// Startseite
| Sportecho |
| +++ Sportzeitung für Deutschland +++ |
|
|
|
Es war ein lauer Frühlingsabend in Fuhlenbrock, 20. Spieltag der 1. Liga Deutschland, und 38.142 Zuschauer hatten kaum ihre Bratwurst aufgegessen, da klingelte es schon zum ersten Mal. In der achten Minute traf Marek Matusiak für die Gäste aus Bad Kleinen - eiskalt, links oben, nach feinem Zuspiel von Manuel Semeraro. "Ich dachte erst, ich sei im Abseits", grinste Matusiak später, "aber dann hab ich einfach draufgehalten. Und siehe da - Glück gehabt!" Trainer Cw WC, der Mann mit den kryptischsten Initialen der Liga, ballte die Faust: "So stelle ich mir Effizienz vor!", rief er Richtung Ersatzbank, während Heimcoach Mike Lowrey stoisch an seiner Wasserflasche nuckelte - ganz der kühle Kopf, auch wenn sein Team früh hinten lag. Doch der SV Fuhlenbrock wäre nicht der SV Fuhlenbrock, wenn er so schnell aufgeben würde. Das Heimteam, angetrieben von einem offensivfreudigen Mittelfeld, antwortete mit wütenden Angriffen. In Minute 24 war es dann soweit: Haim Eban, der Denker und Lenker im Zentrum, nahm ein Zuspiel von Innenverteidiger Potap Skworzow direkt - und setzte den Ball unhaltbar in die Maschen. Jubel auf den Rängen, und ein erleichtertes "Na also!" von Coach Lowrey, der sich plötzlich wieder in seiner typischen Action-Held-Pose wiederfand. Nur vier Minuten später komplettierte Carlos Caneira den Doppelschlag. Nach Flanke von Ramon Andrade köpfte der bullige Mittelstürmer zum 2:1. Das Stadion bebte. "Da war Feuer drin", sagte Andrade später. "Ich hab den Ball einfach reingewirbelt, und Carlos hat ihn gerochen - wie ein Stürmer eben." Mit diesem 2:1 ging’s in die Pause, und die Fuhlenbrocker Fans träumten schon vom nächsten Heimsieg. Doch Bad Kleinen hatte andere Pläne. Nach dem Seitenwechsel kam das Team deutlich frischer aus der Kabine, während Fuhlenbrock kurzzeitig wirkte, als hätte man die Halbzeit mit zu viel isotonischem Getränk verbracht. Die Gäste drückten, aber Fuhlenbrock überstand die Drangphase - und schlug in der 72. Minute zurück. Nuno Fernandes, gerade erst in der 61. Minute eingewechselt, nutzte erneut einen langen Ball von Skworzow und traf zum 3:1. Ein Treffer, der eigentlich die Entscheidung hätte sein können. Fernandes riss die Arme hoch, Lowrey sprang in die Luft, und die Fans sangen schon den Siegessong. Doch Bad Kleinen, diese Mannschaft mit der Hartnäckigkeit eines Kaugummis im Sommer, kam zurück. In der 86. Minute erzielte Marwin Paul nach Hereingabe von Marc Meister den Anschlusstreffer. "Wir wollten zeigen, dass wir mehr draufhaben als nur Nicken und Grätschen", meinte Paul nach dem Spiel mit einem Augenzwinkern. Und dann, in der Nachspielzeit, der Schock für Fuhlenbrock: Joschua Pfeifer, der Joker von der Bank, traf nach Vorlage von Marcel Krebs zum 3:3. Ein Moment, in dem 38.142 Kehlen gleichzeitig "Nein!" schrien - und Cw WC an der Seitenlinie aussah, als hätte er gerade die Champions League gewonnen. "Das war kein Punkt, das war eine kleine Erlösung", sagte der Gästetrainer später. Und Fuhlenbrocks Mike Lowrey? Der blieb gelassen: "Klar, das fühlt sich jetzt an wie eine Ohrfeige mit Ansage. Aber meine Jungs haben alles gegeben. Nur beim Verteidigen in der Nachspielzeit sind wir wohl kurz in den Feierabendmodus gegangen." Statistisch war’s ein ausgeglichenes Duell: 15 Schüsse auf beiden Seiten, 50 zu 50 Prozent Ballbesitz - man hätte das Spiel auch in eine Münze prägen können. Die gelbe Karte für Luca Schuster (58.) passte da ins Bild: ein Spiel, bei dem keiner zurückzog, aber auch keiner über die Stränge schlug. Die Zuschauer gingen mit gemischten Gefühlen nach Hause: Einerseits ein Spektakel, andererseits verschenkte Punkte. Ein Vater auf der Tribüne brachte es auf den Punkt: "Wenn Fuhlenbrock so weiter spielt, krieg ich irgendwann Herzprobleme - aber wenigstens unterhaltsam!" So endete der Abend mit einem 3:3, das keinem so richtig schmeckte und doch allen schmeckte. Sechs Tore, Tempo, Drama - Fußball, wie ihn selbst Drehbuchautoren nicht besser hätten schreiben können. Und wer weiß: Vielleicht ist das genau das Spiel, über das man in Fuhlenbrock noch in Jahren spricht - als das "3:3 der verpassten Gelegenheit". Oder, wie ein Fan beim Hinausgehen sagte: "War wieder typisch Fuhlenbrock - nie langweilig, aber selten beruhigend." 15.09.643996 22:10 |
Sprücheklopfer
Handkuss an die Frau Gemahlin!
Toni Polster zum Schiedsrichter nach einer Roten Karte