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Es war einer dieser Abende, an denen ein Team scheinbar alles richtig macht - und das andere alles zu spät. Vor 36.000 Zuschauern im Stadio di Derthona feierte Gela am 8. Spieltag der 1. Liga Italien einen souveränen 3:0-Auswärtssieg, der ebenso verdient wie schmerzhaft für die Gastgeber war. Dabei hatte alles so harmlos begonnen. Derthona-Trainer Giovanni Mirabella schien auf Sicherheit zu setzen: eine defensive Grundordnung, lange Bälle, und das Prinzip Hoffnung auf Zielspieler Giacomo Fabbri. In den ersten Minuten funktionierte das sogar - Fabbri prüfte Gelas Keeper Caio Nene gleich zweimal (3. und 7. Minute). "Wenn da einer reingeht, läuft das Spiel vielleicht anders", seufzte Mirabella später mit einem Blick, der nach Espresso und schlafloser Nacht roch. Doch Gela, trainiert vom deutschen Taktikfuchs Michael Müller, ließ sich nicht aus der Ruhe bringen. Die Sizilianer spielten variabel, mit gepflegtem Kurzpassspiel und einem Angriffstrio, das selbst Beton zum Schwitzen bringt: Vazques links, Cochran rechts, Tarrega zentral. Noch vor der Pause hatte Gela die besseren Chancen - Filipe Meira (32.) und Daniel Fabbri (38.) zwangen Derthonas Keeper Spezzano zu Glanzparaden. Zur Halbzeit stand es trotzdem 0:0. "Wir wussten, dass Derthona tief steht, also mussten wir geduldig bleiben", erklärte Lucas Cochran später. Geduld - ein seltenes Gut im Fußball. Aber Gela hatte sie. Und sie wurde reich belohnt. Die 64. Minute brachte die Wende: Julian Martins zog über links, legte flach in den Strafraum, und Cochran drosch den Ball humorlos unter die Latte - 0:1. Nur eine Minute später zeigte der US-Amerikaner, dass er auch Doppelpack kann: Diesmal kam die Vorlage von Filipe Meira, und Cochran schob eiskalt ein (65.). Zwei Tore binnen 60 Sekunden - das war mehr als ein Wirkungstreffer, das war eine Demonstration. "Ich dachte kurz, wir hätten den Film gewechselt", grinste Gela-Coach Müller nach dem Spiel. "Aber nein, das war tatsächlich live." Derthona versuchte danach, sich aufzubäumen. Mirabella brachte Vincenzo Grifo (60.) für den glücklosen Pietro Coeli, später folgten noch Tommaso Di Carlo und ein junger David Beckham - ja, richtig gelesen, aber nicht der Beckham, sondern ein 20-jähriger Namensvetter aus der Jugend. "Ich hoffe, der Junge hat wenigstens den gleichen Freistoßfuß", scherzte ein Fan auf der Tribüne. Doch der Aufwind blieb aus. Stattdessen setzte Gela den Schlusspunkt: In der 74. Minute kombinierte sich Daniel Fabbri durchs Mittelfeld, steckte auf Pablo Tarrega durch - und der traf abgeklärt zum 0:3. Spätestens da war die Messe gelesen. Die letzten Minuten wurden zum Schaulaufen für Gela. Müller gönnte seinen Stars Applauspausen - Postiga kam für Dominguez (70.), Tregubow durfte für Doppelpacker Cochran ran (87.), und David Martin ersetzte Julian Martins in der Nachspielzeit. "Wenn du 3:0 führst, kannst du auch mal ein bisschen rotieren", meinte Müller mit einem Augenzwinkern. Statistisch war das Ergebnis so klar wie das Spiel: 52 Prozent Ballbesitz für Gela, neun Torschüsse gegenüber sechs von Derthona. Und während die Gäste im zweiten Durchgang offensiv explodierten, blieb Derthona defensiv gefangen. Nur eine Gelbe Karte (Albanese, 59.) - immerhin, Fairnesspreis des Abends. Nach dem Abpfiff herrschte Kontrastprogramm auf den Bänken. Während Müller lächelnd mit seinen Spielern abklatschte ("Das war reif, das war erwachsen"), stand Mirabella mit verschränkten Armen und leerem Blick an der Seitenlinie. "Ich kann den Jungs keinen Vorwurf machen", sagte er schließlich, "außer vielleicht, dass sie vergessen haben, wo das Tor steht." Die Fans von Derthona verabschiedeten ihre Mannschaft trotzdem mit Applaus - vielleicht aus Mitleid, vielleicht aus Treue. Und irgendwo in den Katakomben des Stadions hörte man einen Betreuer murmeln: "Beim nächsten Mal treffen wir wenigstens den Bus." Fazit: Gela spielte wie ein Team mit Plan, Geduld und Zielstrebigkeit - Derthona wie eines, das den Plan zu Hause gelassen hatte. 3:0, Doppelpack Cochran, Tarrega als Schlusspunkt - ein Ergebnis, das in den Statistikbüchern so nüchtern aussieht, wie es auf dem Platz eindrucksvoll war. Und für alle, die es genau wissen wollen: Ja, Gela ist jetzt oben dran - und Derthona? Nun, die suchen weiterhin nach dem Schalter, der "Offensive" heißt. 11.06.643997 07:30 |
Sprücheklopfer
Dazu müsste erst einmal ein Bundestrainer zum Betzenberg kommen. Der Letzte war meines Wissens Sepp Herberger.
Mario Basler über ein mögliches Comeback in der Nationalmannschaft