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Furtok trifft, Pruszkow triumphiert - Rush Chorzow verzweifelt an sich selbst

Es war einer dieser Abende, an denen man in Chorzow den Eindruck gewann, der Fußballgott habe sich auf der Tribüne gemütlich gemacht - allerdings mit einem SK-Pruszkow-Schal um den Hals. 43.500 Zuschauer sahen, wie Rush Chorzow 90 Minuten lang anrannte, schoss, drückte - und am Ende doch mit leeren Händen dastand. 0:1 hieß es nach 90 intensiven Minuten gegen die cleveren Gäste aus Pruszkow, die aus wenig sehr viel machten.

Das goldene Tor des Abends fiel bereits in der 31. Minute. Constantin Furtok, der linke Mittelfeldmann der Gäste, nahm einen halbhohen Ball von der rechten Seite mit der Brust an, ließ Gegenspieler Tomasz Blaszczykowski ins Leere laufen und schlenzte den Ball mit links in die lange Ecke. Ein Treffer wie aus dem Lehrbuch - und für Rush Chorzow der Beginn eines langen, frustrierenden Abends.

"Wir hatten das Spiel komplett im Griff - bis auf diesen einen Moment", knurrte Chorzows Trainer Herth Ussia nach dem Abpfiff. "Dann trifft er aus dem Nichts, und wir rennen an wie verrückt." Tatsächlich: Chorzow dominierte den Ballbesitz (53,7 Prozent) und feuerte ganze 20 Torschüsse ab - doppelt so viele wie die Gäste. Aber was nützt all das, wenn der Ball einfach nicht rein will?

Schon in den ersten zehn Minuten zeichnete sich ab, wohin die Reise gehen würde. Rafael Vidigal prüfte den Gästetorwart Pedro Sousa gleich zweimal aus der Distanz, Dawid Gorawski zirkelte einen Ball knapp am Winkel vorbei, und der junge Arkadiusz Wojcicki scheiterte freistehend aus fünf Metern - das Publikum stöhnte kollektiv auf. "Wenn du so viele Chancen liegen lässt, bekommst du irgendwann die Quittung", meinte Vidigal später mit einem bitteren Lächeln.

Die Quittung kam in Form von Furtoks Treffer. Danach zog sich Pruszkow tief zurück, verteidigte mit zwei eng gestaffelten Viererketten und lauerte auf Konter über Amadeus Kowalik und Christopher Preston. Letzterer hatte kurz nach dem Führungstreffer sogar das 0:2 auf dem Fuß, scheiterte aber an Chorzows Keeper Alberto Arias, der mit einem Reflex parierte, der an seine besten Tage in Valencia erinnerte.

Nach der Pause das gleiche Bild: Chorzow mit gefühlt 80 Prozent Ballbesitz in der gegnerischen Hälfte, aber ohne Durchschlagskraft. Leandro Couto dribbelte, Gorawski dirigierte, Wojcicki wirbelte - doch im Strafraum war Endstation. Trainer Ussia reagierte in der 63. Minute, brachte Osip Nikiforow für den verwarnten Ramon Assis, um die rechte Seite zu beleben. Später kam sogar Innenverteidiger Egil Persson raus, dafür durfte Stürmer Adrian Dreszer ran - ein klares Zeichen: Alles oder nichts.

Pruszkows Coach Stefan Petruck nahm das mit stoischer Ruhe hin. "Wir wussten, dass sie irgendwann alles nach vorne werfen", sagte er hinterher und grinste. "Dann mussten wir halt noch tiefer stehen. So tief, dass ich dachte, wir buddeln uns bald in den Strafraum ein." Seine Mannschaft tat genau das - und hielt stand. Selbst als in der Schlussphase jeder zweite Ball in den Strafraum flog, köpften Mascarenhas und der eingewechselte Malachow alles resolut heraus, was sich bewegte.

Die letzte Chance des Spiels hatte - wie sollte es anders sein - Wojcicki in der 83. Minute. Sein Schuss aus spitzem Winkel zischte haarscharf am Pfosten vorbei. Der Stürmer sank danach auf die Knie und schlug mit der Faust in den Rasen. "Ich hab den Ball perfekt getroffen", seufzte er später, "nur das Tor war leider woanders."

Vier Gelbe Karten, 30 Torschüsse und unzählige Kopfschüttler später stand das Endergebnis fest: 0:1. Chorzow hatte mehr vom Spiel, Pruszkow das Tor - und damit das, was zählt. "Fußball ist kein Schönheitswettbewerb", meinte Petruck trocken. "Wenn’s danach ginge, hätten wir heute verloren. Aber auf der Anzeigetafel steht eben nur das Ergebnis."

Herth Ussia dagegen suchte Trost in Galgenhumor: "Wir hätten bis morgen früh weiterspielen können, und Sousa hätte trotzdem alles gehalten. Vielleicht sollten wir ihm einfach ein Angebot machen."

Am Ende blieb den Zuschauern nur höflicher Applaus und die Erkenntnis: Manchmal ist Fußball eine ziemlich ungerechte Angelegenheit. Rush Chorzow spielte, kombinierte, rannte - und verlor. SK Pruszkow verteidigte, kämpfte, traf - und gewann. Oder, wie es ein älterer Fan beim Hinausgehen murmelte: "Die hatten einen Furtok, wir nur Pech."

Ein Satz, der das Spiel wohl besser zusammenfasst als jede Statistik.

29.09.643996 16:20
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Wenn ich natürlich bei meinen Sechs-Minuten-Einsätzen bis zur Winterpause 30 Tore schieße, werde ich vielleicht nicht gehen dürfen.
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