Tuttosport
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Gela ringt AS Varese nieder - Geduld zahlt sich spät aus

Ein lauer Frühlingsabend in Gela, 43.500 Zuschauer, ein volles Haus und doch zunächst gähnende Leere auf der Anzeigetafel. Erst nach 56 Minuten erlöste Lucas Cochran die Fans - und das, nachdem er bereits zuvor das halbe Stadion in einen kollektiven Nervenzusammenbruch geschossen hatte. 23 Torschüsse, aber erst der 24. saß - sinnbildlich für ein Spiel, das Geduld und Nerven zugleich strapazierte. Am Ende hieß es 2:0 (0:0) für Gela gegen AS Varese, ein Ergebnis, das deutlicher klingt, als es sich in der ersten Stunde anfühlte.

Dabei begann alles mit einem schnellen Weckruf - allerdings durch die Gäste: In der 14. Minute prüfte Joseph Schuster Gelas Keeper Albert Valente mit einem wuchtigen Schuss aus 18 Metern. Das blieb allerdings einer von nur zwei ernsthaften Versuchen der Vareser, den Torwart an diesem Abend in Verlegenheit zu bringen. Danach war Schluss mit Offensivgeist. "Wir wollten offensiv stehen, aber irgendwie standen wir dann nur", kommentierte Varese-Trainer Georg Wagner trocken.

Gela dagegen rannte an, kombinierte, flankte, dribbelte - und scheiterte. David Martin prüfte den Torwart in der 16. und 18. Minute, Niels Wegener legte in der 20. und 24. nach, Lucas Cochran schoss in der 25. und 28. Minute knapp vorbei. "Ich dachte schon, das Tor ist verflucht", grinste Trainer Michael Müller später. "Aber Lucas hat dann den Exorzismus eingeleitet."

Dieser "Exorzismus" kam in Minute 56. Martin, der umtriebige Linksaußen, zog zwei Verteidiger auf sich, legte quer, und Cochran drosch den Ball mit der Wucht eines ganzen Heimblocks ins Netz. 1:0 - das Stadion explodierte, der Torjäger riss die Arme hoch, und selbst der ansonsten stoische Müller ballte die Faust. "Endlich!", brüllte ein Zuschauer in der dritten Reihe so laut, dass der Stadionsprecher kurz pausierte.

Danach tat Gela das, was es am besten kann: weiter anrennen. Varese kam kaum noch über die Mittellinie. Die Gäste hatten zwar mit knapp 51 Prozent etwas mehr Ballbesitz, aber was nützt das, wenn der Ball kaum in die gefährliche Zone gelangt? Gela verteidigte aggressiv, gewann 58 Prozent der Zweikämpfe und ließ den Gegner ins Leere laufen.

In der 68. Minute brachte Müller frische Beine: Daniel Fabbri ersetzte Niels Wegener im Mittelfeld, später kam auch Julian Martins für David Martin. Ein Schachzug, der sich auszahlte - wenn auch erst spät. In der 89. Minute, als die Varese-Abwehr schon eher nach Mitternacht aussah als nach Profi-Liga, kam die Entscheidung: Martins setzte sich auf links durch, flankte flach in die Mitte, und Pablo Tarrega schob mit stoischer Ruhe zum 2:0 ein. Der Rest war Jubel.

"Ich wollte erst noch querlegen, aber dann dachte ich: Ach komm, du machst den Sack jetzt zu", lachte Tarrega nach dem Spiel. Sein Trainer nickte: "Genau das unterscheidet uns heute - wir haben nachgelegt, wo andere abwinken."

Varese hingegen wirkte am Ende ratlos. Nicht einmal die Einwechslungen von Fabio Cervicati und später Gerrit Vrooman brachten Struktur ins Spiel. Höhepunkt - oder Tiefpunkt - ihrer zweiten Halbzeit: eine Gelbe Karte für Hans Ostrander in der 83. Minute, nachdem er frustriert einen Gegenspieler ummähte. "War nix", meinte Ostrander anschließend mit einem Schulterzucken, "ich hab nur den Rasen gepflegt."

Die Statistik unterstreicht das Bild: 23:2 Torschüsse, 49 zu 51 Prozent Ballbesitz, aber 100 Prozent Kontrolle für Gela. Die Gastgeber spielten offensiv, druckvoll, und steigerten ihre Intensität bis zum Schlusspfiff. In den letzten Minuten pressten sie sogar - ein ungewohntes Bild für ein Team, das sonst lieber den Ball laufen lässt. "Ich hab’s ihnen gesagt: Wenn ihr schon lauft, dann richtig", grinste Müller.

Und so endete der Abend, wie er für Heimfans enden sollte: mit einem Sieg, zwei späten Toren und einer Ehrenrunde, die länger dauerte als manch Angriff der Gäste.

Ein älterer Fan fasste es beim Verlassen des Stadions so zusammen: "Am Anfang dachte ich, das wird wieder so ein 0:0 zum Einschlafen. Aber dann kam der Cochran - und ich war wieder wach." Treffender kann man’s kaum sagen.

Ob Gela damit endgültig in der Spitzengruppe der 1. Liga Italien angekommen ist, bleibt abzuwarten. Doch für diesen Abend gilt: Geduld ist manchmal tatsächlich eine Fußball-Tugend - und ein 2:0 fühlt sich besser an, wenn man vorher fast verzweifelt ist.

07.05.643997 14:13
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Mit David Odonkor will ich mich dennoch nicht messen. Fußball ist nicht nur rennen, da ist auch der Ball dabei. Und es ist wichtig, dass man den trifft.
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