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Ein lauer Maiabend in Gatow, 20:15 Uhr, Flutlicht, Bratwurstduft und 2265 Zuschauer, die sich noch vor dem Anpfiff gegenseitig versicherten, dass "heute was geht". Am Ende ging vor allem Saarbrücken - und zwar mit drei Punkten im Gepäck. Der SC Gatow kassierte am 32. Spieltag der Landesliga 25 eine 0:2-Heimpleite, die sich schon früh abzeichnete. Elf Minuten waren gespielt, als Louis Fischer, 19 Jahre jung und offenbar mit Turbo-Beinen gesegnet, den Ball nach Vorarbeit von Rechtsverteidiger Karl Rau humorlos unter die Latte jagte. "Ich hab einfach draufgehalten - und gehofft, dass keiner im Weg steht", grinste Fischer später, während Trainer Homer Simpson (ja, der Name sorgt selbst im Amateurfußball für Stirnrunzeln) zufrieden nickte: "Wir wollten früh zeigen, wer hier das Kommando hat. Und Louis hat das ganz gut verstanden." Während Saarbrücken danach weiter kombinierte, als hätten sie das Ballbesitzrecht gepachtet (55 Prozent laut Statistik, gefühlt waren’s 80), mühte sich Gatow tapfer, aber wenig zwingend. Acht Torschüsse standen am Ende zu Buche - keiner davon wirklich brandgefährlich. In der 15. Minute zog Ami Benado ab, "aber der Ball wollte einfach nicht", wie er später seufzte. Trainerstimmen aus dem Gatower Lager klingen ähnlich resigniert: "Wir haben offensiv alles versucht, aber wenn du einmal in den Rückwärtsgang kommst, bleibst du da hängen", meinte ein sichtlich genervter Co-Trainer, während er die Trinkflaschen sortierte. Saarbrücken dagegen blieb bissig - manchmal zu sehr. Gleich drei Gelbe Karten hagelte es noch vor der Pause: Karl Rau (16.), Torsten Bach (37.) und Nevio Schöne (38.) durften sich Notizen fürs Fairplay-Heft machen. "Aggressivität gehört dazu", kommentierte Coach Simpson mit einem Augenzwinkern, "wir nennen das körperbetont." Die zweite Halbzeit begann, wie die erste geendet hatte: Saarbrücken presste hoch, Gatow reagierte spät. In der 63. Minute fiel die Entscheidung: Julius Beyer, der rechte Flügel mit der Präzision eines Uhrwerks, vollendete einen Angriff über links nach schöner Vorlage von Janis Schulze. 0:2, und die Köpfe der Gatower gingen runter wie Rollos im Sommer. Torwart Sebastian Braun verhinderte Schlimmeres. Gleich mehrfach stand er goldrichtig, als Fischer, Beyer und Thiel in Serie einschossen. "Wenn der Ball zehn Zentimeter weiter links kommt, ist er drin", murmelte Braun nach dem Spiel, was ungefähr die Quintessenz eines Torwarts ist, der an diesem Abend zu den Besten gehörte. Im Mittelfeld ackerte Knud Graf, rief, gestikulierte, rannte - nur um festzustellen, dass keiner so richtig mitmachte. Die Zuschauer auf der Tribüne schimpften, einer rief: "Macht doch mal was in der Mitte!", woraufhin jemand anderes trocken antwortete: "Da ist nix in der Mitte!" - eine Momentaufnahme, die das Spielgefühl exakt traf. In der 84. Minute dann noch Pech für Gatow: Rechtsverteidiger Akakios Andreou verletzte sich bei einem Zweikampf und musste vom Platz. Leon Michel kam rein, brachte frische Beine, aber das Spiel war längst entschieden. Saarbrücken spielte die Partie souverän runter, ließ Ball und Gegner laufen und hatte am Ende 19 Schüsse aufs Tor - das ist fast schon Bundesliga-Statistik. "Wir hätten noch ein drittes machen können", sagte Julius Beyer später, "aber dann hätten wir die Heimfahrt zu lange gefeiert." Trainer Simpson zeigte sich nach dem Abpfiff gewohnt gelassen: "Ich bin stolz auf die Jungs. Wir haben unser Ding gemacht, auch wenn wir manchmal mehr gelb als blau gesehen haben." Und während die Saarbrücker Fans ein improvisiertes Sieglied anstimmten, trotteten die Gatower Spieler Richtung Kabine - schweigend, aber mit einem Blick, der verriet: Sie wissen, dass sie besser können. Am Ende bleibt ein verdienter 0:2-Auswärtssieg für Saarbrücken, die mit jugendlichem Elan und taktischer Disziplin überzeugten. Gatow hingegen muss sich fragen, warum man zwar offensiv "ausgerichtet" war, aber defensiv ständig auf dem falschen Fuß stand. Vielleicht hat Homer Simpson recht, wenn er sagt: "Manchmal ist Fußball eben einfach - du musst nur den Ball öfter ins Tor schießen als der andere." Und so endete ein Abend, an dem Saarbrücken tanzte und Gatow stolperte. Aber wer die Gatower kennt, weiß: Beim nächsten Heimspiel wird wieder gehofft, gezweifelt - und vielleicht endlich getroffen. 14.06.644000 18:54 |
Sprücheklopfer
Ich glaube, daß der Tabellenerste jederzeit den Spitzenreiter schlagen kann.
Berti Vogts