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Wenn 43.500 Zuschauer an einem lauen Maiabend ins Stadion strömen, um ein Spiel zwischen Gela und dem AC Neapel zu sehen, rechnet wohl kaum jemand mit einem kleinen Fußballmärchen. Doch genau das bekamen sie geboten: Gela, das gallische Dorf der "1. Liga Italien", zeigte eine Vorstellung, die irgendwo zwischen taktischer Präzision und unverschämter Spielfreude lag. Am Ende stand ein 3:0 - und ein ratloser Gasttrainer Header Maxov, der nach Abpfiff nur meinte: "Ich hab immer gesagt, Ballbesitz ist überbewertet. Aber so deutlich muss es dann auch nicht sein." Dabei hatte Neapel mit fast 57 Prozent Ballbesitz und der optischen Dominanz eigentlich alles in der Hand - außer das, was im Fußball zählt: Tore. Während Neapels Passstafetten hübsch anzusehen waren, schoss Gela einfach aufs Tor. Sechzehnmal, um genau zu sein. Und drei dieser Versuche zappelten schließlich im Netz. Schon in der 11. Minute legte Javier Vazques den Grundstein. Nach Vorlage von Ignacio Barbosa, der über rechts durchmarschierte, drosch Vazques den Ball mit der Präzision eines Chirurgen in die lange Ecke. "Ich hab einfach draufgehalten", grinste der Torschütze später, "und gehofft, dass der Torwart nicht gerade in dem Moment Kaffee trinkt." Der Keeper tat es nicht - aber er blieb chancenlos. Neapel versuchte danach, Ruhe ins Spiel zu bringen, doch Gela roch Blut. Die Mannschaft von Trainer Michael Müller spielte eine offensive Taktik, wie sie im Lehrbuch steht: aggressiv, aber kontrolliert, mit kurzen Pässen und einem Mittelfeld, das ständig aufrückte. In der 37. Minute folgte das 2:0 - Julian Martins hämmerte den Ball nach einem Zuspiel von Vitorino Postiga unter die Latte. Der Jubel war ohrenbetäubend. Müller drehte sich zum vierten Offiziellen und sagte, halb im Spaß: "Wenn das so weitergeht, muss ich wohl bald Tickets für Europa buchen." Die zweite Halbzeit begann mit einer Schrecksekunde: Daniel Fabbri verletzte sich nach einem Zweikampf und musste in der 57. Minute raus. Für ihn kam Niels Wegener, der sich prompt eine Gelbe Karte abholte - offenbar eine Art Einstandsgeschenk an den Schiedsrichter. Zwei Minuten zuvor war David Martin für den bereits verwarnten Martins gekommen - eine Maßnahme, die sich als goldrichtig erwies. Denn in der 66. Minute schlug Martin zu. Wieder war Postiga der Vorlagengeber, und wieder sah Neapels Defensive aus wie in einem schlechten Tutorial-Video. Martin nahm den Ball mit links, schaute kurz - und schlenzte ihn ins lange Eck. 3:0. Der Rest war eine Mischung aus Galavorstellung und Zeitmanagement. Müller schickte noch Jozef Kona für den gelbgefährdeten Ochoa (73.), und Gela verwaltete das Ergebnis, als hätten sie das schon hundertmal gemacht. Neapel? Drei Torschüsse insgesamt, davon einer in der 88. Minute - aus 25 Metern, weit vorbei. Trainer Maxov stand an der Seitenlinie, die Hände tief in den Taschen, und murmelte etwas von "fehlender Konsequenz". Nach dem Spiel stellte er sich den Journalisten und sagte: "Unsere Statistik sieht gut aus. Leider zählt das nicht auf der Anzeigetafel." Ganz anders die Stimmung bei Gela. Kapitän Postiga, der zwei Assists beisteuerte, strahlte: "Das war einer dieser Abende, an denen einfach alles klappt. Wir hatten weniger Ball, aber mehr Herz - und das reicht oft." Da schaute sogar Trainer Müller stolz, klopfte ihm auf die Schulter und fügte trocken hinzu: "Und diesmal hat niemand vergessen, wo das Tor steht." Die Zahlen untermauern den Eindruck: 16:3 Torschüsse, 57 Prozent gewonnene Zweikämpfe, drei Gelbe Karten, aber keine Hektik. Gela spielte mit Leidenschaft, Neapel mit Geduld - doch Fußball bleibt ein Spiel der Tore. Als die Fans nach Abpfiff noch immer "Gela! Gela!" skandierten, verließ Müller den Platz mit einem Lächeln, das irgendwo zwischen Erleichterung und Selbstzufriedenheit lag. "Ich sag’s mal so", meinte er im Kabinengang, "wenn wir so weitermachen, müssen wir uns bald Gedanken über internationale Spiele machen. Und ich hab nicht mal einen gültigen Reisepass." Ein Abend, den man in Gela so schnell nicht vergessen wird - und einer, der Neapel wohl noch länger beschäftigen dürfte. Denn wer 57 Prozent Ballbesitz hat und trotzdem 0:3 verliert, weiß: Fußball ist manchmal einfach ungerecht - aber immer herrlich ehrlich. 02.03.644000 15:29 |
Sprücheklopfer
Meine Frau und ich, wir sind jetzt seit zwei Jahren verheiratet und bei uns läuft alles gut.
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