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Es war ein lauer Sommerabend im Juni, als sich 43.500 Zuschauer im Stadion von Gela versammelten, um die 2. Pokalrunde zu erleben. Wer gekommen war, um ein offenes Duell zu sehen, wurde schnell eines Besseren belehrt: Gastgeber Gela hatte den Ball, die Chancen und am Ende auch das Tor - Virtus Entella hingegen rettete sich von Minute zu Minute, als ginge es um den Weltfrieden. Schon nach drei Minuten drosch Tiago Almeida den Ball erstmals Richtung Gehäuse, als wolle er gleich ein Zeichen setzen: Heute geht nichts ohne mich. Drei Minuten später wieder Almeida, neun Minuten: Vitorino Postiga. Elf Minuten: Pablo Tarrega. Zwölf Minuten: wieder Postiga. Man konnte fast die Verzweiflung im Gesicht des Gästetorhüters Ediz Caliskan erkennen, der offenbar beschlossen hatte, sich in eine menschliche Mauer zu verwandeln. "Ich dachte irgendwann, wir spielen Handball im Strafraum", scherzte Gelas Trainer Michael Müller nach dem Spiel. "Aber dann erinnerte mich mein Co-Trainer daran, dass Handball bei uns verboten ist." Die Statistik spricht Bände: 27 Torschüsse für Gela, null - man wiederhole: null - für Virtus Entella. Der Ballbesitz: 54 zu 46 Prozent. Tacklingquote: 60 zu 40. Die Gäste hatten also durchaus Anteil am Geschehen - nämlich beim Zusehen, wie Gela den Ball laufen ließ. Doch das Spiel hatte auch seine skurrilen Momente. Gleich in der ersten Minute sah Gelas Rechtsverteidiger Jozef Kona Gelb, offenbar weil er zu enthusiastisch in den Abend startete. "Ich wollte nur zeigen, dass wir da sind", meinte er später lachend. Acht Minuten später folgte die Antwort von Entellas Simone Martirano - ebenfalls Gelb. Das war’s dann aber auch mit Entellas Offensivzeichen, denn ab da parkte die Mannschaft ihren Bus endgültig vor dem eigenen Strafraum. Die Zuschauer begannen in der zweiten Halbzeit schon, sich gegenseitig Wetten zuzuraunen: "Trifft Gela vor dem Sonnenuntergang?" Die Antwort kam in der 72. Minute in Form von Tiago Almeida, der nach einem butterweichen Zuspiel von Bernardo Ochoa endlich das Netz zappeln ließ. Ein klassisches "Endlich!"-Tor, das den kollektiven Seufzer im Stadion auslöste. "Ich hab einfach draufgehalten", grinste Almeida später in der Mixed Zone. "Nach dem 20. Versuch dachte ich, jetzt muss einer reingehen - sonst kündigt mir mein Stürmerinstinkt." Virtus Entella reagierte auf das Gegentor, als hätte jemand die Stoppuhr gedrückt: mit nichts. Kein Torschuss, kein Aufbäumen, keine Pressingwelle. Der Ball lief weiter durch Gelas Reihen, nur hin und wieder unterbrochen von einem gepflegten Rückpass auf den Torwart. Der hatte so wenig zu tun, dass er sich laut eigener Aussage "mehr über den Sonnenuntergang als über die Gegner Gedanken machen konnte". In der 65. Minute musste Mattias Lindstrom nach einer Verletzung vom Platz - ausgerechnet kurz nachdem er eingewechselt worden war. "Das war wohl ein Rekord für die kürzeste Einsatzzeit meiner Karriere", murmelte er später, das Eispack auf dem Knöchel. Trainer Müller blieb gelassen: "Das war heute kein Gala-Abend, aber solide Handarbeit. Und wenn man 27 Mal aufs Tor schießt, darf man auch mal eins machen." Auf der anderen Seite sah man betretene Gesichter. Ein Virtus-Spieler, der namentlich ungenannt bleiben wollte, fasste es mit einem gequälten Lächeln zusammen: "Wir hatten den Plan, kompakt zu stehen. Das haben wir geschafft. Leider so kompakt, dass wir selbst keinen Ausgang mehr gefunden haben." Am Ende stand ein glattes 1:0 - ein Ergebnis, das harmloser klingt, als es für Entella war. Gela spielte, Entella verteidigte, und das Publikum bekam immerhin ein Tor für sein Eintrittsgeld. Der Held des Abends, Tiago Almeida, winkte nach Abpfiff den Fans zu, hob den Daumen - und kassierte prompt noch Gelb in der 90. Minute. Vielleicht als Erinnerung daran, dass auch Helden mal über die Stränge schlagen dürfen. So zieht Gela verdient in die nächste Pokalrunde ein, mit einem Sieg, der mehr Arbeit als Glanz war, aber dafür umso ehrlicher. Virtus Entella hingegen darf sich beim nächsten Training wohl fragen lassen, ob man wirklich ein Spiel gewinnen kann, ohne den Ball aufs Tor zu bringen. Oder, wie ein Zuschauer beim Hinausgehen süffisant bemerkte: "Die hätten heute auch ohne Torhüter gespielt - wär das Ergebnis dasselbe gewesen." Ein Fazit mit Augenzwinkern: Gela machte fast alles richtig, Virtus Entella fast nichts falsch - außer Fußball zu spielen. 23.02.644003 17:35 |
Sprücheklopfer
Speziell in der zweiten Halbzeit haben wir einen guten Tag erwischt.
Andreas Möller