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Ein lauer Juniabend, 43.500 Zuschauer, Champions-League-Hymne - und dann ein Spiel, das so wechselhaft war wie das mediterrane Wetter: Gela und Rad Belgrad trennten sich in einem intensiven Schlagabtausch 2:2 (1:1). Beide Teams lieferten sich über 90 Minuten einen offenen Schlagabtausch, der taktisch nicht immer brillant, aber an Unterhaltungswert kaum zu überbieten war. Schon in der 8. Minute bebte das Stadion, als Tiago Almeida - nach feiner Vorarbeit von Julian Martins - den Ball humorlos unter die Latte hämmerte. "Ich habe einfach draufgehalten", grinste der Portugiese später, "und gehofft, dass der Ball nicht den Linienrichter trifft." Trainer Michael Müller sprang an der Seitenlinie in die Luft, riss die Arme hoch - und sah dabei aus, als wolle er selbst eingewechselt werden. Doch die Euphorie währte nicht lange. Rad Belgrad antwortete, wie man es von einer Mannschaft mit Balkan-DNA erwartet: leidenschaftlich, lautstark und kompromisslos. Curt Ahrens, der rechte Wirbelwind der Gäste, nutzte in der 20. Minute eine scharfe Hereingabe von Pau Santos, um den Ball ins kurze Eck zu drücken. "Wir wollten zeigen, dass wir nicht nur Holz hacken können", meinte Ahrens später mit einem Augenzwinkern. Danach wurde das Spiel ruppiger. Beide Teams zeigten "starke Aggressivität", wie es der Taktikbericht nüchtern nennt - auf dem Platz sah das eher nach einem freundlichen Austausch von blauen Flecken aus. Schiedsrichter Lemoine aus Frankreich ließ viel laufen, manchmal zu viel, fand zumindest Gela-Kapitän Niels Wegener: "Ich glaube, ich habe heute mehr Tritte abbekommen als Ballkontakte." Nach dem Seitenwechsel änderte sich das Bild kaum. Gela hatte laut Statistik 50,9 Prozent Ballbesitz - also theoretisch die Kontrolle, praktisch aber reichlich Mühe, aus den 11 Torschüssen Kapital zu schlagen. In der 58. Minute gelang es dann doch: Ignacio Barbosa zog nach Doppelpass mit Wegener von rechts nach innen und schlenzte den Ball präzise ins lange Eck - 2:1. Ein Tor wie aus dem Lehrbuch, und das Publikum sang, als hätte man gerade das Finale gewonnen. Doch Rad Belgrad wäre nicht Rad Belgrad, wenn sie nicht noch eine Antwort parat gehabt hätten. Trainer Thomas Kuzi brachte in der 68. Minute Jan Demo, einen kantigen Rechtsaußen mit der Statur eines Rugbyspielers - und genau dieser Demo leitete nur vier Minuten später den Ausgleich ein. Seine flache Flanke erreichte Andreas Hagen, der den Ball in der 72. Minute eiskalt verwandelte. 2:2 - und Gela schaute bedröppelt drein. Müller reagierte, brachte frisches Blut: David Martin, später Vitorino Postiga und schließlich Javier Deco durften ran. Doch die erhoffte Schlussoffensive blieb aus. Zwar drängte Gela in den letzten Minuten, Almeida prüfte Keeper Mintal gleich mehrfach (65., 70., 83.), doch der Belgrader Schlussmann hielt seinen Kasten mit Katzenreflexen sauber. "Ich habe mich an meinen alten Gameboy erinnert - bloß nicht blinzeln", scherzte Mintal nach Abpfiff. Auf der anderen Seite vergab Leandro Cercas in der Nachspielzeit (94.) die große Chance zum Lucky Punch, als er aus 16 Metern knapp über die Latte zog. Trainer Kuzi ballte die Faust, dann die Lippen: "Ein Punkt auswärts ist besser als ein Glas Wasser - es erfrischt, aber man bleibt durstig." Beide Teams präsentierten sich offensiv ausgerichtet, mit mutigen Taktiken und wenig Lust auf Sicherheitsfußball. Gela spielte, laut Daten, mit offensiver Ausrichtung und ausgewogenem Passspiel, Belgrad ebenso - nur mit etwas mehr Härte. Kein Wunder also, dass einige Zweikämpfe eher an Ringkampf erinnerten. Nach dem Schlusspfiff gab es Schulterklopfen und hitzige Diskussionen - vor allem zwischen Almeida und Ahrens, die sich gegenseitig erklärten, wer den schöneren Treffer erzielt hatte. Müller fasste es trocken zusammen: "Wir haben zweimal geführt und zweimal nachgelassen. Das ist wie ein Date, bei dem man zweimal bezahlt und trotzdem allein nach Hause geht." So bleibt Gela nach dem ersten Gruppenspiel mit einem Punkt und vielen Eindrücken zurück - zwischen Ärger, Stolz und der Gewissheit, dass man in dieser Champions-League-Gruppe keinem Gegner etwas schenken darf. Und Rad Belgrad? Die reisen mit einem Grinsen ab. Nicht, weil sie überragend waren, sondern weil sie wieder einmal bewiesen haben, dass jugoslawische Fußballromantik und eiserner Wille immer für einen Punkt gut sind. Und irgendwo auf der Tribüne soll ein Zuschauer gesagt haben: "Wenn jedes 2:2 so aussieht, dann will ich nie wieder ein 1:0 sehen." Recht hat er. 27.12.644002 13:05 |
Sprücheklopfer
Wenn man mir die Freude am Fußball nimmt, hört der Spaß bei mir auf!
Thomas Häßler in seiner Dortmunder Zeit