’ einfach draufgehalten", sagte Frechaut später bescheiden. "Nach so vielen Chancen musste ja irgendwann mal was reingehen. Sonst hätten wir wahrscheinlich bis Mitternacht gespielt." Virtus Entella, das bis dahin eher mit gelben Karten als mit Torchancen aufgefallen war, konnte auch in der Schlussphase nichts mehr entgegensetzen. Trainer Müller lobte nach dem Spiel die Geduld seiner Mannschaft: "Wir wussten, dass Entella mauern wird. Aber wir haben die Ruhe bewahrt, auch wenn’s gedauert hat. Ich sag’s ehrlich: Ich hatte schon Angst, dass wir das Tor nie finden." Auf der anderen Seite wirkte Entellas Mannschaft nach dem Schlusspfiff wie eine Truppe, die gerade erfahren hat, dass der Bus ohne sie abgefahren ist. Kein einziger Schuss aufs Tor, 42 Prozent Ballbesitz, eine Zweikampfquote, die man höflich als "ausbaufähig" bezeichnen könnte. Trainerstimmen blieben spärlich - vielleicht auch, weil man lieber nicht über Statistiken sprach. "Wir hatten unseren Plan", murmelte ein Assistent, "leider hatte Gela einen besseren." In der Kabine von Gela dagegen herrschte ausgelassene Stimmung. "Es war kein schöner Sieg, aber ein verdienter", meinte Mittelfeldmotor Daniel Fabbri, der gleich viermal aufs Tor gezielt hatte. "Wir haben’s uns schwer gemacht, aber so ist Pokal. Hauptsache weiter." Und so endet dieser Pokalabend mit einer dieser typischen Fußballweisheiten: Wenn du 19 Mal schießt, triffst du irgendwann. Und wenn du gar nicht schießt, triffst du garantiert nicht. Gela darf weiter träumen - Virtus Entella darf sich fragen, ob man mit Mauern tatsächlich ein Spiel gewinnen kann. Der jüngste Entella-Spieler, Giovanni Cropalati, wurde nach dem Spiel gefragt, was man aus der Partie lerne. Er zuckte mit den Schultern: "Vielleicht, dass man auch mal nach vorne spielen darf?" Ein Satz, der wohl noch in einigen Mannschaftssitzungen zitiert werden wird. Vielleicht hätte der Fußballgott doch pünktlich kommen sollen - dann hätte er gesehen, wie Gela sich den Sieg erarbeitet hat. Aber vielleicht war es auch besser so. Denn manchmal belohnt der Fußball schlicht den, der nicht aufhört, an den eigenen Abschluss zu glauben. Und an diesem Abend hieß der Glaube: Marco Frechaut. 15.10.643999 14:20 |
Sprücheklopfer
Für mich gibt es nur 'entweder-oder'. Also entweder voll oder ganz!
Toni Polster