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Es war ein frischer Freitagabend in Schweinfurt, 20:30 Uhr, Flutlicht, 26.156 Zuschauer und diese typische Mischung aus Hoffnung, Nervosität und Bratwurstduft. FT Schweinfurt empfing den SV Meppen zum 28. Spieltag der 2. Liga - und am Ende stand ein 1:1, das beiden Teams irgendwie nicht so richtig schmeckte. Dabei hatte alles nach einem Heimfest ausgesehen. Kaum war der Schiedsrichterpfiff verklungen, da stürmte Schweinfurt los, als hätte Trainer Kevin Ferry die Aufstellung mit Espresso serviert. Schon in der 5. Minute köpfte sich die Partie in die Köpfe der Fans: Sideris Anagnostou, der flinke Grieche auf der linken Seite, traf nach Vorarbeit von Karl Lorenz zum 1:0. Ein Tor aus dem Lehrbuch - und, wenn man ehrlich ist, auch ein bisschen aus dem Chaos. "Ich wollte eigentlich flanken", grinste Anagnostou später, "aber der Ball hat sich wohl entschieden, selbst Karriere zu machen." Die Gäste aus Meppen wirkten in dieser Anfangsphase so überrascht, als hätte jemand den Bus falsch geparkt. Schweinfurt drückte, kombinierte, schoss - 13 Mal insgesamt, das meiste in Halbzeit eins. Herbert Neubauer und Iker Jordao prüften Meppens Keeper Jürgen Pfeiffer mehrfach, der mit Mitte 30 aber eher die Ruhe eines Yoga-Lehrers als die Nervosität eines Torwarts ausstrahlte. Trainer Daniel Borgmann vom SV Meppen stand an der Seitenlinie mit verschränkten Armen, nickte ab und zu und murmelte etwas, das wohl nur die Ersatzbank verstand. "Wir wussten, dass Schweinfurt mit langen Bällen kommt", sagte er später, "aber nicht, dass die so lang werden." In der 30. Minute dann der erste Bruch: Schweinfurts junger Mircea Nastase musste runter - Trainer Ferry brachte Karl Lorenz, der sich prompt als tatkräftiger Strippenzieher zeigte. Kurz darauf verpasste Iker Jordao das 2:0 um Zentimeter, während sich Meppen langsam, sehr langsam, in die Partie hineinarbeitete. Nach der Pause schien Schweinfurt den Ballbesitz (52 Prozent) in Sicherheit wiegen zu wollen, während Meppen die Ärmel hochkrempelte. In der 46. Minute schon prüfte Yanik Beier den eingewechselten Torhüter Günther Zimmer, der für Yanik Strauss zwischen die Pfosten gekommen war - eine eher unfreiwillige Premiere, die er aber solide meisterte. Und dann kam die 73. Minute, jene Szene, in der die Schweinfurter Fans kurz verstummten. Der gerade eingewechselte Johannes Stark - ein Name, der zu seinem Auftritt passte - traf nach Vorarbeit von Beier zum 1:1. Eiskalt, trocken, ohne Firlefanz. "Ich hab einfach den Fuß hingehalten", sagte Stark später, "der Rest war Physik." Danach wankte Schweinfurt. Meppen roch den Sieg, spielte plötzlich Pressing, als hätte jemand den Schalter auf "Wut" gestellt. Bei den Gästen war jetzt alles offensiv, alles Risiko. Beier, Hummel, sogar Linksverteidiger Bertram tauchten im Strafraum auf - aber die Kugel wollte nicht mehr ins Netz. Auf der anderen Seite versuchte Anagnostou in der 89. Minute nochmal, die Geschichte umzuschreiben. Sein Schuss rauschte nur knapp am Pfosten vorbei. Trainer Ferry schlug die Hände über dem Kopf zusammen. "Wenn du so früh führst, willst du das Ding nach Hause bringen", sagte er mit einem bitteren Lächeln. "Aber vielleicht war der Fußballgott heute im Meppener Trikot unterwegs." In den letzten Minuten wurde es hektisch, gelbe Karte für Björn Ernst, ein paar hitzige Wortgefechte an der Seitenlinie und ein verzweifelter Schuss von Arik Tartman in der 96. Minute, der zwar ordentlich aussah, aber direkt in Pfeiffers Arme flog. Am Ende blieb es beim gerechten 1:1. Schweinfurt etwas enttäuscht, Meppen ein bisschen erleichtert. Beide Trainer sprachen von "einem Punkt, mit dem man leben kann" - was im Fußball bekanntlich so viel heißt wie: "Wir hätten lieber drei." Statistisch gesehen war Schweinfurt leicht überlegen, mehr Schüsse, mehr Ballbesitz, bessere Zweikampfquote. Aber Meppen hatte den längeren Atem, die klareren Momente in Halbzeit zwei und das Tor des Willens. Vielleicht war es kein Spiel für die Ewigkeit, aber eines für die Kategorie "ehrliches Zweitligafußballleben". Ein bisschen Kampf, ein bisschen Chaos, ein bisschen Glück. Und als die Lichter ausgingen, sagte ein älterer Fan auf der Tribüne trocken: "Wenn’s nächste Woche wieder so losgeht, steh ich früher auf." So klingt die 2. Liga an einem Freitagabend in Schweinfurt - laut, leidenschaftlich, leicht absurd und, wie so oft, mit einem Ergebnis, das alle Fragen offenlässt. 09.12.643987 04:10 |
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