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Wenn 43.500 Zuschauer gleichzeitig den Atem anhalten, dann weiß man: In Gela wird wieder Champions-League-Fußball gespielt. Und was für einer! Das 3:3 gegen Limhamn Bunkeflo war kein taktisches Schachspiel, sondern ein wilder Ritt zwischen Genie und Wahnsinn - mit allem, was dazugehört: Traumtore, ein Platzverweis, zittrige Nerven und ein Trainer, der am Ende aussah, als hätte er gerade einen Marathon hinter sich. Schon nach zwölf Minuten schien der Abend eine klare Richtung zu nehmen: Limhamns flinker Rechtsaußen Harvey Combe zirkelte den Ball nach feiner Vorarbeit von Hartmut Hartmann ins lange Eck - 0:1. Trainer Georg Stachel ballte die Faust, während Michael Müller auf der Gegenseite nur trocken murmelte: "Na wunderbar, das fängt ja gut an." Doch die Hausherren antworteten prompt: In der 17. Minute setzte sich Julian Martins auf links durch, legte quer, und Javier Vazques drosch das Leder mit links in die Maschen. Der Jubel hallte durchs Stadion - kurzzeitig glaubte man, Gela hätte die Kontrolle übernommen. Aber Limhamn Bunkeflo hatte andere Pläne. In der 34. Minute schlich sich Innenverteidiger Paul Sommer bei einer Ecke nach vorne, und während die Gela-Abwehr kollektiv Kaffee zu trinken schien, nickte er ungestört zum 1:2 ein. Nur sieben Minuten später erhöhte Tamas Fekete nach einem schnellen Konter auf 1:3 - und die Gäste schienen schon auf der Siegerstraße. "Wir haben das Spiel im Griff", flüsterte Stachel zur Pause selbstsicher. Doch Fußballspiele dauern bekanntlich länger als 45 Minuten - und Gela hatte noch eine Rechnung offen. Nach dem Seitenwechsel wirbelten die Gastgeber, als hätte ihnen jemand Espresso intravenös verabreicht. 16 Torschüsse am Ende sprechen eine deutliche Sprache. In der 63. Minute kam die Hoffnung zurück: Rechtsverteidiger Samuel Perlman, sonst eher als Laufwunder denn als Torjäger bekannt, traf nach schöner Vorarbeit von Lucas Cochran zum 2:3. "Ich hab einfach mal draufgehalten", grinste Perlman später, "und diesmal ging er rein - keine Ahnung warum." Doch kurz darauf der Dämpfer: In der 70. Minute sah Innenverteidiger Serhat Aydemir glatt Rot nach einem rustikalen Einsteigen, das eher an Ringen als an Fußball erinnerte. Zehn Mann, ein Tor Rückstand - das hätte das Ende sein können. Aber Müller stellte um, brachte David Martin und später Niels Wegener, und Gela warf alles nach vorn. Die letzten 20 Minuten waren ein einziges Drücken, Rennen, Schießen. Limhamn Bunkeflo, mit 56 Prozent Ballbesitz eigentlich Herr im Haus, verlor die Kontrolle. Die Schweden konterten zwar noch über den emsigen Combe, doch Torwart Pattrick Gabriel hielt mit stoischer Ruhe. Und dann kam die 85. Minute: Wieder Perlman, diesmal als Vorlagengeber, flankte präzise auf Corey Staunton. Der Veteran nahm den Ball direkt - 3:3! Das Stadion explodierte. Müller schrie etwas, das vermutlich "Jawoll!" hieß, und Stachel trat wütend gegen eine Trinkflasche. "Wir haben Moral gezeigt, auch wenn’s weh tat", sagte Müller nach Abpfiff, sichtlich heiser. "Nach dem Platzverweis dachte ich kurz, das war’s. Aber die Jungs haben sich reingebissen." Stachel hingegen schüttelte nur den Kopf: "Wenn du 3:1 führst, darfst du das nie herschenken. Nie!" Die Zahlen unterstreichen das Drama: 16:9 Torschüsse für Gela, aber weniger Ballbesitz. Mehr Aggressivität, mehr Risiko - und am Ende der gerechte Lohn. Auch der Schiedsrichter hatte seinen Anteil am Unterhaltungswert: eine Gelbe für Sommer, eine für Perlman, und reichlich Diskussionsstoff für die Montagstalkshows. Als die Fans nach 94 Minuten endlich aufatmeten, war klar: Dieses Spiel wird man so schnell nicht vergessen. Ein 3:3, das sich anfühlt wie ein Sieg - zumindest für Gela. Limhamn dagegen wird sich fragen, wie man ein solches Spiel noch aus der Hand geben kann. "Ich hab in der Kabine gesagt: Wenn wir schon untergehen, dann bitte mit Feuer", verriet Müller zum Abschied augenzwinkernd. Und Feuer war da - lodernd, unberechenbar, wunderschön. Vielleicht war es kein perfekter Fußballabend. Aber ein perfekter Beweis, warum man diesen Sport liebt. 30.03.643994 05:58 |
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So schnell wie ich heute gelaufen bin, konnte mich keine Kamera einfangen.
Mario Basler