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Gela lässt Lecce keine Chance - Späte Tore zementieren den Triumph

Es gibt Fußballabende, die entwickeln sich langsam - wie ein guter Rotwein. Und dann gibt es solche wie diesen, an dem 43.500 Zuschauer im Stadion von Gela zunächst gähnend in ihre Plastikschalen sanken, nur um in der Schlussphase aus allen Nähten zu platzen. Am Ende hieß es 3:0 (0:0) für Gela gegen ein blutjunges UD Lecce, das mit viel Mut, aber wenig Fortune anreiste.

Die erste Halbzeit war ein Musterbeispiel für geduldige Offensivarbeit - oder, je nach Temperament des Betrachters, für gepflegte Langeweile. Gela hatte den Ball, Lecce lief hinterher. 50,1 Prozent Ballbesitz für die Hausherren, also praktisch Gleichstand, aber die Statistik erzählte eine andere Geschichte: 17 Torschüsse für Gela, ganze 2 für die Gäste. "Wir haben sie einfach nicht richtig erwischt", knurrte Lecce-Trainerin Marita Order später. "Und wenn wir den Ball hatten, wussten wir selbst nicht, warum."

Man konnte den Spielern aus Lecce die Nervosität ansehen. Zwei Gelbe Karten - Nicolo Di Francesco (54.) und Ingo Chalana (75.) - sprachen Bände. Trainerin Order stapfte an der Seitenlinie auf und ab, während ihr Pendant Michael Müller stoisch an seiner Wasserflasche nuckelte. "Ich wusste, dass wir irgendwann durchkommen", sagte er später mit einem Lächeln. "Manchmal ist Fußball wie ein Stau: Irgendwann löst er sich einfach auf."

Das Auflösen begann in Minute 72. Rechtsverteidiger Bernardo Ochoa, sonst eher der Typ "Sicherheitsquerpass", fasste sich ein Herz, zog nach innen und traf - nach Zuspiel von Niels Wegener - trocken ins lange Eck. Ein Tor wie ein Befreiungsschlag. Das Stadion erwachte aus der Trance, die Fans brüllten, als hätten sie gerade das WM-Finale gewonnen. Ochoa grinste später: "Eigentlich wollte ich flanken, aber wer bin ich, mich zu beschweren?"

Danach war Lecce endgültig bedient. Nur eine Minute nach dem Gegentor versuchte Innenverteidiger Nowak es mit einem Verzweiflungsschuss aus der zweiten Reihe - der Ball flog in die vierte. "Das war unser einziger Moment", sagte er mit einem Schulterzucken.

In der 79. Minute folgte das 2:0: Pablo Tarrega, der Mittelstürmer mit der Eleganz eines Presslufthammers, setzte sich im Strafraum durch und hämmerte den Ball unter die Latte. Kein Schnörkel, keine Geste, einfach Tor. "Das war pure Wut", verriet er später. "Ich hatte schon fünf Chancen vorher. Irgendwann muss ja mal was reingehen."

Gela wechselte anschließend - Ochoa durfte unter Applaus raus, Jozef Kona kam (81.). Müller klatschte jeden Einzelnen ab, als würde er gerade den Champions-League-Pokal entgegennehmen. Und weil Fußball diese ironische Dramaturgie liebt, legte Lucas Cochran in der Nachspielzeit (92.) noch das 3:0 nach. Ein Konter, ein Sprint, ein Schuss - fertig. Lecce-Keeper Mattia Capriotti blieb regungslos, als müsste er das Geschehen erst verarbeiten. "Ich habe den Ball gehört, aber nicht gesehen", murmelte er später.

Cochran war ohnehin der auffälligste Mann auf dem Platz: sieben Torschüsse, unermüdlich unterwegs, ständig gefährlich. "Ich wollte unbedingt treffen", lachte er. "Sonst hätte Müller mich Montag im Training um den Platz gejagt."

Das Publikum verabschiedete die Mannschaft mit Standing Ovations, während die Gäste enttäuscht, aber nicht zerknirscht abklatschten. Die jungen Wilden aus Lecce hatten gekämpft, aber am Ende war Gela schlicht zu abgeklärt.

"Unsere Taktik war offensiv, vielleicht zu offensiv", analysierte Order trocken. "Aber wenn man Pressing auf dem Papier stehen hat und auf dem Platz keines sieht, hat man ein Problem." Müller dagegen wirkte gelöst: "Das war die richtige Antwort auf die letzten Wochen. Wir wollten zeigen, dass wir Tore auch noch selbst schießen können."

Und tatsächlich: Gela spielte nicht überragend, aber zielstrebig. Eine Mischung aus Geduld, Routine und einem kleinen Schuss Wahnsinn in der Schlussphase.

Bezeichnend, dass die Taktikdaten am Ende eine "offensive Ausrichtung" und "aktives Pressing" für Gela ausweisen - spätestens in der Nachspielzeit war das keine Statistik mehr, sondern pure Realität.

So verabschiedete sich der Abend mit drei späten Toren, vielen zufriedenen Gesichtern und einem Trainer, der das letzte Wort hatte: "Ich sage den Jungs immer: Geduld ist auch eine Taktik."

Und wer ihn heute gesehen hat, der glaubt es ihm.

16.01.644000 08:20
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