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Ein Pokalabend, der von der ersten Sekunde an entschieden war: 43.500 Zuschauer im Stadion von Gela sahen, wie die Hausherren AS Bologna mit 4:0 (1:0) aus dem Wettbewerb kegelten - und das mit einer Mischung aus Spielfreude, Zielstrebigkeit und einer Prise Schadenfreude. Schon nach 60 Sekunden bebte das Stadion. Corey Staunton, Gela’s quirliger Rechtsaußen, hatte offenbar keine Lust auf Abtasten und drosch den Ball nach Pass von Niels Wegener humorlos in die Maschen. "Ich dachte, wir hätten Anstoß", murmelte Bolognas Trainer später, während er fassungslos auf seine Notizen starrte. Seine Spieler schienen den gleichen Gedanken gehabt zu haben. Gela-Trainer Michael Müller grinste nach dem Blitzstart zufrieden: "Wenn du so beginnst, kannst du eigentlich nur noch verlieren - oder vier Tore machen." Es wurde Letzteres. Bologna fand nie in die Partie. Null Torschüsse - das ist nicht einmal mehr defensiv, das ist fast schon meditativ. Während die Gäste im "Balanced"-Modus durch die Statistiktabelle spazierten, spielte Gela mit 56 Prozent Ballbesitz und 22 Torschüssen munter nach vorne. Die Offensive um Javier Garcia und Julien Matthieu hatte sichtlich Spaß daran, den Bologneser Strafraum in ein Versuchsfeld für Flanken und Direktabnahmen zu verwandeln. Nach der frühen Führung spielte Gela befreit auf, aber zunächst ohne weitere Treffer. Garcia vergab in der 37. Minute freistehend, und auch Tregubow scheiterte mehrfach an Torwart Alfie Devaney, der trotz der vier Gegentreffer der beste Mann seiner Mannschaft war - was einiges über den Rest aussagt. In der Pause soll Müller seine Jungs mit einem trockenen "Bleibt einfach so nervig wie bisher" verabschiedet haben. Gesagt, getan. In der 70. Minute wurde das Geduldsspiel belohnt: Marco Frechaut flankte präzise auf Julien Matthieu, der per Volley das 2:0 erzielte. Drei Minuten später dieselbe Kombination, nur dass Matthieu diesmal den Ball mit der Brust annahm und ins lange Eck schlenzte. "Zweimal Frechaut, zweimal Matthieu - das ist fast schon Kabarett", witzelte ein Zuschauer auf der Tribüne. Spätestens beim 3:0 war Bologna endgültig gebrochen. Die Italiener, sonst für taktische Disziplin bekannt, wirkten wie eine Schülermannschaft nach zu viel Pizza. Gelas Angriffswirbel rollte weiter, und als Innenverteidiger Tahsin Caliskan in der 79. Minute nach einer Ecke von Jeno Lisztes per Kopf das 4:0 markierte, erhob sich selbst die Ersatzbank zu einem anerkennenden Applaus. "Ich hatte einfach Lust, mal vorne mitzumischen", lachte Caliskan nach dem Spiel. Müller kommentierte trocken: "Wenn der Innenverteidiger anfängt, Tore zu schießen, weißt du, dass der Gegner aufgegeben hat." Bologna wehrte sich nicht einmal mit Härte - nur eine Gelbe Karte für Juan Pablo Oliveira in der 34. Minute, aus purer Verzweiflung über einen verlorenen Zweikampf. Gela dagegen kassierte zwei Verwarnungen (Martin und Semedo), allerdings eher aus Übermut als aus Not. "Wir wollten zeigen, dass wir auch foulen können", grinste Martin nach seiner Gelben bei Minute 67. Taktisch blieb Gela über 90 Minuten offensiv eingestellt, auch wenn die Statistik "Einsatz: weak" am Ende einen ironischen Unterton hat - schwacher Einsatz mit vier Toren, das hätte Bologna wohl gern. Die Gäste dagegen hielten trotzig am "balanced" fest, was auf dem Papier vernünftig klang, auf dem Platz aber wie ein Synonym für Hilflosigkeit wirkte. Nach dem Schlusspfiff tanzten die Gela-Spieler ausgelassen vor der Fankurve. "Das war ein Statement", sagte Doppeltorschütze Matthieu, "wir wollten zeigen, dass wir im Pokal mehr sind als nur Statisten." Müller nickte zufrieden und fügte an: "Und diesmal mussten wir nicht mal ins Elfmeterschießen. Das spart Nerven - und Flutlichtkosten." Für Bologna bleibt nur das Fazit eines ernüchternden Abends: kein einziger Torschuss, kein Zugriff, keine Chance. Der Pokaltraum endete in 90 Minuten, die ihnen vermutlich länger vorkamen als eine italienische Oper. Vielleicht bringt der nächste Gegner Gela mehr Gegenwehr. Aber nach diesem 4:0 dürfte sich in der Liga jeder zweimal überlegen, ob er wirklich "offen spielen" will gegen Müller und seine Offensivmaschine. Kurz gesagt: Gela tanzt weiter - Bologna schaut zu. 03.05.643994 20:57 |
Sprücheklopfer
Auch ein Franz Beckenbauer kann einmal den Spielern in den sogenannten Hintern treten.
Lothar Matthäus